10. April 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Schouten – Open Space

Schouten – Open Space

Das ist schon gewaltig filigran! Manchmal wird aber der Musik des Trios ebenso die Luft gelassen, dem menschlich-musikalischen Impuls der Worte zu folgen und diese in sich akustisch zu wenden. Die Musik schwebt dahin. Sie schwebt hinter den Worten. Sie schwebt vor den Worten. Wird gelegentlich dringlicher, nicht fasslicher, verrauschter, angerauht, porös. 

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Jacob Schuback – Brockes-Passion

Jacob Schuback – Brockes-Passion

Als im Jahre 1712 unter dem Titel Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesu die von Barthold Heinrich Brockes (1680–1747) stammende Umdichtung der Leidensgeschichte Christi im Druck erschien, war nicht absehbar, dass in den folgenden Jahrzehnten wenigstens 13 Komponisten diesen Text einer Vertonung zugrunde legen würden. Mit seiner gleichermaßen auf Rührung und Erschütterung angelegten Dichtung traf Brockes offenbar nicht nur den Geschmack seiner Zeitgenossen, sondern regte in seiner Heimatstadt Hamburg auch eine ganz eigene, aufwendige Aufführungstradition an (ab 1719 erklangen innerhalb weniger Tage gleich vier unterschiedliche Vertonungen).

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Homilius / CPE Bach – Lukas-Passion (1775)

Homilius / CPE Bach – Lukas-Passion (1775)

Gottfried August Homilius (1714–1785) gehört zu jenen Meistern des 18. Jahrhunderts, deren Werk zunächst noch eine Zeit lang weiter tradiert, dann aber bis weit ins 20. Jahrhundert vergessen wurde. Allenfalls enzyklopädisches Interesse hielt die Erinnerung wach, sein umfangreiches kompositorisches Œuvre wird erst seit geraumer Zeit wiederentdeckt. Dies muss erstaunen, denn Homilius war als Organist an der Frauenkirche, später als Kreuzkantor und Musikdirektor, drei Jahrzehnte lang an zentraler Stelle in Dresden tätig. Der Überlieferungsweg «seiner» Lukas-Passion ist kurios und wirft ein Schlaglicht auf ganz unterschiedliche Passions-Traditionen. Denn CPE Bach verwendete 1775

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Johann David Heinichen – Sepolcri

Johann David Heinichen – Sepolcri

Noch einmal das Sepolcro. Diesmal geht es die Elbe auswärts bis nach Dresden – eine noch immer nicht gänzlich erschlossene Hochburg des musikalischen Barock und weit darüber hinaus. Auf diesem Album sind es zwei Werke, die in ihrer Anlage und ihren sängerischen Anforderungen unbedingt an die Opera seria erinnern. Sie zeigen, wie sehr sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Stile, Gattungen und Genres gegenseitig inspirierten, obwohl die geistliche und weltliche Sphäre eigentlich unvereinbar schien. Vielleicht war Johann David Heinichen (1683–1729) dafür ein exzellenter Vermittler. Protestantisch sozialisiert und am

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Gregor Joseph Werner – Der Gute Hirt

Gregor Joseph Werner – Der Gute Hirt

Wenn ich eine Generation zurückdenke, dann war Gregor Joseph Werner (1695–1766) damals allenfalls als Vorgänger von Joseph Haydn im Amt des Hofkapellmeisters bei den Esterházys bekannt. Eine ungarische Neuausgabe seiner Streicherfugen machte noch die Runde, alles andere war längst über die musikgeschichtliche Kante gefallen. Erst in den letzten Jahren rückte sein Œuvre dank der Initiative von Lajos Rovátkay und mehreren Einspielungen wieder in den Fokus – und man konnte einen wirklich sehr interessanten Komponisten des späten Barock im Umfeld der Habsburger kennenlernen. Denn der aus Wien strahlende Glanz sollte sich

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Christoph Demantius – Johannes-Passion

Christoph Demantius – Johannes-Passion

Im geschäftigen Treiben des Kalenderjahres gibt es zwei Wochen, die etwas ruhiger verlaufen (sollten) – und es in der Regel wenigstens musikalisch auch tun: die so genannte «Stille Woche» vor dem Ewigkeitssonntag, mit dem das Kirchenjahr im November abschließt, und die Karwoche vor dem Osterfest. In letzterer standen und stehen noch immer kleine und große Passionsmusiken auf dem Programm: früher liturgisch eingebunden, später dann eher konzertant aufgeführt, heute vielfach auch nur noch auf Tonträger präsent. Die Kompositionen unterscheiden sich je nach Epoche auch in dem ihnen zugrunde liegenden Text, bei

