
Dabei muss man allerdings etwas von den jeweils recht unterschiedlichen Stilen abstrahieren. So präsentiert sich das Trio (1952) von Lennox Berkeley in einem verspäteten Neoklassizismus mit Pariser Einschlag (teleologisch gedacht), während das nur zwei Sätze umfassende Trio (2016) von Jonathan Leshnoff postmodern mit dramatisch wirkungsvollem Aufbau ist, aber auch eine Spur zu gefällig. Überraschend ist hier der erste Satz, der nachgerade bei Brahms anknüpft – im Charakter, in der Motivik und bis hinein hinein in einzelne Harmoniefolgen. Eine Art von Dialog mit der Vergangenheit, wie man ihn für eine entwickelte Gattungsästhetik tatsächlich verlangt. Auch das Finale scheint mit Brahms in einen Dialog zu treten, wirkt aber mitunter seltsam flächig. Berkeley hingegen setzt in seinem «Full-Size-Trio» auf ganz eigene Töne und eine mehr offenere Anlage des Satzes. Interpretatorisch wird man den Werken freilich nicht in all ihren Aspekten gerecht. Dem mitunter schmissigen Witz bei Berkeley fehlt es spürbar an Eleganz, der Weite bei Leshnoff an Kohärenz. Bei Brahms scheint mir der wehmütige Ton kaum realisiert. Dennoch ist dies ein Album, das gerade wegen der zusammengestellten Kompositionen überaus instruktiv ist und zum Nachdenken über einzelne Elemente einer musikalischen Poetik einlädt.
Horn Trios
Lennox Berkeley. Trio für Violine, Horn und Klavier op. 44 (1952); Johannes Brahms. Trio für Violine, Horn und Klavier op. 40 (1865); Jonathan Leshnoff. Trio für Horn, Violine und Klavier (2016)
David Cooper (Horn), Alexander Kerr (Violine), Orion Weiss (Klavier)
Naxos 8.579137 (2017)
