
Ein archetypisches Produkt aus der Ecke der sogenannten Neoklassik. So gelabelt erschienen bei Edel in der Reihe Neue Meister:innen, naja, also eher: Neue Meister, nix mit Gendern. Es spielt und komponiert hier die Belgierin Margaret Hermant auf der Harfe und einiger Elektronik recht unspektakuläre Tracks, die aber in der Summe so etwas wie Freedom zum Albumtitel machen.
Da muss ich eine Anekdote erzählen: Einer meiner musikwissenschaftlichen Lehrer, der in den Wirren der späten 60er-Jahre in Sachen Musikpsychologie und Wahrnehmung forschte und dabei mit Polaritätenprofilen zur Beschreibung der Sinneseindrücke arbeitete, hatte es auch mit amerikanischen Folks zu tun, die immer den Berliner Bezirk «Friedenau» im Sinn von «Freedom Now» verstanden, es witzig fanden, dass es in Berlin eben einen Bezirk dieses Namens gab, und davon hingerissen gewesen sein sollen. Das hat mit dem Album hier nur insofern etwas zu tun, dass man sich vielleicht fragen möchte, welches Missverständnis hier mit Hermants «Freedom» vorliegen mag. Denn ich verstehe es nicht. Es sei denn, es darf hier mal getriggert werden: Denn, wollen wir nicht alle im Grunde unseres Herzens nach «Friedenau».
Denn so wenig, wie selbst bei Edels Neuen Meistern, die neue Neoklassik nur grau ist, so sehr ist sie hier ein Dauergeraune, was sich eben wohl nur mit dem Verständnis von Neoklassik vermarkten lässt. Dann aber doch sehr gut, dass muss man diesem Genre – es ist längst ein Genre –lassen. Das klingt im Infosprech dann nichtssagend-vielsagend so:
«Mit Freedom präsentiert die belgische Harfenistin und Komponistin Margaret Hermant ein cineastisches Ambient-Album, in dem sich filigrane Harfenmotive mit atmosphärischen Synth-Flächen verbinden. Bekannt durch ihre Arbeit mit Echo Collective sowie Kollaborationen mit Künstlern wie Jóhann Jóhannsson und Dustin O’Halloran erschafft Hermant immersive Klanglandschaften, die zugleich intim und weit wirken. Zwischen neoklassischer Sensibilität und moderner Ambient- Produktion entfaltet sich Freedom wie eine stille Reise durch Erinnerungen, Natur und Vorstellungskraft. Jedes Stück stellt die Ausdruckskraft der Harfe in den Mittelpunkt, während subtile Elektronik Raum, Wärme und emotionale Tiefe verleiht.»
Also genauso substanziell, wie manches von mir in der HörBar Hingeraunte. Nur hier würde ich dafür von einem «Jargon der Bedeutungsschwangerschaft» sprechen wollen. Ich weiß wohl, dass es ein Publikum dafür gibt, und das wird damit auch glücklich werden. Für mein Gefühl ist das hier aber deutlich zu simplifizierend hingeraunt und wird nur an wenigen Stellen musikalisch selbst infrage gestellt. Dafür gibts bei mir dann extra Ah- und Oh-Punkte in der Wertung. So bei Anfang von «Timeless Pt. 1» – aber ausgerechnet bei dem Titel fällt mir immer zuerst Goldies ikonisches Jungle-Album von 1995 ein.
Margaret Hermant – Freedom [2026]
Margaret Hermant – Harp, Electronics
Neue Meister – Edel (CD, Vinyl, Streaming, Download – VÖ: 17. April 2026)

