
Nach langem Abgesang in den 1920er Jahren, der Instrumentalisierung ab 1933 und der Verachtung durch die Nachkriegsavantgarde hat die Operette in den beiden vergangenen Jahrzehnten auf den Bühnen eine Renaissance erlebt: mal gewichtig inszeniert, mal hintersinnig gebrochen. Dazu trugen auch so manche «Hundertjährige» bei. Ohne dieses Aufleben hätte ein Album mit Ouvertüren von Paul Lincke (1866–1946) wohl kaum eine Chance – und doch ist zu bekennen: Diese Musik kann (bis zu einem gewissen Grad) für gute Stimmung sorgen, bevor sie am Ende dann doch an ihrer eigenen Champagner-Seligkeit erstickt. Man kann es aber auch anders sehen: Denn die Ouvertüren sind vermutlich die einzigen Bestandteile einer Operette, die weitgehend unverändert die Zeiten überdauert haben und bis heute von der Regie unangetastet bleiben. Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt spielt sich unter der Leitung von Ernst Theis mit Lust und Laune durch die Partituren und ihre ewigen Topoi.
Paul Lincke. Ouvertüren Vol. 2
Ouvertüre zu «Frau Luna»; Ouvertüre zu «Nakiris Hochzeit»; Ouvertüre zu «Ein Liebestraum»; Ouvertüre zu «Im Reiche des Indra»; Sinnbild (Walzer); Brandbrief-Galopp; Ouvertüre zu «Das blaue Bild»; Ouvertüre zu einer Revue; Ouvertüre zu einer Festlichkeit
Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt, Ernst Theis
cpo 555 448-2 (2020)
