
Das aus den Niederlanden stammende Animato Quartet hat es hingegen nicht eilig gehabt. 2013 gegründet, legt es nun, nach zwölf Jahren, sein erstes Album vor (sofern man die kammermusikalische Begleitung zweier Beethoven-Klavierkonzerte aus dem Jahre 2021 bei Naxos nicht mitzählt). Programmatisch wurde das Portrait dicht gefügt mit den jeweils ersten Streichquartetten von Béla Bartók und Benjamin Britten sowie mit dem Langsamen Satz von Anton Weber, dessen erster Beitrag zur Gattung, auf den auch das Motto Longing (Sehnsucht) anzuspielen scheint. Will man den Versuch unternehmen, den Klang und das Spiel des Animato Quartets näher zu charakterisieren, so sticht zunächst der warme, in manchen Momenten gar samtartige Klang hervor. Ein zarter Schmelz fehlt dabei aber ebenso wie ein mitunter kantiger Zugriff. Das wirkt sich ausgerechnet auf Weberns Satz positiv aus, der sehr klar in einem weiten Strom fließt. Beim Bartók mag dies noch im Kopfsatz passen, doch das an zweiter Stelle stehende Allegretto bleibt ohne Kern und der dritte Satz bis zum Schluss ohne seine existenziellen Momente. Mehr «Zug» wird beim Britten entwickelt: von der Konzentration auf ein Flirren in der Höhe bis hin zu den fast flüchtigen Einwürfen im Scherzo. Aber auch hier hat man das Gefühl, das Finale werde mit angezogener Handbremse, mit zu viel Noblesse gespielt. Es bleibt somit eine Aufgabe für das zweite Album – und dann vielleicht auch für die jeweils zweiten Quartette.
Longing
Anton Webern. Langsamer Satz (1905); Béla Bartók. Streichquartett Nr. 1 a-Moll Sz. 40 (1908/09); Benjamin Britten: Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 25 (1941)
Animato Quartet
Challenge Records CC 720035 (2025)
