9. August 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Mohammad Reza Mortazavi | Prism

Mohammad Reza Mortazavi | Prism

Da staunt man. Wie eine einzelne Person mit einer Handtrommel, bzw. mehreren umzugehen versteht und ganz allein, wenn auch hier im Mehrspurverfahren daraus verschiedene Klangwelten zusammensetzt. Ich würde die Unwahrheit sagen, wenn ich behaupten würde, ich kennte die Namen dieser Instrumente, die er das mit seinen Fingern traktiert. Es bleibt nur das Resultat, das in Track 4 „Shining“ sich weit entfernt vom rein Perkussiven mit Tongehalt zu einer Art Soundscape. Das klingt hier teilweise zudem einen Hauch bedrohlich, reißt einen nicht mit, sondern herunter in eine Geräusch- und Rauschwelt mit

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Hard Boiled Wonderland | Music Resistance

Hard Boiled Wonderland | Music Resistance

Eine weitere Wohltat und zugleich ein großer Wurf ist dieser Live-Mitschnitt eines Konzertes vom 15. Februar 2020 im Stadtgarten Köln – also kurz vor der durchdringenden gewaltigen und globalen Ruption durch die Corona-Pandemie. Logischerweise spielt die hier dann auch nicht hinein. Aber Engagement ist hier im Übermaß vorhanden, musikalisches wie auch gesellschaftliches, politisches. Das zeigt sich sofort in der Aufmachung nämlich als 104 Seiten starkes Textbuch mit CD. Ausgangspunkt für dieses Projekt sei ein Satz des Bürgermeisters von Spremberg zum gewaltsamen Tod des algerischen Asylbewerbers Farid Guendoul gewesen: „Was hat

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Trees on the Roof: Music without movies

Music without movies

Manchmal muss man auch bis auf den Grund eines Sees sehen, um dann festzustellen, dass in ihm kein Wasser ist. Ist das nicht bitter? Die CD mit „Music without movies” gehört von sich aus gesehen in die Kategorie: Easy listening. Darüber müssen wir mal wirklich reden. Easy ist dabei nämlich gar nichts. Jedes Stück klingt hier tatsächlich so, als entstammte es einer x-beliebigen Filmproduktion zu der dann ästhetisch niederschwellige Musik produziert wird, die man irgendwie schon zu kennen glaubt, obwohl kein Ton auf dem anderen sitzt. Easy wird mit der

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Volkmann: Dreams to come

Volkmann: Dreams to come

Entschuldigen Sie mal bitte, lassen Sie uns durch. Wir haben etwas zu sagen. Und los geht es mit einer eruptiven Musik, die ich lange schon nicht mehr so gehört habe. Es wird losgerotzt auf einem Perkussionsbett, es rockt danach wie aus der Garage. Eine emotionale Triebfabrik wie man sie im wohldosierten und hochschultonfallkomplexen großen Klangpool des jungen gegenwärtigen Jazz so bitter nötig hat. Der Mythos des politisch engagierten Jazz lebt und er ist ungeglättet rotzig, übertrieben, exzessiv – wie als ob man mit purer Gewalt gegen eine ästhetische Wand zu

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Scelsi / Goldmann / Schwarzer | Sfera

Scelsi / Goldmann / Schwarzer | Sfera

Es liegt irgendwie auf der Hand, dass sich die Szene der elektronischen Musik mit der Musik von Giacinto Scelsi in Berührung setzt. Erstaunlich ist hier jedoch, dass dies auf dem Weg des Solospiels passiert und nicht im multimorbiden Kammermusik- oder Orchesterbereich – bei dem es ohnehin in der Musik von Scelsi leichter changiert als im Zustand des solo. Der Blockflötist Jeremias Schwarzer hat dies mit den acht Tracks hier damit tatsächlich zu einem Gegenpunkt gebracht. Die Einzelwerke sind dabei selbst Bearbeitungen von anderen Solostücken Scelsis (Kontrabass, Saxophon, Gesang und bei

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