18. Juni 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Rautavaara & Aho

Rautavaara & Aho

Ein rundum fantastisches Album mit einer ganzen Reihe von Entdeckungen für das Chor-Repertoire. Das beginnt schon im ersten Track mit Die erste Elegie (1993) von Einojuhani Rautavaara (1928–2016) – ein überaus ausdrucksstarkes Werk, das in seiner Faktur ein wenig an Mendelssohn-Psalmvertonungen erinnert. Ohnehin zählt Rautavaara für mich zu einem der ganz großen (nicht nur finnischen) Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der leider noch immer den Status «Geheimtipp» besitzt. Die Gründe dafür sind vielfältig und sicherlich auch in seinem ganz eigenen Weg begründet. Trotz einer ganzen Reihe verschiedener technisch-stilistischer

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John Cage – Choral Works

John Cage – Choral Works

James Pritchett stellt in seinem knapp gefassten , aber dennoch einen guten Einstieg vermittelnden Booklet-Essay gleich zu Beginn die entscheidende Frage: Gehen «Cage» und »Chormusik» überhaupt zusammen? Pritchett denkt dabei vor allem von Cages Unwohlsein gegenüber Traditionen und seine späte Entscheidung, überhaupt etwas für Chor zu schreiben. Sicherlich eine naheliegende Perspektive, und doch eröffnet gerade dieses vorzügliche Album mit dem lettischen Rundfunkchor noch eine andere Sichtweise. Das betrifft zunächst die Hymns and Variations (1979) für zwölf Stimmen. Ausgangspunkt sind zwei alte Hymnen aus dem New-England Psalm-Singer von 1770, aus deren

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Svend S. Schultz – Efterklange

Svend S. Schultz – Efterklange

Nicht nur in Schweden und im Baltikum besteht eine ausgewiesene Chorkultur. Gleiches gilt für Dänemark – und man ist geradezu verblüfft über die hohe Professionalität kleiner und großer «Laienchöre». Mit dazu beigetragen haben auch die von Svend S. Schultz (1913–1998) gesetzten Impulse. Seit 1949 war er für drei Jahrzehnte als Dirigent fest mit dem Radiochor verbunden, setzte neue Maßstäbe hinsichtlich Klang und Artikulation und schuf eine ganze Reihe eigener Chorkompositionen sowie Bearbeitungen dänischer Lieder, für die er bekannt wurde (von seinen zahlreichen Instrumentalwerken sind hingegen nur wenige im Druck erschienen

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Santa Ratniece – Latvian Radio Choir

Santa Ratniece – Latvian Radio Choir

Nicht erst seit dem legendären Eric Ericson gibt es in Skandinavien und im Baltikum eine exzellente Chorkultur. Und doch war Ericson fraglos der Promotor eines spezifisch reinen und klaren Klangs; die enge Zusammenarbeit mit György Ligeti im Zusammenhang bei der Einstudierung des Requiem (1963) in Stockholm setzte zudem neue Maßstäbe. Seither hat sich die Chormusik verändert – sie ist vor allem sphärischer geworden. So auch bei der vor allem in der «Szene» bekannten, aus Lettland stammenden Komponistin Santa Ratniece (*1977), die Klänge zwischen Körper und Seele entfaltet – dabei aber

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Animato Quartet

Animato Quartet

Streichquartettformationen gleichen guten Weinen. Sie benötigen für höchste Qualität nicht nur einen guten Ausbau, sondern auch genügend Ruhe zur Reife. Denn während zahlreiche Stars und Sternchen am leuchtenden Klavierhimmel eher einem jungen Sauser ähneln und im Hör-Teleskop rasch verglühen, ist wohl jedem Ensemble bewusst, welch steinigen Weg es bei der Gründung unweigerlich vor sich hat. Da müssen die vier musikalischen Individuen zugunsten eines gemeinsamen Klangs zurücktreten, und doch ist das Quartett ohne die technische Fertigkeit jedes Einzelnen nichts. Oft gehen so viele Jahre ins Land, bis man sich einzelnen Werken

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Cuarteto Quiroga

Cuarteto Quiroga

Das Schicksal hat es nicht gut mit ihm gemeint. Nicht nur, dass Juan Crisóstomo Arriaga (1806–1826) zehn Tage vor seinem 20. Geburtstag an Tuberkulose verstarb, ein Jahrhundert-Hochwasser in Bilbao vernichtete 1983 auch noch zahlreiche der erhaltenen Erinnerungsstücke und Musikhandschriften seines ohnehin schmalen, jedoch überaus vielversprechenden Œuvres. Dabei begann alles wie in einem Märchen: Die Fürsprache bedeutender Musiker und die finanzielle Unterstützung eines Mäzens ermöglichten Arriaga ab 1821 ein Studium am Pariser Konservatorium; vor allem in Kontrapunkt und Fuge machte er binnen kürzester Zeit so bedeutende Fortschritte, dass ihm 1823 und

