26. Oktober 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Schostakowitsch / Marc Coppey

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #040 – Cellomania
Schostakowitsch / Marc Coppey
Schostakowitsch / Marc Coppey

Zwei Werke, zu denen sich zahlreichen Einspielungen im Katalog finden. Denn mit seinen Konzerten für Violoncello und Orchester hat Dmitri Schostakowitsch Partituren geschaffen, die (wie viele andere seiner Kompositionen) längst zum festen Repertoire gehören – ein Phänomen, das etwas aussagt über die emotionale Intensität, die unmittelbare Erfahrbarkeit wie auch die motivisch-melodische Griffigkeit seiner Musik. Hier scheint der Komponist gleichsam selbst zu sprechen: durch die Noten selbst, durch den Solopart des Violoncellos, den ersten Solisten (die Uraufführungen spielte der mit Schostakowitsch eng befreundete unangepasste Mstislaw Rostropowitsch), letztlich auch durch das charakteristische D-S-C-H-Sigel, ein höchst persönliches soggetto cavato.

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Dass der französische Cellist Marc Coppey, der inzwischen bereits ein halbes Jahrhundert hinter sich gelassen hat, erst jetzt beide Konzerte aufgenommen hat, zeugt von Respekt gegenüber den Werken, ihren technischen wie interpretatorischen Herausforderungen. Im Kern handelt es sich um eine Live-Einspielung vom 19. Dezember 2019 (ergänzt durch die üblichen Retakes) aus dem 2015 eröffneten Konzerthaus im schlesischen Katowice, das durch seine hervorragende Akustik auch internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Sie kommt vor allem komplexer wie strukturell anspruchsvoller Musik entgegen. Auch bei dieser Produktion ist das hörbar: Das Orchester klingt sehr klar und offen im Raum (die Streicher fast zu sehr zurückgenommen), das Violoncello mutet mir hingegen etwas zu präsent an. Verloren geht dabei unglücklicherweise das Gleichgewicht – auch das der sich in der Partitur klanglich ergänzenden Linien. Andererseits wird man den Solopart wohl nur selten in solch brillanter Konturenschärfe mit all seinen Facetten wahrgenommen haben. Indem Marc Coppey aber mit jeder Phrase eine musikalische «Geschichte» erzählt, geht das Konzept auf. Mehr dazu hätte ich gerne im Booklet erfahren; hier aber kommt eigentümlicherweise nur Lawrence Foster als Dirigent indirekt zu Wort.


Dmitri Schostakowitsch: Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 Es-Dur op. 107,  Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 126

Marc Coppey (Violoncello), Polnish National Radio Symphony Orchestra, Lawrence Foster

audite 97.777 (2019)

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