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Yorgo Sicilianos

Yorgo Sicilianos

An dieser Produktion zeigt sich einmal mehr, dass Komponisten nicht immer die besten Führsprecher ihres Œuvres sind. Zwar bezieht man sich gerne auf auktoriale Äußerungen (wie auch im Booklet dieser Produktion), doch bleibt auch nicht minder oft die Frage nach dem Abstand, der Selbstreflexion und der hermeneutischen Deutung. Yorgos Sicilianos (1920–2005), einer der wichtigsten Vertreter der griechischen Musik des 20. Jahrhunderts, macht da keine Ausnahme. Seine Kommentare zu den hier eingespielten Werken sind seltsam rudimentär oder in der Formulierung geradezu pastos – und bleiben vieles schuldig. Der Produktion ist das

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Elsa Barraine

Elsa Barraine

Es wird wohl vielen Musikliebhaber:innen gehen wie mir. Da glaubt man, vieles zu kennen oder zumindest schon einmal irgendwo gesehen zu haben. Und dann gibt es die verblüffenden «Oh?-Momente» wie diesen. Denn von Elsa Barraine (1910–1999) hat man im deutschsprachigen Raum wohl kaum etwas – oder: eigentlich rein gar nichts gehört. Dabei war sie, überfliegt man nur den Rahmen ihrer Biographie eine schillernde Persönlichkeit – sowohl als Komponistin als auch institutionell. Sie studierte unter anderem bei Paul Dukas, gewann zweimal den Prix de Rome (1929 mit einer Kantate, 1947 mit

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Mathilde Kralik von Meyrswalden

Mathilde Kralik von Meyrswalden

Mehr als 100 Jahre sind vergangen, seit Mathilde Kralik von Meyrswalden (1857–1944) ihre großformatige Sinfonie vollendet hat. Und weitere fünf Jahre sind seit der Uraufführung am 18. September 2021 im Brucknerhaus Linz ins Land gezogen, bis nun endlich ein Mitschnitt erscheint. War es auf der einen Seite das nahezu komplette Vergessen der Komponistin und ihres bis dahin ungedruckten Werkes, so hätte die Aufnahme auf der anderen Seite durchaus auch früher einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Denn das von Silvia Spinnato geleitete Female Symphonic Orchestra Austria (FSOA) muss sich

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Symphonies in 3 Movements

Symphonies in 3 Movements

Das Konzept dieses Albums erinnert deutlich daran, dass in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Einführung eines vierten Satzes fortan (und für mehr als einhundert Jahre) nahezu verbindlich für die Sinfonie wurde – wobei es sich bei dem vierten Satz um das an dritter Stelle stehende Menuett bzw. Scherzo handelt. Seine Einführung veränderte die gesamte Dramaturgie der aus der Opern-Ouvertüre italienischer Art abgeleiteten Werkgestalt. Dass später im 20. Jahrhundert noch ganz andere Konzepte entstanden (bis hin zur monumentalen Einsätzigkeit), muss nicht extra erwähnt werden – wohl aber die gelegentliche

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Mel Bonis – Orchesterwerke

Mel Bonis – Orchesterwerke

Werke für Klavier und Kammermusik. Wieder einmal waren es die «kleinen Formen» (Charakterstücke), eine Violinsonate und ein Klavierquartett, die bis jetzt ein durchaus (falsches) Bild von der französischen Komponistin Mel Bonis (1858–1937) zeichneten. Erst mit diesem Album (natürlich eine cpo-Produktion) treten auch sinfonische Klänge ans Licht – obwohl es sich «nur» um Instrumentationen eigener Werke handelt (die bei denen mit vokalem Anteil). Und dennoch: Diese Musik muss sich weiß Gott nicht hinter den Zeitgenossen aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg verstecken! Vielmehr erweist sich Mel Bonis als eine Komponistin

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Early Piano Works – Ulrich Roman Murtfeld

Early Piano Works – Ulrich Roman Murtfeld

Ein Album, das man daheim nicht so rasch aus dem Auge verlieren sollte. Denn hier stimmen das Programm, die Interpretation wie auch die klangliche Realisation durch die Tonmeisterei. Oder um nochmals aus einer anderen Perspektive anzusetzen: Ulrich Roman Murtfeld ist ein Pianist, den man live erleben möchte. Sein Spiel zeichnet sich nicht nur durch technische Souveränität aus, sondern auch durch kultivierten Anschlag und charakteristischen Ton – und mehr noch sowie entscheidend: durch ein gestalterisches Vermögen, das sowohl intellektuell den Notentext durchdringt als auch musikalisch atmet. Unter seinen Händen klingt etwa

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