26. Oktober 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Prokofjew 5, Mjaskowski 21 – Vasily Petrenko

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #033 – Sinfonisches
Vasily Petrenko / Prokofjew, Mjaskowski
Vasily Petrenko / Prokofjew, Mjaskowski

Es müssen nicht immer gleich groß angelegte Aufnahme-Zyklen sein. In den beiden letzten Jahrzehnten ist mit der umfassenden Globalisierung des CD-Marktes auch eine zunehmende Internationalisierung der Klangkörper einher gegangen – und damit die Chance, für das eine oder andere Label großes Repertoire umfänglich einzuspielen. Gelegentlich war ein guter Wurf dabei; das meiste blieb und bleibt allerdings im Bereich von Erbsensuppe, also gediegener Hausmannskost. Aus dem Blick geraten ist dabei die gepflegte Einzelproduktion, auf die über einen nicht zu kurz bemessenen Zeitraum hingearbeitet wird und mit der man sich eine tadellose Visitenkarte erarbeitet. In diesen Bereich gehört auch diese Produktion mit der im Katalog gar nicht so selbstverständlichen Kombination je eines Werkes von Prokofjew und Nikolai Mjaskowski (1881–1950) – einem herausragenden, sehr produktiven russischen Sinfoniker, der noch immer als Geheimtipp gilt; die nun schon ältere und technisch nicht durchwegs auf höchstem Niveau stehende Gesamteinspielung seiner 27 Sinfonien unter Evgeny Svetlanov ist vergriffen und nur noch im Streaming erreichbar. Umso erfreulicher ist daher die von Vasily Petrenko vorgenommene Kopplung zweier Sinfonien (Prokofjew 5 und Mjaskowski 21), die zwar in zeitlicher Nachbarschaft stehen, doch ganz unterschiedlichen Personalstilen verpflichtet sind. Mjaskowski wirkt mit seinem 1940 entstandenen einsätzigen Werk im Tonfall traditioneller – vielleicht auch, weil es sich um ein Auftragswerk zum 50-jährigen Bestehen des Chicago Symphony Orchestra handelt. Hier überzeugt die Neueinspielung aus Oslo vor allem durch das gelungene Miteinander von sattem Sound und sauberer Durchhörbarkeit, die den emotionalen Abgründen der nach Einsamkeit und Ferne klingenden Musik genau die richtigen Farben verleiht. Anders sieht es bei Prokofjew aus. Unter Vasily Petrenko verharrt der Kopfsatz zu sehr in seinen dunklen Gefilden, wird im Tempo verschleppt und verliert damit an Zugkraft und Perspektive. Dass es auch anders geht, wird im Scherzo und Finale griffig und höchst lebendig gezeigt.

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Sergei Prokofjew, Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100; Nikolai Mjaskowski, Sinfonie Nr. 21 fis-Moll op. 51
Oslo Philharmonic Orchestra, Vasily Petrenko

Lawo LWC 1207 (2018)

 

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