27. April 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Beschenkt – Ensembles Modern

Beschenkt – Ensembles Modern

Ein Album, dass zum Philosophieren anregt – gleich mit den ersten Sätzen im Booklet: «Schenken ist eine heikle Angelegenheit. Was schenke ich wem zu welchem Anlass? Werden die Beschenkten meine Wahl verstehen? Gefallen daran finden? Ist der Wert angemessen oder überzogen? Bringt meine Gabe die Beschenkten in Verlegenheit? In Zugzwang? Besitzen Sie den geschenkten Gegenstand etwa schon und mögen es nicht zugeben? Ist die Freude echt? Oder eine Pflichtübung? Soll ich durchblicken lassen, dass ich das Spiel durchschaue? Oder einfach mitspielen?» (Michael Rebhahn). Rasch ist man dabei, die selbst gemachten

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Mark Andre

Mark Andre

Ruhe, Stille. Die Musik von Mark Andre (*1964) bewegt sich oftmals an den Grenzen des Hörbaren – und sie bewegt sich damit in einem dynamischen Spektrum, das in der breiten Öffentlichkeit (auch im Gespräch und in der engagierten Diskussion) schon nicht mehr wahrgenommen wird. Gerade dieser andere Pol der Kommunikation, ihr konzeptioneller Gegensatz zu allem Plakativen und Lauten, verleiht ihr eine brennende Aktualität. Noch immer – muss man leider sagen, denn die auf diesem Album dokumentierten Live-Mitschnitte der Uraufführungen stammen alle aus den Jahren 2017/18. Zwei der eingespielten Kompositionen tragen

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Shortcuts – Antonio Ballista

Shortcuts – Antonio Ballista

Ein Doppelalbum, das durch drei Jahrhunderte der Musikgeschichte geht und dabei eine ganze Menge an Kleinigkeiten «abräumt». Die erste Hälfte der insgesamt 50 Stücke wurde aus dem 18. und 19. Jahrhundert gewonnen, die übrigen stammen aus dem 20., wenn nicht gar 21. Jahrhundert (die genauen Entstehungsdaten der Miniaturen werden nicht mitgeteilt). Warum aber eine solche Produktion? Früher wurden mit derartigen Stückchen noch auf den Klassik-Sendern des öffentlichen Rundfunks die übrig gebliebenen Sendeminuten vor den Nachrichten gefüllt… Wie kaum anders zu erwarten spielt sich Antonio Ballista ordentlich durch die Minuten, ohne

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Liao Lin-Ni – Bagatelles

Liao Lin-Ni – Bagatelles

Poesie des Lichts, des Raumes und der Worte. Irgendwo zwischen Stille und Er-eignis, zwischen Punkt und Gleißen, Helligkeit und Schatten. Die Musik der aus Taiwan stammenden und in Paris lebenden Komponistin Liao Lin-Ni (*1977) lädt zu solchen Assoziationen ein – wobei ihre Werke selbst wiederum Reflexionen auf Texte der visionären amerikanischen Lyrikerin Emily Dickinson (1830–1866) sind. So wie dort mit offenen Formulierungen die Gedanken in Freiheit entlassen werden, so lassen sich auch die Bagatellen von Liao Lin-Ni ins Offene weiterdenken. Es handelt sich um kleine Serien von Bagatellen, nummeriert mit

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Hugues Borsarello – Miniatures

Hugues Borsarello – Miniatures

Der Titel des Albums täuscht ein wenig über die Werkauswahl hinweg. Denn statt «Miniatures» hätte es besser «Anchores» heißen sollen. Beide Begriffe schließen sich ja keineswegs aus – nur einmal habe ich bisher im Konzertsaal eine Zugabe von einer Viertelstunde gehört (aber das war auch unter sehr speziellen und alle bewegenden Umständen). Eine Miniatur solle jedoch mehr konzentrierter sein, zur Konzentration anregen und vielleicht auch etwas kondensieren, ähnlich wie in einer Consormé. Hier indes sind nahezu all jene Stücke versammelt, die man früher vielleicht einmal hier und da hörte –

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Stolen Music – Linus Piano Trio

Stolen Music – Linus Piano Trio

Leicht hat es sich das Linus Piano Trio mit diesem Album nicht gemacht. Die geht auch als dem eigenen Booklet-Essay hervor mit Reflexionen zum Verhältnis von Original und Bearbeitung sowie Überlegungen zur Veränderung von Besetzungen. Dabei erstaunt, dass jede nachrückende jüngere Generation immer wieder dieselben Entdeckungen macht: In diesem Fall ist es die aus dem Jahre 1932 stammende, von Eduard Steuermann angefertigte Bearbeitung von Schönbergs Verklärter Nacht, bei der aus einem Streichsextett ein Klaviertrio wurde. Sie lag allerdings schon bei Gründung des Linus Piano Trio (2007) in mehreren, exponierten Einspielungen

