11. Juni 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Barbican Quartet

Barbican Quartet
Barbican Quartet
Was für ein Understatement! Ein Booklet ohne Künstlerbiographie, ohne einen Verweis auf eine entsprechende Website. Man könnte Nachlässigkeit vermuten, doch nach dem Gewinn des Internationalen ARD-Musikwettbewerbs 2022 ist das Barbican Quartet in der «Szene» dann doch zu bekannt. Vielleicht ist aber auch ein Wechsel der Perspektive angebracht: Hier wird nicht auf dem Papier mit einer großartigen Entwicklung gepunktet, sondern allein durch die Musik. Und wer sich von dem Album und den Interpretationen gefangen nehmen lässt, der wird sowieso nach mehr Informationen suchen (und fündig werden). Erstaunlich ist bei diesem zweiten Album darüber hinaus, dass die Formation über den Wechsel des Labels (von Genuin zu Berlin Classics) ihr Konzept bewahrt hat, gewichtige Partituren des Repertoires mit kürzeren Werken und gleichsam kommentierenden Arrangements zu verbinden.

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Mit dem Motto «Lux Intus» geht diesmal die Reise zum «Licht des Inneren». Was genau damit gemeint ist, erschließt sich selbst nach der Lektüre des lesenswerten, vom Ensemble selbst verfassten Essays nicht vollständig – und wenn überhaupt, dann mit einem gewissen Widerspruch. Denn die Viola, die hier herausgehoben wird, ist ein eher erdverbundenes, mittleres und damit klanglich alles zusammenhaltendes Instrument, das in der obligatorischen Streichquartett-Faktur nur selten über einzelne Momente hinaus hervortritt. Zielführender erscheint mir der Hinweis auf das leuchtende D-Dur, das wegen der Stimmung der Saiten als Geigentonart schlechthin gilt. So klingt der Mozart sehr hell, und das erste Streichquartett von Benjamin Britten lässt es in den Höhen flirren. Entscheidender mutet mir jedoch die darüber hinaus verbindende «Tonalität» als eine Art abstrakter Korrespondenz an. Denn das Barbican Quartet spielt durchgehend mit hellem Ton – selbst in dem dunkleren Poeme (1926) von Rebecca Clarke, die leider noch immer als Geheimtipp firmiert. Nahtlos im Ton fügt sich das Postlude von Sophia Jani (*1989) an den Schluss des Albums – in diesem Kontext jedoch leider zu unverbindlich in der schöpferischen Aussage.

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Lux Intus
Wolfgang Amadeus Mozart. Streichquartett Nr. 21 D-Dur KV 575;
Rebecca Clarke. Poem (1926); Benjamin Britten: Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 25; Edward Elgar: Nimrod aus «Enigma Variations» op. 36; Sophia Jani. Postlude
Barbican Quartet

Berlin Classics 0303340 BC (2025)

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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