24. April 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Liao Lin-Ni – Bagatelles

Liao Lin-Ni – Bagatelles

Poesie des Lichts, des Raumes und der Worte. Irgendwo zwischen Stille und Er-eignis, zwischen Punkt und Gleißen, Helligkeit und Schatten. Die Musik der aus Taiwan stammenden und in Paris lebenden Komponistin Liao Lin-Ni (*1977) lädt zu solchen Assoziationen ein – wobei ihre Werke selbst wiederum Reflexionen auf Texte der visionären amerikanischen Lyrikerin Emily Dickinson (1830–1866) sind. So wie dort mit offenen Formulierungen die Gedanken in Freiheit entlassen werden, so lassen sich auch die Bagatellen von Liao Lin-Ni ins Offene weiterdenken. Es handelt sich um kleine Serien von Bagatellen, nummeriert mit

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Hugues Borsarello – Miniatures

Hugues Borsarello – Miniatures

Der Titel des Albums täuscht ein wenig über die Werkauswahl hinweg. Denn statt «Miniatures» hätte es besser «Anchores» heißen sollen. Beide Begriffe schließen sich ja keineswegs aus – nur einmal habe ich bisher im Konzertsaal eine Zugabe von einer Viertelstunde gehört (aber das war auch unter sehr speziellen und alle bewegenden Umständen). Eine Miniatur solle jedoch mehr konzentrierter sein, zur Konzentration anregen und vielleicht auch etwas kondensieren, ähnlich wie in einer Consormé. Hier indes sind nahezu all jene Stücke versammelt, die man früher vielleicht einmal hier und da hörte –

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Stolen Music – Linus Piano Trio

Stolen Music – Linus Piano Trio

Leicht hat es sich das Linus Piano Trio mit diesem Album nicht gemacht. Die geht auch als dem eigenen Booklet-Essay hervor mit Reflexionen zum Verhältnis von Original und Bearbeitung sowie Überlegungen zur Veränderung von Besetzungen. Dabei erstaunt, dass jede nachrückende jüngere Generation immer wieder dieselben Entdeckungen macht: In diesem Fall ist es die aus dem Jahre 1932 stammende, von Eduard Steuermann angefertigte Bearbeitung von Schönbergs Verklärter Nacht, bei der aus einem Streichsextett ein Klaviertrio wurde. Sie lag allerdings schon bei Gründung des Linus Piano Trio (2007) in mehreren, exponierten Einspielungen

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Reinventions – Orchestra di Padova

Reinventions – Orchestra di Padova

Obwohl bereits 2022 aufgenommen, erscheint dieses Album nun pünktlich zum 100. Geburtstag von Hans Werner Henze (1926–2012). In den drei Werken mag man auf den ersten Blick vielleicht Marginales sehen. Doch zeigen die Partituren nach Werken von Giovanni Battista Vitali, Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Philipp Emanuel Bach eine Seite von Henze, die allzu leicht übersehen wird – seine Liebe zur «Alten Musik». Was hier unter dem Motto Reinventions zusammengefasst wurde, folgt allerdings unterschiedlichen kompositorischen Strategien: Mozarts Orgelsonaten wurden in eine zyklische Folge gebracht und neu instrumentiert, CPE Bachs Chromatische

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Song Transcriptions – Rudolf Buchbinder

Song Transcriptions – Rudolf Buchbinder

Ein Album, das an die guten alten Zeiten bei der Deutschen Grammophon erinnert, als nicht nur die Standards des Repertoires und absehbare Kassen-Knüller produziert wurden, sondern auch manch abseits des Weges liegendes Werk. Nachdem Rudolf Buchbinder bereits Beethovens Diabelli-Variationen eingespielt und nochmals erweitert hat, sind es nun die vier Hefte mit Transkriptionen, die Max Reger von Brahms-Liedern angefertigt hat. Eigentlich eine Gelegenheitsarbeit aus den Jahren 1905/06 und 1912, mit der Reger allerdings eine ganz andere Form der Virtuosität aufzeigen wollte – nämlich die Kunst, am Klavier instrumental zu singen, wie

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Tristan und Isolde – Solistenensemble D’Accord

Tristan und Isolde – Solistenensemble D’Accord

Wagner ohne Worte. Diese Idee wurde bereits in mehreren Arrangements beim Ring umgesetzt. Dort sind es die sinfonischen Höhepunkte, die die vier langen Abende auf eine Stunde schrumpfen lassen. Das vorliegende Album setzt den Effekten eine Paraphrase über Tristan und Isolde entgegen – intim und kammermusikalisch. Gleichzeitig wird deutlich: Wenn Partituren gut arrangiert sind, tragen sie auch rein instrumental. Das Wehen und Weben der unendlichen Melodien erscheint darin sogar noch konzentrierter und klarer in der Struktur. Und noch eines wird bei dieser Paraphrase deutlich: Wie nah Schönbergs Verklärte Nacht Wagners

