Witt – SinfonienMusikalisch ist Friedrich Witt (1770–1836) kein Unbekannter. Wer seinen alten Schallplattenschrank durchforstet, findet womöglich eine Aufnahme seiner Sinfonie C-Dur, die nach einer voreiligen Zuschreibung durch Fritz Stein einmal als Jugendwerk Beethoven gehandelt wurde. Als dann klar war, dass es sich bei der Partitur um keinen echten «Beethoven» handelt, sondern «nur» um einen ordentlichen «Witt», öffneten sich die Türen zur Versenkung. Dabei versteht es der zuletzt in Würzburg wirkende Witt, mit seinen Sinfonien musikalisch bestens zu unterhalten (er schrieb außerdem reichlich Kirchenmusik). Obwohl von ETA Hoffmann mit einer gründlichen und positiven Rezension in der Leipziger AMZ bedacht (1809 und mit dem propherischen Bemerkung, die Sinfonie sei «gleichsam die Oper der Instrumente»), trat sein sinfonisches Schaffen im Musikleben (auch im Leipziger Gewandhaus) rasch nach dem Auftreten Beethovens zurück.
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Die Gründe dafür sind bei diesem Album leicht auszumachen. Die wohl kurz nach der Jahrhundertwende entstandenen, auch gedruckten Werke stehen ganz und gar in der Nachfolge von Haydns Londoner Sinfonien – keineswegs epigonal, aber eben doch ähnlich im Stil und der motivischen Entwicklung sowie in der Harmonik und Instrumentation. Dabei fordert Witt seine Interpreten durchaus heraus. Seine Musik verlangt nach Esprit und Witz, einer guten, vorausschauenden Disposition. Vor allem seine langsamen Sätze verblüffen mit ihren fast obligaten Bläser-Einlagen und ihrem ruhigen Fluss. Die Kölner Akademie unter der Leitung von Michael Alexander Willens interpretiert die Partituren mit gründlichem Ernst, hellem Ton und frei von Manierismen.
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Friedrich Witt. Sinfonie Nr. 1 B-Dur; Sinfonie Nr. 2 D-Dur; Sinfonie Nr. 3 F-Dur
Kölner Akademie, Michael Alexander Willens cpo 555 611-2 (2023)
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.