
Auf einer Meta-Ebene betrachtet, handelt es sich durchwegs um Kompositionen, in denen eine ungehörte geschichtliche Alternative mitschwingt – von einem großen, keinesfalls nach außen virtuosen Klavierkonzert aus dem Jahre 1953 (über Stavenhagen war Schelb Enkelschüler von Liszt), über ein opulent besetztes Sinfonisches Vorspiel (1959), über eine mehrsätzige Suite aus Orchesterstücken einer nie aufgeführten Oper (sie wurde 1974 nach einem Intendantenwechsel kurzfristig vom projektierten Spielplan genommen) bis hin zu einem retrospektiven sinfonischen Satz (Movimento III, 1973), mit dem man über den Styx zu gleiten scheint. Sucht man nach passenden Adjektiven oder Adverbien für die Musik von Josef Schelb, gerät man rasch in Sackgassen. Zwar kann man die eine oder andere Wendung als spröde empfinden, dabei wird die Entwicklung der Musik nach 1945 nur konsequent mit tonalen Bezugspunkten antiromantisch weitergedacht. Es entsteht vielmehr der Eindruck von etwas anderem, das wir bisher nicht oder nur unzureichend kennen. Nicht allein auf Schelb bezogen, sondern auf eine ganze Generation deutscher Komponisten, die einen Weg abseits von Donaueschingen, Darmstadt oder Mirano gingen. – Die Einspielung überzeugt durch ihre ehrlichen und gut einstudierten Interpretationen. Kein wie so oft in solchen Konstellationen zu hörender schneller Schuss. Es wäre auch schade gewesen.
Josef Schelb. Klavierkonzert (1953); Prelude symphonique für großes Orchester (1959); Falken-Suite (1968); Movimento III (1973)
Oliver Triendl (Klavier), Janáček Philharmonic Orchestra, Leo Siberski
hänssler classic HC 25024 (2025)
