17. Juli 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Around Paris

Around Paris

Muss man ein Album wirklich «Around Paris» nennen, wenn sich dieses Versprechen schon mit Blick auf die Werke nicht erfüllt? Offenbar bestand nur wenig Zutrauen in die eigene Auswahl, so dass dieser fraglos atmosphärische Titel einen Zusammenhang stiften soll, der letztlich nicht gegeben ist. Strawinskys L’histoire du Soldat entstand nun einmal in der Schweiz, ebenso wie Bartóks Kontraste. Sie bleiben hier dennoch keine Fremdkörper, denn das Programm wird durch die ungewöhnliche kammermusikalische Formation aus Klarinette, Violine und Klavier getragen, die man eigentlich als von Bartók gesetzt annimmt, für die allerdings

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Chamber Music with Winds and Piano

Chamber Music with Winds and Piano

In einer noch immer erstaunlich anmutenden produktiven Wechselwirkung beförderten sich in den letzten drei Dekaden des 19. Jahrhunderts der französische Instrumentenbau, Pariser Institutionen und am Repertoire interessierte Komponisten gegenseitig und brachten so die kammermusikalisch unterrepräsentierten Holzbläser zu neuem Glanz. Ablesbar ist dies an der Gründung der Société Nationale de Musique (1871), der Société de Musique de Chambre pour Instruments à Vent (1879) sowie der Société Moderne d‘Instruments à Vent (1879), aber auch an der Anzahl musikalisch herausragender Werke, die nicht allein einzelne Instrumente idiomatisch erkunden, sondern auch zu neuen Formationen

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Les Vents Français / Moderniste

Les Vents Français / Moderniste

In einer langen und bedeutenden Tradition von französischen Bläservereinigungen steht das Ensemble «Les Vents Français». Der Name ist vollauf gerechtfertigt, denn hier haben sich schon vor mehr als anderthalb Jahrzehnten erstklassige französische Solisten zu gemeinsamer Kammermusik zusammengefunden und propagieren die im Konzertleben unterrepräsentierte Formation mit Esprit und einem Niveau, das nur wenige erreichen oder erreicht haben. Zugleich ist das mit Éric Le Sage am Klavier erweiterte Ensemble eher im 20./21. Jahrhundert zuhause als im Bereich der Klassik und Romantik, wo der lohnende Werkbestand doch eher überschaubar ist. Charakteristisch für die

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Le Tombeau de Claude Debussy

Le Tombeau de Claude Debussy

1920 veröffentlichte die gerade erst von Henry Prunière gegründete und für 21 Jahre kontinuierlich erscheinende Zeitschrift La Revue musicale eine Sondernummer mit dem Titel Le Tombeau de Claude Debussy. Insgesamt zehn Stücke von zehn Komponisten sind hier als ein buntes Kaleidoskop neben einer Lithographie von Raoul Dufy versammelt. Sie zeugen von der inneren Verbundenheit und dem schöpferischen Respekt gegenüber dem zwei Jahre zuvor und zu früh verstorbenen Komponisten, der mit seinen Harmonien und Klängen Türen in die Moderne geöffnet hatte. Da durch die Redaktion kein äußerer Rahmen vorgegeben worden war,

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Vasily Petrenko / Prokofjew, Mjaskowski

Prokofjew 5, Mjaskowski 21 – Vasily Petrenko

Es müssen nicht immer gleich groß angelegte Aufnahme-Zyklen sein. In den beiden letzten Jahrzehnten ist mit der umfassenden Globalisierung des CD-Marktes auch eine zunehmende Internationalisierung der Klangkörper einher gegangen – und damit die Chance, für das eine oder andere Label großes Repertoire umfänglich einzuspielen. Gelegentlich war ein guter Wurf dabei; das meiste blieb und bleibt allerdings im Bereich von Erbsensuppe, also gediegener Hausmannskost. Aus dem Blick geraten ist dabei die gepflegte Einzelproduktion, auf die über einen nicht zu kurz bemessenen Zeitraum hingearbeitet wird und mit der man sich eine tadellose

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HörBar #33, Charles Ives, Los Angeles Philharmonie, Gustavo Dudamel, Deutsche Grammophon

Charles Ives: Sinfonien Nr. 1–4 / Gustavo Dudamel

Obwohl Charles Ives in New York tätig war, scheint seine Musik allein an der amerikanischen Westküste ein diskographisches Echo gefunden zu haben. Abgesehen von den Einspielungen unter Leonard Bernstein aus Manhattan (allerdings nur die Nr. 2 und 3) und dem Zyklus mit Charles Davis aus dem australischen Melbourne (Chandos) stand bisher immer die um zahlreiche kleinere Partituren ergänzte Gesamteinspielung mit dem Orchester aus San Francisco unter Michael Tilson Thomas einzig da. Dass nun die Deutsche Grammophon, deren Neuproduktionen seit geraumer Zeit das Repertoire seltsam ausfransen lassen, eine Einspielung der vier

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Debussy / Ravel – François-Xavier Roth