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Barbican Quartet

Barbican Quartet

Was für ein Understatement! Ein Booklet ohne Künstlerbiographie, ohne einen Verweis auf eine entsprechende Website. Man könnte Nachlässigkeit vermuten, doch nach dem Gewinn des Internationalen ARD-Musikwettbewerbs 2022 ist das Barbican Quartet in der «Szene» dann doch zu bekannt. Vielleicht ist aber auch ein Wechsel der Perspektive angebracht: Hier wird nicht auf dem Papier mit einer großartigen Entwicklung gepunktet, sondern allein durch die Musik. Und wer sich von dem Album und den Interpretationen gefangen nehmen lässt, der wird sowieso nach mehr Informationen suchen (und fündig werden). Erstaunlich ist bei diesem zweiten

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Novo Quartet

Novo Quartet

«Hej!» – Was für eine sympathische Ansprache im Booklet, bei der man sich gleich eingeladen fühlt. Und tatsächlich ist der Text nicht nur freundlich formuliert, sondern auch persönlich. Denn die vier Quartettist:innen sagen es (typisch dänisch) direkt. Sie erzählen vom eigenen Weg, von der dänischen Landschaft, von ihrer ersten Begegnung mit zeitgenössischer Musik – die eben nicht (mehr) die von Schostakowitsch ist. Aber auch von Hygge und Lego ist die Rede. So unverstellt, wie sich der Text liest, so unverstellt sind auch der Klang und die Interpretation des NOVO Quartet

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Butter Quartet

Butter Quartet

Selbst unter den jungen Streichquartett-Formationen ist die historisch informierte Aufführungspraxis nicht so verbreitet, wie man es sich wünschen würde. Dabei geht es nicht allein um die Frage der «richtigen» Saiten und ihrer Stimmhöhe, sondern vor allem um die Artikulation und den daraus resultierenden kammermusikalischen Ton. Denn bei manch einem Werk der Klassiker und frühen Romantiker lässt sich die Faktur auch ins Sinfonische denken – und dies nicht nur beim frühen Schubert (bei ihm selbst ein produktives Missverständnis). In diesem Sinne ist das zweite Album des Butter Quartets aus Den Haag

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Joseph Weigl – Trios

Joseph Weigl – Trios

Eine Rarität in gleich mehrfacher Hinsicht. Zunächst dürfte Joseph Weigl (1766–1846) heute nur noch wenigen als Komponist ein Begriff sein, obwohl sein einst erfolgreiches Singspiel Die Schweizerfamilie hin und wieder wieder aufgeführt wird. Dann wird die ausgesprochen kammermusikalische Besetzung dieser sechs Trios verblüffen: Oboe, Violine und Violoncello. Und schließlich werden auch die Stücke selbst überraschen, die ungedruckt in der Österreichischen Nationalbibliothek überliefert sind. Drei von ihnen sind dreisätzig, drei weitere umfassen vier Sätze, zwei davon schließen gar eine Fuge ein. Es handelt sich um freundliche Musik zur Unterhaltung, die mit

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Widmann – Piano Music

Widmann – Piano Music

Wie klingt Jörg Widmann auf dem Klavier? Da seine kompositorische Ästhetik mit ihren zahlreichen Allusionen auch aus der Retrospektive auf das 19. Jahrhundert schöpft, scheinen seine kleinformatigen Werke für Klavier im ersten Moment eine verbindliche Nähe zur Vergangenheit herzustellen. Dass dies jedoch nicht ausreicht, zeigen bereits die Werke selbst: Tänze, Reminiscenses, Intermezzi und Humoresken mit überschaubarer Spielzeit stehen in ihrer Summe eher der Bagatelle und dem Charakterstück näher, als der Sonate oder freien Fantasie. Wie auch in anderen Werken wird dabei mit «Erinnerungsstücken» an bestimmte Sprachen gespielt, die sich abstrakt

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Hans Winterberg – Klaviersonaten

Hans Winterberg – Klaviersonaten

Er gehört zu den ungehörten Komponisten des 20. Jahrhunderts – und wird erst seit kurzem mit seinem bedeutenden Œuvre entdeckt. Hans Winterberg (1901–1991) gehört zu jenen, die sich nicht einfach verorten lassen. Und vielleicht war das auch der Grund, warum es um ihn still geblieben ist. Andererseits fordert einen seine Musik, denn sie fasst bei dem in Prag geborenen vieles aus West und Ost zusammen – irgendwo zwischen Paris und Prag, dem Kreis um Schönberg und Zemlinsky sowie einer tiefer sitzenden eigenen Melancholie. Alles Zutaten, die weder auf der breiten

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