29. Oktober 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Royal Handel – Eva Zaïcik

Royal Handel – Eva Zaïcik
Royal Handel – Eva Zaïcik
Wenn es Oktober wird, beginnt draußen die Luft ihren Geruch und Geschmack zu verändern. Früher oder später hält der Herbst Einzug. Äußeres Zeichen dafür sind die Farben des Laubes, die sich binnen weniger Tage vom satten, lebendig schillernden Grün in ein sattes Gold, Gelb und Rot verwandeln. Es gibt dann Momente auf dem Land, in denen die immer tiefer stehende Sonne die Szenerie für wenige Momente geradezu glühen lässt, bis sich die Flora im fahlen Grau des Novembers endgültig auf den Winterschlaf vorbereitet. Die beste Zeit, um sich an Musik und entsprechend herbstlichen Covern zu erfreuen.

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Bei Royal Handel fällt einem das leicht. Hier lässt Eva Zaïcik nicht nur die Sonne noch einmal golden durch den Wald scheinen, vielmehr verzaubert sie mit ihren wohlige Wärme verbreitenden Mezzo eine illustre Folge von 14 Arien aus Opern von Georg Friedrich Händel, Attilio Ariosti (1666–1729) und Giovanni Battista Bononcini (1670–1747). Sie stammen alle aus den Jahren zwischen 1720 und 1728 – der Zeit der Royal Academy, mit der die italienische Oper in London einzog und das Musikleben binnen weniger Jahre revolutionierte. Den Lorbeerkranz trug bei allem 34 Opernproduktionen am Ende Händel davon, der einen ganz eigenen Stil etablierte und das Drama der Gefühle auf einen neue Stufe des Ausdrucks hob. Dem wird Eva Zaïcik in jeder Nummer dieses Albums mehr als nur gerecht – von der langen atmenden Linie (Radamisto) bis zum erschütternden Furor (Giulio Cesare). Die ganz unterschiedliche Charaktere gewinnen mit ihrer eindrucksvolle , tragfähige und durchsetzungsfähige Stimme eine Lebendigkeit, die auch ohne Interpolierung oder Counterpart durch die Produktion trägt. Einen großen Anteil hat daran auch das klein besetzte, brillant aufspielende wie absolut agile Ensemble Le Concert. Zum einzigen Problem des Album wird an manchen Stellen die weite räumliche Akustik (bei eher direkter Mikrophonierung), wenn kantig akzentuierte Akkorde aus dem Raum zurückschlagen. Eine Kirche ist eben keine Oper.

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Royal Handel
Georg Friedrich Händel. «Rompo i lacci», aus: Flavio HWV 16; Attilio Ariosti. «Sagri numi», aus: Caio Marzio Coriolano; Georg Friedrich Händel. «Gelosia, spietata Aletto», aus: Admeto HWV 22; «Son stanco» – «Deggio morire, o stelle», aus: Siroe HWV 24; «Inumano fratel» – «Stille amare», aus: Tolomeo HWV 25; «Ma priva vedrò le stelle», aus: Floridante HWV 14; «L’aure che spira», aus: Giulio Cesare HWV 17; «Ah! tu non sai», aus: Ottone HWV 15; Attilio Ariosti. «E‘ pur il gran piacer», aus: Caio Marzio Coriolano; Giovanni Battista Bononcini. «Strazio, scempio, furia e morte», aus: Crispo; Georg Friedrich Händel. «Ombra cara di mia sposa», aus Radamisto HWV 12; «Agitato da fiere tempeste», aus: Riccardo Primo HWV 23
Eva Zaïcik (Mezzosopran), Le Consort

Alpha ALP 662 (2020)

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 1 of 1 in the series HörBar #196 – Bäume im Herbst

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