Debussy / Ravel – François-Xavier Roth

Das London Symphony Orchestra (LSO) ist nicht nur im Musikleben der englischen Metropole dauerpräsent, sondern auch auf CD. Und es entbehrt nicht einer gewissen Faszination zu sehen, wie viele Bereiche dieser Klangkörper seit Jahren gewissenhaft abdeckt – einschließlich der zeitgenössischen Musik, des publikumswirksamen «Symphonic Rock» sowie des im Hintergrund wirksamen Filmsoundtracks. Im Konzertbetrieb arbeitet es ständig mit gleich mehreren Dirigenten zusammen; aktuell besteht die Stamm-Crew aus Simon Rattle (als Chef) sowie Gianandrea Noseda und François-Xavier Roth (als Principal Guest Conductors). Ob solch ein musikalisches Großunternehmen bei allem Respekt für die

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Fleurs – Melody Louledjian

Fleurs – Melody Louledjian

Was für ein Bouquet! Allein schon die Zusammenstellung der Liederzyklen und der einzelnen Gesänge ist faszinierend. Wer sich floral interessiert, ist natürlich im Vorteil – wer nicht, wird sich mit Sicherheit gerne durch dieses musikalische Blütenmeer hören und lesen. Gleich 50 Sorten sind es, die Robert Desnos mit Worten charakterisiert und die Jean Wiéner mit der ihm eigenen, ins Jazzige gehenden Tonsprache in kurzen und kürzesten Liedern aufblühen lässt. Schon zuvor hatte Darius Milhaud seinen siebenteiligen «Catalogue de fleurs» erstellt; das Programm wird noch durch ein paar andere Einzellieder ergänzt

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Alban Berg Quartett – Complete Recordings

Alban Berg Quartett – Complete Recordings

37 Jahre bestand das legendäre Alban Berg Quartett, das mit seinen Interpretationen selbst ein Stück Gattungsgeschichte geschrieben hat. Auch wenn die Formation (anders als andere) nur wenige neue Partituren zur Uraufführung brachte, so hatte sie sich nie ausschließlich dem klassisch-romantischen Repertoire verschrieben (auch hier: anders als andere). Überdies finden sich Produktionen, die über ihre angestammte Domäne hinausgehen: Walzer von Strauß I und II sowie Lanner, teilweise in Arrangements der Zweiten Wiener Schule (eingespielt 1992), und Tango Sensations mit Werken von Astor Piazzolla & Co. (2003). Als sich das Quartett 2007

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Modern Times Edition

Modern Times Edition

Mit schöner Regelmäßigkeit erschienen in den letzten Jahren bereits zahlreiche Folgen der «Modern Times» – einer Serie, bei der jede CD einem Komponisten des 20. Jahrhunderts gewidmet ist und dabei auch sinfonische Werke präsentiert, die vielfach nicht in der ersten Reihe der großen Namen stehen. Zusammen mit einer Paul Hindemith gewidmeten Veröffentlichung hat das Label Capriccio nun eine zehn CDs umfassende Edition herausgebracht. Die Zusammenstellung liest sich imersten Moment ein wenig bunt: Zimmermann, Dallapiccola, Dutilleux, Ginastera, Szymanowski, Antheil, Vaughan Williams, Kabalevsky, Krenek und eben Hindemith. Andererseits ist es gerade die

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Heitor Villa-Lobos: Complete Symphonies

Heitor Villa-Lobos: Complete Symphonies

Wie sich die Geschichte doch immer und immer wieder wiederholt: Werden von einer Gesamteinspielung zunächst die einzelnen CDs über einen längeren Zeitraum scheibchenweise veröffentlicht, erscheint üblicherweise nach der letzten Folge (alsbald oder nach einer Anstandspause) die zusammenfassende wohlfeile Box. Für diejenigen Hörer, die solch ein Projekt geduldig und mit (meist) zunehmendem Interesse verfolgt haben, mag dies ärgerlich sein; wer indes durch das Presseecho neugierig geworden ist, kann günstig zuschlagen. So nun auch bei der zweiten Gesamteinspielung der Sinfonien von Heitor Villa-Lobos, jenes äußerst produktiven brasilianischen Komponisten, den man vielleicht gerade

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Malcolm Arnold: The Dancing Master

Malcolm Arnold: The Dancing Master

«too bawdy for family audiences» – zu schlüpfrig für Familienpublikum. Diese knappen Worte reichten aus, dass sich im Jahre 1952 die BBC von dieser ursprünglich für das Fernsehen bestimmten Oper zurückzog. Heute kann man sich über dieses Urteil angesichts des spritzig-witzigen, mitunter auch doppeldeutigen Librettos von The Dancing Master nur wundern – oder mit Blick auf das enge Sittenkorsett jener Zeit eben auch nicht. Allerdings: glückliche Zeit, als vor 70 Jahren überhaupt noch längere musikalische Werke für den gar nicht so weit verbreiteten Flimmerkasten in Auftrag gegeben wurden! Mit dem

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