
Wie kann man die Klimakatastrophe in ein musikalisches Werk umsetzen? Mit Climate and Violence probiert es Kai Niggemann mithilfe eines elektronischen und elektroakustischen Instrumentariums eine Klangwelt zu bauen, die, wenn ich es richtig verstanden habe, für eine Bühnenperformance, bei der drei Wissenschaftler agieren, gedacht war. Nach eigener Aussage handelt es sich – musikalisch gesehen – um eine «constant transformation – recordings of instruments, radio, and field sounds were layered, filtered, and re-synthesized until their origins dissolved into new textures». Und: «Climate and Violence is the lasting sonic trace of this process: a record of experimentation, resistance, and urgency», liest man dazu in der Beschreibung. Da ist zumindest auch viel Behauptung mit dabei. Vor allem die Tracknamen sind sprechend:
- Yes, Nothing is OK
- Methane Lakes
- A Good Day to Fight the System
- Bodys repaired, Bodies Reprogrammed
- Perks of a Warm Planet
- We Move When They Move
- Played Dark and it Became Dark
Das Ganze scheint ja Wirkung zu zeigen, wenn es von Aufführungen der Kompositionen im öffentlichen Raum heißt: «At its peak, the audience left the theater to join Fridays For Future in a registered street protest.»
Hörend bekommt man hier deutlich eine Art Geraune an die Ohren, das zwischen Noise, Pulse und Rausch oszilliert. Was dabei für mein Gefühl alles eine Spur zu wenig Spielerisches, Öffnendes enthält. Die Sache ist so ernst, dass sich fast eine Beklemmung einstellt. Ja klar, nichts ist okay. Jetzt haben wir dazu halt einen Soundtrack.
Kai Niggemann – Climate and Violence [2026]
WAF80music WAF80-22 (VÖ: 25.09.26)
