27. März 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Symphonies in 3 Movements

Symphonies in 3 Movements

Das Konzept dieses Albums erinnert deutlich daran, dass in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Einführung eines vierten Satzes fortan (und für mehr als einhundert Jahre) nahezu verbindlich für die Sinfonie wurde – wobei es sich bei dem vierten Satz um das an dritter Stelle stehende Menuett bzw. Scherzo handelt. Seine Einführung veränderte die gesamte Dramaturgie der aus der Opern-Ouvertüre italienischer Art abgeleiteten Werkgestalt. Dass später im 20. Jahrhundert noch ganz andere Konzepte entstanden (bis hin zur monumentalen Einsätzigkeit), muss nicht extra erwähnt werden – wohl aber die gelegentliche

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Mel Bonis – Orchesterwerke

Mel Bonis – Orchesterwerke

Werke für Klavier und Kammermusik. Wieder einmal waren es die «kleinen Formen» (Charakterstücke), eine Violinsonate und ein Klavierquartett, die bis jetzt ein durchaus (falsches) Bild von der französischen Komponistin Mel Bonis (1858–1937) zeichneten. Erst mit diesem Album (natürlich eine cpo-Produktion) treten auch sinfonische Klänge ans Licht – obwohl es sich «nur» um Instrumentationen eigener Werke handelt (die bei denen mit vokalem Anteil). Und dennoch: Diese Musik muss sich weiß Gott nicht hinter den Zeitgenossen aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg verstecken! Vielmehr erweist sich Mel Bonis als eine Komponistin

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Early Piano Works – Ulrich Roman Murtfeld

Early Piano Works – Ulrich Roman Murtfeld

Ein Album, das man daheim nicht so rasch aus dem Auge verlieren sollte. Denn hier stimmen das Programm, die Interpretation wie auch die klangliche Realisation durch die Tonmeisterei. Oder um nochmals aus einer anderen Perspektive anzusetzen: Ulrich Roman Murtfeld ist ein Pianist, den man live erleben möchte. Sein Spiel zeichnet sich nicht nur durch technische Souveränität aus, sondern auch durch kultivierten Anschlag und charakteristischen Ton – und mehr noch sowie entscheidend: durch ein gestalterisches Vermögen, das sowohl intellektuell den Notentext durchdringt als auch musikalisch atmet. Unter seinen Händen klingt etwa

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George Enescu – Fine Arts Quartet

George Enescu – Fine Arts Quartet

Noch immer liegt ein Schatten auf dem zweifellos singulären wie hochkarätigen kompositorischen Schaffen von George Enescu (1881–1955), so bedeutend war sein umfangreiches Wirken als Virtuose, Kammermusiker und Pädagoge auf der Violine. Möglicherweise stand einer breiteren Rezeption der Werke aber auch seine geniale Frühreife im Wege: Konnte sich Enescu als Interpret schon in jungen Jahren problemlos die großen Podien der Welt erobern, war er als Komponist lange Jahre auf der Suche nach eigenen Formen, Harmonien und melodischen Verläufen – und dies nicht etwa im Zuge von Experimenten, sondern einer von Werk

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Franz Schubert – Wojciech Waleczek

Franz Schubert – Wojciech Waleczek

Es scheint fast so, als würde bei diesem Album das Gedenkjahr 2028 schon seine Schatten werfen. Aber: Auch bei anderen Komponisten werden Raritäten und kurze Stücke höchst selten eingespielt. Also doch eine Produktion, die den Katalog frühzeitig vervollständigt? Darauf deuten zumindest einige Ersteinspielungen hin – auch wenn die damit verbundenen Takte eher wenige sind und marginal bleiben. Jedenfalls in dem hier (nicht) gegebenen Kontext. Denn erst wenn man Schuberts frühe (!) Kontrapunkt-Studien in einem größeren Zusammenhang sieht und darstellt, erschließen sich weitere Zusammenhänge. Dass dies bei einer CD-Produktion nicht geleistet

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Felix Mendelssohn – Fabio Biondi

