17. Juli 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Camille Saint-Saëns / François-Xavier Roth

Camille Saint-Saëns / François-Xavier Roth

Dass neuerdings so viel Musik von Camille Saint-Saëns (1835-1921) auf Tonträger (und damit auch im Streaming) erscheint und verfügbar wird, ist eine absolut erfreuliche Entwicklung. Endlich, ja endlich, kommt dieser große Komponist zu Ehren, der vielfach auf den «Schwan», den missverstandenen «Karneval» oder die Orgelsinfonie verkürzt wurde. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie mir zu Studienzeiten beim damaligen örtlichen CD-Händler meines Vertrauens (mit dem schönen Namen «Hört sich gut an») eine Veröffentlichung mit sämtlichen(!) Sinfonien in die Hände fiel und ich mich an den unbekannten Werken (die Sinfonie

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Saint-Saëns / Ivor Bolton

Saint-Saëns / Ivor Bolton

«Saint-Saëns ist der seltene Ruhm zuteil geworden, bereits zu Lebzeiten als Klassiker zu gelten.» Mit diesen Worten eröffnete der französische Literat und Musikkritiker Romain Rolland im Jahre 1901 einen dem Komponisten gewidmeten, schon in retrospektivem Ton gehaltenen Essay. Camille Saint-Saëns sollte da noch zwei Jahrzehnte leben und schöpferisch tätig sein. Bis heute ist er im deutschsprachigen Raum einer der ebenso großen wie unbekannten Komponisten geblieben; mehr als sein Carnaval des animaux und die sogenannte Orgelsinfonie (beide von 1886) steht kaum auf dem Programm, selbst die legendäre Danse macabre habe ich

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Paris 1900

Paris 1900

Mit einigem Glück zeichnet sich beim französischen Label Indesens eine neue, höchst instruktive Reihe mit Kammermusik aus der Zeit der Wende ins 20. Jahr-hundert ab. Derweil ist unter dem gleichbleibenden Motto «Paris 1900» jeweils ein eigenes Album mit klavierbegleiteten Werken für Flöte, Trompete und hier: für Oboe erschienen. Um vielleicht das Wichtigste dieser Produktionen vorweg zu nehmen: Eingespielt wurde in allen Fällen kaum einmal ein Werk, das man gemeinhin kennt. Es ist ein Füllhorn des Repertoires, das hier ausgegossen wird. Nun gehöre ich nicht zur Oboen-Zunft, reibe mir aber die

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Adam Walker

Adam Walker

Mit dem Titel French Works For Flute liegt dieses Album richtig: Nicht nur, dass alle fünf eingespielten Werke von französischen Komponisten stammen – auch sonst lässt sich das kammermusikalische Repertoire für Flöte kaum ohne die bei aller Leichtigkeit gewichtigen Beiträge aus Frankreich denken. Kurioserweise steht hier dann aber doch die von Jean-Pierre Rampal für Flöte eingerichtete Violinsonate (1886) von César Franck im Mittelpunkt. Nicht ganz zu Unrecht, denn Adam Walker entfaltet den gestalterisch anspruchsvollen Solopart in wundervoll weiten Linien, gliedert mit seinem Atem den Verlauf in deutliche Phrasen, verleiht dem

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Saint-Saëns 1+2 / Jean-Jacques Kantorow

Saint-Saëns 1+2 / Jean-Jacques Kantorow

Ursprünglich sollte das ausgefallene Beethoven-Jubeljahr in die Verlängerung gehen. Andere runde Geburts- und Gedenktage hingegen waren schon zuvor in den Schatten gedrängt worden. Und nun 2021: Dass u.a. der 100. Todestag von Camille Saint-Saëns ansteht, ist weder publizistisch noch, landauf landab, in den rudimentären, behelfsweise gestrickten Versuchs-Programmen präsent. Denn wäre bei ihm nun wirklich einmal in wohl allen Gattungen Unbekanntes zu entdecken – mehr als die Orgelsinfonie und den ewig wiederkehrenden, gerne auch missverstandenen «Karneval». Nur ganz aufmerksame Beobachter haben sich schon früher einmal gefragt, was etwa im sinfonischen Bereich vor der

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Camille Saint-Saëns: Le Timbre d’argent (Les Siècles, Francois-Xavier Roth)

Camille Saint-Saëns: Le Timbre d’argent (Les Siècles, Francois-Xavier Roth)

In den letzten Jahren ist es wieder lebendiger um die Musik von Camille Saint-Saëns geworden. Nicht mehr nur die imposante Orgelsinfonie, die eine Geisterstunde aufrufende „Danse macabre“ oder das eine oder andere herausragende Konzert (für Klavier oder Violoncello, seltener Violine) werden neu eingespielt; zunehmend weckt auch die Kammer- und Klaviermusik das Interesse der Interpreten. Als Opernkomponist hingegen blieb Saint-Saëns weitgehend unbeachtet und verloren, „Samson und Dalila“ einmal ausgenommen. Dass nach der späten „Hélène“ (1902/03) und dem ambitionierten „Ascanio“ (1887/88) nun auch „Le Timbre d’argent“ eingespielt wurde, eröffnet den Blick auf

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Le Son du Cor – TrioMorgen

Le Son du Cor – TrioMorgen

Seit 2015 besteht das TrioMorgen – eine aparte Besetzung mit Sopran, Horn und Klavier, bei der einem sogleich Schuberts «Auf dem Strom» in den Sinn kommt. Dass das Repertoire im Bereich «Lied plus» (also mit obligatem Instrument) viel größer ist, war indes schon im Jahr 1998 durch das Arion Trio (Antes Edition) zu entdecken. Doch wurde das Horn nicht nur von der deutschen Romantik abonniert. Es fand im 19. Jahrhundert ebenso jenseits des Rheins großen Zuspruch, auch abseits der unvermeidlichen «Villanelle» von Paul Dukas. Wer bei der Einspielung des TrioMorgen

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Kaleidoscope. Beethoven Transcriptions – Mai Kodama (Klavier)

Kaleidoscope. Beethoven Transcriptions – Mai Kodama (Klavier)

Unter dem etwas beliebigen Motto „Kaleidoscope“ hat Mai Kodama Klaviertranskriptionen aus dem 19. Jahrhundert versammelt, die im ersten Moment überraschen: Denn neben Saint-Saëns sind auch Balakirev und Mussorgsky mit jeweils zwei Sätzen aus Beethoven’schen Streichquartetten vertreten (op. 59/1 und op. 18/6, ferner op. 59/2 und op. 130, schließlich op. 135). Doch die namhaften Arrangeure treten nicht hinter ihren Bearbeitungen hervor, handelt es sich doch lediglich um sehr enge, direkte Übertragungen auf das Klavier. Beethoven hingegen zeigte mit seiner eigenen Mozart-Bearbeitung (Finale aus KV 591), wie man richtigerweise für das Klavier

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