19. Oktober 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Johann Schop

Johann Schop
Johann Schop
Schütz, Schein, Scheidt – und Johann Schop. Nur wer sich im alten evangelischen Gesangbuch auskennt oder sich intensiv mit der Hamburgischen Musikgeschichte nach 1620 beschäftigt hat, wird den damaligen Leiter der Ratsmusik dem Namen nach kennen. Zu seiner Zeit indes galt Johann Schop (1590–1667) als herausragender Virtuose auf der Violine und nahm 1633 in Schütz’ Schatten an der legendären Prinzenhochzeit in Kopenhagen teil. Zu dieser Zeit publizierte er auch zwei Bände mit Paduanen, Galliarden, Allemanden, Balletten, Couranten und Canzonen; 1644 folgte ein Erster Theil geistlicher Concerten – ein offenbar angedachter zweiter Teil gelangte nie zur Veröffentlichung.

Werbung

In ansteigender Besetzung angeordnet (und damit enzyklopädisch gedacht) handelt es sich bei den Concerten sehr wahrscheinlich um ein «best of» aus der von Schop für die Hamburger Hauptkirchen komponierten Figuralmusik – und man kann sich gut vorstellen, was alles die Zeiten nicht überdauert hat (selbst die Druckausgabe von 1644 ist nur in einem einzigen vollständigen und drei unvollständigen Exemplaren überliefert). Für das Album wurden nur acht der insgesamt 30 Werke aufgenommen, dreimal interpoliert durch instrumentale Tanzsätze. Gewonnen ist damit leider wenig (ich wünsche mir immer gerne vollständige Einspielungen, aus denen man dann selbst seine Favoriten wählen kann). Aber das Ensemble Ælbgut sowie die Hamburger Ratsmusik unter Simone Eckert nehmen sich der Sätze mit vorzüglicher Klarheit, Textverständlichkeit und einer wie selbstverständlich erscheinenden Ausdruckstiefe im Geflecht des Wort-Ton-Verhältnisses an.

Werbung

Johann Schop. Geistliche Konzerte aus: Erster Theil geistlicher Concerten (1643)
Alleluja, lobet den Herrn; Jauchzet dem Herrn; Lobe den Herren, meine Seele; Allmand à 5; Courandt à 5; Meine Seele erhebet den Herren; Vom Himmel hoch; Pavaen de Spanje; Gott sei gelobet und gebenedeit; Durch Adams Fall; Intrada in a à 5; Lob und Preis sei dir, o Herre
Ælbgut, Hamburger Ratsmusik, Simone Eckert

cpo 555 703-2 (2024)

HörBar #195 – Sch… (diverse)

Joachim Schweppe

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

    View all posts
hoerbar_nmz

Der HörBar-Newsletter.

Tragen Sie sich ein, um immer über die neueste Rezension informiert zu werden - entweder täglich oder mit den Rezensionen der vergangenen Woche am Sonntag.

Liste(n) auswählen:
DSGVO-Abfrage* 

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

This entry is part 4 of 4 in the series HörBar #195 – Sch… (diverse)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.