Felix Mendelssohn – Fabio Biondi

An sich eine gute Idee, aus Mendelssohns Jugendwerken nicht nur einige der vielfach eingespielten Streichersinfonien aufzunehmen, sondern auch kleinere Übungen und Ephemera, die doch noch viel mehr über den Unterricht bei Carl Friedrich Zelter und das zur Verfügung stehende ältere Repertoire erzählen. Es sind die auf diesem Album an letzter Stelle stehenden beiden Fugen, die in diesem Sinne die Ohren (und dann auch die Augen) öffnen. Wer das physische Album vor sich hat, sollte für die genauen Nachweise allerdings Spotify bemühen, denn dort werden die Verzeichnisnummern ungewöhnlicherweise umfangreich und korrekt

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Charles Alkan – Mark Viner

Charles Alkan – Mark Viner

Wer schaut schon gern auf seine frühere Zeit zurück? Was haben wir nicht alles für verrückte Pläne und Projekte gehabt! Als ich vor nun bald schon vierzig Jahren einen älteren Professor auf einen Text von ihm ansprach, sagte er mit einem sehr breiten Lächeln, das zu Herzen ging: «Ach, eine Jugendsünde!» Das ist wahre Souveränität. Bei Komponisten ist es auch kaum anders – es sei denn, es wurde so gründlich aufgeräumt, wie es Brahms selbst getan hat. Aber es gibt ja auch die frühen gedruckten Werke. Wie bei Charles Alkan

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David Bergmüller – Rhétorique du silence

David Bergmüller – Rhétorique du silence

Ein Album, das sich mit seinen Metadaten und dem Booklet hervorragend für ein Blockseminar zum Thema «Redaktionsarbeit» eignet. Es mag ja angehen, dass gelegentlich das «Design» wichtiger als der «Content» ist. Und doch sollte nicht bloß alles Notwendige mitgeteilt sein, sondern es sollte auch «stimmen». Die separaten Listen der Komponisten und ihrer Werke auf dem Backcover gleicht jedenfalls einem Wimmelbild: Die Titel (übrigens miest unvollständig, und dass es sich beiden Sätzen von Visée um eine Suite handelt, wird unterschlagen) stehen vollkommen separat. Wer sucht, findet auf der vorletzten Seite des

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Florent Marie – Giovanni Antonio Terzi

Florent Marie – Giovanni Antonio Terzi

Was aber bleibt? Es ist die wohl grundlegendste Frage des Lebens, die man sich hin und wieder (meist in einer stillen späten Stunde) stellt. In der Biographie und Musik von Giovanni Antonio Terzi wird sie gleichsam zur Realität. Denn von diesem italienischen Meister auf der Laute ist fast nichts bekannt – außer dass er 1592 in Padua ein Studium der Rechtswissenschaften aufnahm. Daraus lässt sich zumindest rechnerisch sein ungefähres Geburtsdatum ableiten (die vielfach anzutreffenden Daten ca. 1580 – ca. 1600 sind daher falsch bzw. gemutmaßt). Musikalisch haben sich zwei in

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Jakob Lindberg – Johann Sebastian Bach

Jakob Lindberg – Johann Sebastian Bach

Es kommt nicht oft vor, dass ein einzelnes Instrument einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Bei der sogenannten «Rauwolf-Laute» ist das die Ausnahme. Sie wurde als Renaissance-Instrument (wohl 7- oder 8-chörig) von Sixtus Rauwolf in Augsburg um das Jahr 1590 gebaut. Eine «Modernisierung» zur Barocklaute (nun 11-chörig) erfolgte 1715 durch Leonard Mausiel in Nürnberg, was durch einen «Zettel» belegt ist. Dass sich die Laute über die Jahrhunderte erhalten hat (wie nur wenige andere Instrumente aus der Werkstatt von Rauwolf), ist schon Zufall genug. Dass sie nach einer sorgfältigen Restaurierung auch spielbar ist,

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Joachim Held – Johann Georg Weichenberger

Joachim Held – Johann Georg Weichenberger

Dass Musikgeschichte nicht immer einfach zu entschlüsseln ist, zeigt sich an der unspektakulären Biographie von Johann Georg Weichenberger (1676–1740). In Graz geboren, findet man ihn ab 1700 in den Diensten des Wiener Kaiserhofes (in der Buchhaltung!), und doch scheint er einer der wichtigsten und prägendsten Lautenisten in der Donau-Metropole gewesen zu sein. War er nun aber ein sehr begnadeter Virtuose aus dem Bürgertum oder erhielt er seine Anstellung eher pro forma, um an anderer Stelle dem Hof musikalisch zu dienen? Eine Frage, die vielleicht marginal erscheint, aber Grundsätzliches für die

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