20. September 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Prokofjew 5 / Santtu-Matias Rouvali

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #039 – Sinfonisches
Prokofjew 5 / Santtu-Matias Rouvali
Prokofjew 5 / Santtu-Matias Rouvali

Wohl alle, die krisensicher im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, haben sich bestimmt schon einmal beim Blick auf so manche Dirigenten-Laufbahn verwundert die Augen gerieben. Denn hier scheint wie sonst nur in Aufsichtsräten das Unmögliche möglich zu werden – nämlich gleich mehrere verantwortliche Chefpositionen parallel, beziehungsweise sukzessiv exklusiv innezuhaben. Die durch den Starkult verstärkte Ämterhäufung steht freilich der ursprünglichen Aufgabe entgegen, einen Klangkörper und dessen Repertoire langfristig zu entwickeln: Wie aber dieses Ziel verwirklichen, wenn der Chef selbst bloß «zu Gast» ist? Leicht lässt sich so in einen Lobgesang auf die Institution des GMD einstimmen…

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Doch wem – zumal der jüngeren Generation – will man die vielen parallelen Wege der sich ankündigenden großen Karriere verweigern? Dies gilt auch für den 1985 geborenen Santtu-Matias Rouvali, der nicht nur in Tampere und Göteborg den Taktstock fest in der Hand hält, sondern nun auch Esa-Pekka Salonen beim Philharmonia Orchestra in London nachfolgt. Wer Rouvali angesichts seines Alters und der extrem kurzen, aber auch sehr namhaften Liste der Position als Principal Conductor eine gewisse Seniorität abspricht, sollte sich an Riccardo Muti erinnern, der 1973 den Posten mit gerade einmal 32 Jahren übernahm. Es war die urmusikalische Spritzigkeit, mit der Rouvali das Orchester überzeugte, und die sich auch im Live-Mitschnitt (9. Februar 2020) von Prokofjews 5. Sinfonie aus dem Londoner Southbank Centre vermittelt. Hörbar ist dieser Spirit zu Beginn des Scherzos, wo Akzente blendend sitzen, die Dynamik differenziert und spielerisch ausgelotet wird und das «Zetern» einzelner Instrumente in der Gesamtheit des Tuttis aufgeht. Ohnehin hat Rouvali das Ganze der Partitur in Auge und Ohr, so dass die Einspielung ohne die für Prokofjew oftmals aufgerufenen Topoi auskommt – in der letztendlich bestechenden Deutlichkeit vielleicht ein wenig unspektakulär, doch ehrlich und intensiv im Ausdruck.


Sergej Prokofjew: Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100
Philharmonia Orchestra, Santtu-Matias Rouvali

Signum Classics SIGCD669 (2020)

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