6. August 2020 nmz – HörBar – unbestechlich / unabhängig / phonokritisch
Paavo Heininen: Violin Sonatas

Paavo Heininen: Violin Sonatas

Teil 7 von 7 in Michael Kubes HörBar #010 – u. a. Etüden

Etwas trocken mutet die klangliche wie formale Architektur der 2014 entstandenen Boston-Sonaten op. 134 an, auch wenn Heininen selbst bekundet, es wäre nach der ersten Sonate noch so viel Material übrig gewesen, dass damit auch noch die Nr. 2 (Variationen, fünf Sätze) und Nr. 3 (Ballade, sieben Sätze) zu bestreiten waren. Es liegt nicht an den Interpreten, dass diese Musik unterkühlt und abstrakt wirkt, wie aus einem anderen Jahrzehnt. Und dennoch: Für diese ausgesprochen klassisch-romantische Besetzung (Violine und Klavier) sind die Sonaten eine lohnende, großformatige Bereicherung des Repertoires. Paavo Heininen:

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Yoichi Sugiyama: Kinderszenen – Kazue Sawai (Basskoto), The Imai Viola Quartet u.a.

Yoichi Sugiyama: Kinderszenen – Kazue Sawai (Basskoto), The Imai Viola Quartet u.a.

Teil 6 von 7 in Michael Kubes HörBar #010 – u. a. Etüden

Bereits im Booklet wird fast entschuldigend von einer Portrait-CD gesprochen, angesichts der hier zu verfolgenden, fast verwirrend vielfältigen ästhetischen Ansätze, die sich (erfreulicherweise) nicht allzu leicht mit einem Etikett versehen lassen. In Japan geboren, zunächst auf der Violine ausgebildet, dann der Komposition und später auch dem Dirigieren verpflichtet, lebt Yoichi Sugiyama (geb. 1969) seit fast 20 Jahren in Mailand – nicht als Wanderer zwischen den Kulturen, sondern die Traditionen reflektierend. So handelt es sich bei Kuguhi (Schwanengesang, 2015) um eine Komposition für ein Koto, die das Instrument gestisch zwar nicht

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Åke Parmerud: Zeit aus Zeit (2002), Mirage (1995), Rituals (2006)

Åke Parmerud: Zeit aus Zeit (2002), Mirage (1995), Rituals (2006)

Teil 5 von 7 in Michael Kubes HörBar #010 – u. a. Etüden

Auf nur wenigen Tonträgern sind seine Werke zu finden. Und so stellt dieses Album in gleich mehrfacher Hinsicht eine Ausnahme dar. Denn das Schaffen von Åke Parmerud (geb. 1953) ist in seiner akustischen Diversität kaum mit nur wenigen Worten zu fassen. Mit einer eigenen Firma gestaltet er Soundräume, Medien und Software, und als Komponist, Musiker, Multimediakünstler erarbeitet sich Parmerud seine Partituren mit Instrumenten, elektronischen Klängen und Zuspielungen. Die hier eingespielten Werke zeigen das in ganz unterschiedlicher Weise und Intensität. Das jüngste Werk Rituals (2006), im Untertitel als „Percussion Concerto“ bezeichnet und

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William Alwyn, Doreen Carwithen: Music for String Quartet – Tippett Quartet

William Alwyn, Doreen Carwithen: Music for String Quartet – Tippett Quartet

Teil 5 von 7 in Michael Kubes HörBar #009 – 2020/01

Eine CD, die Werke von William Alwyn (1905–1985) und seiner Schülerin Doreen Carwithen (1922–2003) versammelt. Eine fraglos reizvolle Konzeption, die aber noch weiter zu denken ist: Denn die eingespielten Werke verweisen harmonisch wie klanglich auf eine eigene Tradition des Streichquartetts auf der Insel. Der Bogen wird gespannt von Alywns Winter Poems (1948) bis zu seinem gewichtigen Streichquartett Nr. 3 (1984), die chronologisch die beiden hörenswerten Werke von Carwithen (1945 und 1950) umrahmen. Das Tippett Quartet spielt engagiert und arbeitet den charakteristischen britischen Ton der Partituren heraus. Nebenbei: Im Booklet wird

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Pelle Gudmundsen-Holmgreen: Complete String Quartets Vol. 1 – Nordic String Quartet

Pelle Gudmundsen-Holmgreen: Complete String Quartets Vol. 1 – Nordic String Quartet

Teil 4 von 7 in Michael Kubes HörBar #009 – 2020/01

Die Geschichte des Streichquartetts ist die eines zeitlosen Erfolgs. Was diese Gattung über die Jahrzehnte und Jahrhunderte überstanden hat, ist gigantisch. Denn während die Welt mehrfach in Flammen stand, radikale Wege der stilistischen Reflexion und Erneuerung gesucht wurden, hat es schlichtweg überlebt, mehr noch: es hat seinen klaren, abstrakten Klang immer in den Dienst der ewigen Erneuerung gestellt und dennoch (ästhetisch) nie an Reiz verloren, auch nicht abgehoben im Helikopter. Das dänische Kult-Label dacapo (man könnte auch von einem staatlich geförderten Musikmonopol sprechen) setzt nun mit der begonnenen Einspielung aller

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Splendid Harmony: 17th Century Instrumental Music by Students of Heinrich Schütz (2015)