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Reinventions – Orchestra di Padova

Reinventions – Orchestra di Padova

Obwohl bereits 2022 aufgenommen, erscheint dieses Album nun pünktlich zum 100. Geburtstag von Hans Werner Henze (1926–2012). In den drei Werken mag man auf den ersten Blick vielleicht Marginales sehen. Doch zeigen die Partituren nach Werken von Giovanni Battista Vitali, Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Philipp Emanuel Bach eine Seite von Henze, die allzu leicht übersehen wird – seine Liebe zur «Alten Musik». Was hier unter dem Motto Reinventions zusammengefasst wurde, folgt allerdings unterschiedlichen kompositorischen Strategien: Mozarts Orgelsonaten wurden in eine zyklische Folge gebracht und neu instrumentiert, CPE Bachs Chromatische

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Song Transcriptions – Rudolf Buchbinder

Song Transcriptions – Rudolf Buchbinder

Ein Album, das an die guten alten Zeiten bei der Deutschen Grammophon erinnert, als nicht nur die Standards des Repertoires und absehbare Kassen-Knüller produziert wurden, sondern auch manch abseits des Weges liegendes Werk. Nachdem Rudolf Buchbinder bereits Beethovens Diabelli-Variationen eingespielt und nochmals erweitert hat, sind es nun die vier Hefte mit Transkriptionen, die Max Reger von Brahms-Liedern angefertigt hat. Eigentlich eine Gelegenheitsarbeit aus den Jahren 1905/06 und 1912, mit der Reger allerdings eine ganz andere Form der Virtuosität aufzeigen wollte – nämlich die Kunst, am Klavier instrumental zu singen, wie

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Tristan und Isolde – Solistenensemble D’Accord

Tristan und Isolde – Solistenensemble D’Accord

Wagner ohne Worte. Diese Idee wurde bereits in mehreren Arrangements beim Ring umgesetzt. Dort sind es die sinfonischen Höhepunkte, die die vier langen Abende auf eine Stunde schrumpfen lassen. Das vorliegende Album setzt den Effekten eine Paraphrase über Tristan und Isolde entgegen – intim und kammermusikalisch. Gleichzeitig wird deutlich: Wenn Partituren gut arrangiert sind, tragen sie auch rein instrumental. Das Wehen und Weben der unendlichen Melodien erscheint darin sogar noch konzentrierter und klarer in der Struktur. Und noch eines wird bei dieser Paraphrase deutlich: Wie nah Schönbergs Verklärte Nacht Wagners

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New Mozart Vol. 2 – Reinhard Goebel

New Mozart Vol. 2 – Reinhard Goebel

Unter dem Begriff «Arrangement» lassen sich viele unterschiedliche Methoden der Bearbeitung subsumieren, so dass auch etwas zusammenkommen kann, das nicht unbedingt zusammen gehört. Instrumentation, Paraphrase, Transkription und Reduktion – sowie hie und da einmal eine «Re-Invention». Es sollte daher immer auf das Detail geschaut werden, um sicher zu sein, was in der Partitur wirklich passiert: ob etwas gewonnen wird oder doch das Original substanziellen Verlust erleidet. Sicher ist nur, dass jedes, wirklich jedes Arrangement einen näher an das Original heranführt – nicht wenn man sich zurücklehnt, sondern wenn man das

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Jacob Schuback – Brockes-Passion

Jacob Schuback – Brockes-Passion

Als im Jahre 1712 unter dem Titel Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesu die von Barthold Heinrich Brockes (1680–1747) stammende Umdichtung der Leidensgeschichte Christi im Druck erschien, war nicht absehbar, dass in den folgenden Jahrzehnten wenigstens 13 Komponisten diesen Text einer Vertonung zugrunde legen würden. Mit seiner gleichermaßen auf Rührung und Erschütterung angelegten Dichtung traf Brockes offenbar nicht nur den Geschmack seiner Zeitgenossen, sondern regte in seiner Heimatstadt Hamburg auch eine ganz eigene, aufwendige Aufführungstradition an (ab 1719 erklangen innerhalb weniger Tage gleich vier unterschiedliche Vertonungen).

This entry is part 5 of 5 in the series Hörbar #184 – Passionen
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