
Seine Musik wird gerne schon mal dem Genre der Neoklassik zugeordnet. Auf den ersten Höreindruck könnte das auch auf sein aktuelles Album Polarities zutreffen. Was manchmal auch auf die harmonischen Fortschreitungen der Kompositionen zurückzuführen wäre. Das läuft rund und weich. Die Musik zerfließt hier in eher gemäßigter Art und Weise. Es sind keine Scherze zu erwarten, auch keine Scherzi. Umgekehrt ist das, was man als „langsamen Satz“ verstehen könnte, hier auch nicht der Fall. Kein tiefsinniger Schmusesound.
Es fällt schwer, dafür einen Begriff zu finden. Eine Musik vom Typus «nachdenkliche Musik» – eine Musik, die einen in einen anderen Raum (ver-)setzt. Dabei bleibt sie voller Sinnlichkeit, taumelnd-träumelnd, verzückt, ein bisschen. Die Klavier-Zusatztonmischungen im Raum mit Ergänzungen von Moog-Bässen und Fender-Rhodes-Tupfen von Olaf Taranczewski sind höflich in jeder Wendung, schmiegen sich an sich selbst an, schöpfen aus einer – ich möchte sagen – gewissen Sehnsucht nach einem friedlichen und freundlichen Tonfall, der aber genug Tiefe im musikalischen Hörraum sein Eigen nennt.
Es ist ein Geschwebe in der Zeit. Der Weg weist daher auch mit einem Signal zu Esbjörn Svensson, dessen From Gagarin’s Point of View hier einen Punkt setzt. Das Schlussstück Odessa, «eine Meditation über eine Stadt seiner Vorfahren», wie er schreibt, gehört mithin zu den feinsten musikalischen Tonvisionen, die nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, zu Klang geworden sind. Nachdenkliche Zeit, nachdenkliche Musik – ja – so etwas.
Das alles geschieht unaufdringlich, aber nicht lapidar, routiniert, hingetonsatzt. Und das ist schön so. Und das ist gut so. Und das tut gut so. Wem das dann zu crossig-overig sein sollte, dem kann man auch nicht mehr helfen.
Olaf Taranczewski: Polarities [2026]
- Olaf Taranczewski – Piano-Solo (+ Moog + Fender Rhodes)
Hey!jazz HJZ-024863 (VÖ: 24.04.2026)

Danke für die Rezension. Bei allem Respekt über die positive Kritik des Albums „Polarities“ beschleicht mich dennoch der Gedanke, dass die Musik sehr leicht konsumierbar ist und dann doch als „Schmusesound“ verwendet wird.
Manche Passagen z.B. im Stück „Odessa“ erinnern mich ein wenig an Keith Jarretts „Köln Konzert“ und in diesem Vergleich wird deutlich, wie viel innovativer, jazziger und anspruchsvoller Jarretts Musik ist.
Hallo Fritz,
bitte nicht krumm nehmen, wenn ich das nicht diskutieren werde. Damit möchte ich keine Missachtung einer anderen Auffassung entgegenbringen, sondern einfach nichts dazu sagen.