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New Mozart Vol. 2 – Reinhard Goebel

New Mozart Vol. 2 – Reinhard Goebel

Unter dem Begriff «Arrangement» lassen sich viele unterschiedliche Methoden der Bearbeitung subsumieren, so dass auch etwas zusammenkommen kann, das nicht unbedingt zusammen gehört. Instrumentation, Paraphrase, Transkription und Reduktion – sowie hie und da einmal eine «Re-Invention». Es sollte daher immer auf das Detail geschaut werden, um sicher zu sein, was in der Partitur wirklich passiert: ob etwas gewonnen wird oder doch das Original substanziellen Verlust erleidet. Sicher ist nur, dass jedes, wirklich jedes Arrangement einen näher an das Original heranführt – nicht wenn man sich zurücklehnt, sondern wenn man das

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Jacob Schuback – Brockes-Passion

Jacob Schuback – Brockes-Passion

Als im Jahre 1712 unter dem Titel Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesu die von Barthold Heinrich Brockes (1680–1747) stammende Umdichtung der Leidensgeschichte Christi im Druck erschien, war nicht absehbar, dass in den folgenden Jahrzehnten wenigstens 13 Komponisten diesen Text einer Vertonung zugrunde legen würden. Mit seiner gleichermaßen auf Rührung und Erschütterung angelegten Dichtung traf Brockes offenbar nicht nur den Geschmack seiner Zeitgenossen, sondern regte in seiner Heimatstadt Hamburg auch eine ganz eigene, aufwendige Aufführungstradition an (ab 1719 erklangen innerhalb weniger Tage gleich vier unterschiedliche Vertonungen).

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Homilius / CPE Bach – Lukas-Passion (1775)

Homilius / CPE Bach – Lukas-Passion (1775)

Gottfried August Homilius (1714–1785) gehört zu jenen Meistern des 18. Jahrhunderts, deren Werk zunächst noch eine Zeit lang weiter tradiert, dann aber bis weit ins 20. Jahrhundert vergessen wurde. Allenfalls enzyklopädisches Interesse hielt die Erinnerung wach, sein umfangreiches kompositorisches Œuvre wird erst seit geraumer Zeit wiederentdeckt. Dies muss erstaunen, denn Homilius war als Organist an der Frauenkirche, später als Kreuzkantor und Musikdirektor, drei Jahrzehnte lang an zentraler Stelle in Dresden tätig. Der Überlieferungsweg «seiner» Lukas-Passion ist kurios und wirft ein Schlaglicht auf ganz unterschiedliche Passions-Traditionen. Denn CPE Bach verwendete 1775

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Johann David Heinichen – Sepolcri

Johann David Heinichen – Sepolcri

Noch einmal das Sepolcro. Diesmal geht es die Elbe auswärts bis nach Dresden – eine noch immer nicht gänzlich erschlossene Hochburg des musikalischen Barock und weit darüber hinaus. Auf diesem Album sind es zwei Werke, die in ihrer Anlage und ihren sängerischen Anforderungen unbedingt an die Opera seria erinnern. Sie zeigen, wie sehr sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Stile, Gattungen und Genres gegenseitig inspirierten, obwohl die geistliche und weltliche Sphäre eigentlich unvereinbar schien. Vielleicht war Johann David Heinichen (1683–1729) dafür ein exzellenter Vermittler. Protestantisch sozialisiert und am

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Gregor Joseph Werner – Der Gute Hirt

Gregor Joseph Werner – Der Gute Hirt

Wenn ich eine Generation zurückdenke, dann war Gregor Joseph Werner (1695–1766) damals allenfalls als Vorgänger von Joseph Haydn im Amt des Hofkapellmeisters bei den Esterházys bekannt. Eine ungarische Neuausgabe seiner Streicherfugen machte noch die Runde, alles andere war längst über die musikgeschichtliche Kante gefallen. Erst in den letzten Jahren rückte sein Œuvre dank der Initiative von Lajos Rovátkay und mehreren Einspielungen wieder in den Fokus – und man konnte einen wirklich sehr interessanten Komponisten des späten Barock im Umfeld der Habsburger kennenlernen. Denn der aus Wien strahlende Glanz sollte sich

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