Teil 6 von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Thieme, Furchheim, Vierdanck, Löwe und Pohle. Fünf Namen von fünf Komponi­sten, Instrumentalisten und Kapellmeistern des 17. Jahrhunderts, die bei einem Spezialisten vermutlich die Augen sofort feucht werden lassen. Doch auch wer sich in dieser Zeit nicht so gut auskennt, wird von den hier vorgelegten Werken in all ihrer stilistischen Vielfalt sofort überzeugt – mit klanglicher Wärme, rhythmischem Feuer, kenntnisreich und in opulenter Besetzung gespielt durch das bereits 1983 gegründete Ensemble L’Arpa Festante. Zu hören sind aber nicht allein prachtvolle Harmonien, sondern ein Feuerwerk frühbarocker Formen, mit betont homophoner oder auch

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La fil d’Ariane: Werke von Pietro Antonio Locatelli und Alex Nante (2018)

Teil von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Kaum gibt es eine ausreichende Auswahl von aufführungspraktisch adäquaten Einspielungen der technisch anspruchsvollen Kompositionen Pietro Locatellis, ereilt das Œuvre des in Amsterdam sesshaft gewordenen italienischen Meisters schon der Ritterschlag des 21. Jahrhunderts: Gleich ob Concerto, Concerto gros­so oder Sinfonia – die mehrsätzigen Werke werden in ihrem Ganzen von zeitge­nössischen Reflexionen durchbrochen. Hier sind es Stücke des argentinischen Komponisten Alex Nante (*1992), die sich weiterdenkend einfügen oder kontrast­reich absetzen. Am Ende konkurrieren dann aber doch zwei kaum zu vermittelnde Welten auf engem Raum miteinander. Da kann einem beim Hören auch der

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Arnold Rosé und sein Quartett

Arnold Rosé und sein Quartett

Teil 5 von 7 in Michael Kubes HörBar #004 - 2019/03

Mehr Dokumentation als CD und schlichtweg sensationell. Denn was hier ausgegraben wurde, regt zum Nachdenken an. Zu hören sind der Geiger Arnold Rosé (1863–1946) mit virtuosen Petitessen, aber auch das von ihm mitbegründete berühmte Rosé-Quartett mit Beethoven op. 18/4 in einer Einspielung von 1927. Ein erhellender Blick in die Interpretationsgeschichte zur Zeit der ersten Schallaufzeichnungen. Arnold Rosé und sein Quartett Podium Legenda POL-1011 (1902–1931)

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The Golden Age »Cello 1925«

The Golden Age »Cello 1925« (Werke von Hindemith, Ibert, Toch und Martinů)

Teil von 7 in Michael Kubes Hörbar #003 - 2019/01

Ein starkes Debüt mit einem starken Jahrgang. Denn Christoph Heesch setzt für seine erste CD nicht etwa auf Bach, Dvořák oder einen anderen der „üblichen Verdächtigen“. Vielmehr wählt er für sich und sein Violoncello vier rare Werke, die 1924/25 entstanden. Gleich ob im Titel als Konzert (Ibert und Toch op. 35), als Concertino (Martinů H. 143) oder als Kammermusik (Hindemith op. 36/2) bezeichnet, ist ihnen allen die kleine Besetzung eines meist obligat begleitenden Ensembles gemeinsam. Dem Solisten kommt dabei die Rolle eines primus inter pares zu – eine Rolle, mit

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Pictures at an Exhibition :: Fauré Quartett

Pictures at an Exhibition :: Fauré Quartett

Teil 1 von 7 in Michael Kubes HörBar #002 - 2018/12

Wer Mussorgskis Bilder einer Ausstellung durchhören will, wird zunächst mit ei­ner fünfteiligen Folge von Stücken aus der Feder von Sergej Rachmaninow über­rascht: Was hier aus den Études-Tableaux (op. 33 und op. 39) ausgewählt und für Klavierquartett bearbeitet (eher: instrumentiert) wurde, hat nicht nur Charak­ter, sondern kleidet die Piècen in ein bezaubernd poetisches Klanggewand. Ein Vorteil mag sicherlich sein, dass sie lange nicht so bekannt sind wie die „Bilder“, sei es in der originalen Fassung für Klavier, sei es in der von Maurice Ravel so kongenial besorgten Orchestrierung. Was Dirk Mommertz

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The Party. Ensemble for the Romantic Century

The Party: Ensemble for the Romantic Century

Teil 3 von 7 in Michael Kubes HörBar #002 - 2018/12

Wer hätte geahnt, dass in denn 1860er Jahren ein so namhaftes Solistenquartett durch die englische Provinz zog und zur musikalischen Grundversorgung beitrug: die angesehene Sopranistin Helen Sherrington und ihr Ehemann Jacques-Nico­las Lemmens, gemeinsam mit Henri Vieuxtemps und Giovanni Bottesini. Ohne die Programme aus dieser Zeit genau zu kennen, hat das Ensemble „The Party“ doch den Geist dieser mit einem Harmonium bestrittenen ländlichen Tourneen wieder lebendig werden lassen – in einer Einspielung, die wahrlich nicht dem Mainstream huldigt und klanglich wie atmosphärisch etwas zu bieten hat. Wer sich darauf einlässt, wird

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à la française. Duos der französischen Romantik für Kunstharmonium & Klavier

à la française. Duos der französischen Romantik für Kunstharmonium & Klavier

Teil 4 von 7 in Michael Kubes HörBar #002 - 2018/12

Hier heißt es Scheuklappen ablegen! Beide Musiker haben tief in die musikali­sche Mottenkiste gegriffen und Stücke hervorgeholt, die ästhetisch vielleicht erst heute wieder bestehen können. Klanglich hochinteressant und interpreta­torisch alles andere als banal dargeboten sind sie eine wirkliche Entdeckung! à la française. Duos der französischen Romantik für Kunstharmonium & Klavier :: Jan Hennig (Kunstharmonium), Ernst Breidenbach (Klavier) :: Christophorus CHR 77419 (2016)

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