14. Juni 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Animato Quartet

Animato Quartet
Animato Quartet
Streichquartettformationen gleichen guten Weinen. Sie benötigen für höchste Qualität nicht nur einen guten Ausbau, sondern auch genügend Ruhe zur Reife. Denn während zahlreiche Stars und Sternchen am leuchtenden Klavierhimmel eher einem jungen Sauser ähneln und im Hör-Teleskop rasch verglühen, ist wohl jedem Ensemble bewusst, welch steinigen Weg es bei der Gründung unweigerlich vor sich hat. Da müssen die vier musikalischen Individuen zugunsten eines gemeinsamen Klangs zurücktreten, und doch ist das Quartett ohne die technische Fertigkeit jedes Einzelnen nichts. Oft gehen so viele Jahre ins Land, bis man sich einzelnen Werken des endlosen Repertoires genähert hat. Jeder allzu schnelle Wurf (auch bei den mir so lieben «Entdeckungen») birgt die Gefahr des Leerlaufs oder gar des Scheiterns.

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Das aus den Niederlanden stammende Animato Quartet hat es hingegen nicht eilig gehabt. 2013 gegründet, legt es nun, nach zwölf Jahren, sein erstes Album vor (sofern man die kammermusikalische Begleitung zweier Beethoven-Klavierkonzerte aus dem Jahre 2021 bei Naxos nicht mitzählt). Programmatisch wurde das Portrait dicht gefügt mit den jeweils ersten Streichquartetten von Béla Bartók und Benjamin Britten sowie mit dem Langsamen Satz von Anton Weber, dessen erster Beitrag zur Gattung, auf den auch das Motto Longing (Sehnsucht) anzuspielen scheint. Will man den Versuch unternehmen, den Klang und das Spiel des Animato Quartets näher zu charakterisieren, so sticht zunächst der warme, in manchen Momenten gar samtartige Klang hervor. Ein zarter Schmelz fehlt dabei aber ebenso wie ein mitunter kantiger Zugriff. Das wirkt sich ausgerechnet auf Weberns Satz positiv aus, der sehr klar in einem weiten Strom fließt. Beim Bartók mag dies noch im Kopfsatz passen, doch das an zweiter Stelle stehende Allegretto bleibt ohne Kern und der dritte Satz bis zum Schluss ohne seine existenziellen Momente. Mehr «Zug» wird beim Britten entwickelt: von der Konzentration auf ein Flirren in der Höhe bis hin zu den fast flüchtigen Einwürfen im Scherzo. Aber auch hier hat man das Gefühl, das Finale werde mit angezogener Handbremse, mit zu viel Noblesse gespielt. Es bleibt somit eine Aufgabe für das zweite Album – und dann vielleicht auch für die jeweils zweiten Quartette.

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Longing
Anton Webern. Langsamer Satz (1905); Béla Bartók. Streichquartett Nr. 1 a-Moll Sz. 40 (1908/09); Benjamin Britten: Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 25 (1941)
Animato Quartet

Challenge Records CC 720035 (2025)

HörBar #189 – Streichquartette

Cuarteto Quiroga

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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