30. November 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
concatenate – U+1F407; U+1F990

concatenate – U+1F407; U+1F990

Man erkennt schon am Titel: Äh? Da hat sich keine einen Hau gemacht, wie man das wohl im Radio vorstellen wird können. „Ich hätte da gerne die Platte Uh plus Eins eff Vier Null Sieben Semikolon Uh plus Eins eff Neun Neun Null“. Ui, schräg das, oder? Moment, der Fahrstuhl ist noch außer Betrieb. Hier gilt erst mal nur E-Gitarre und Violoncello zu verketten, wie Hase 🐇 (U+1F407) und Schrimp 🦐 (U+1F990) im Unicode-Format. Möööönsch. „Bei concatenate treffen Kante auf Textur, Konzept auf Intuition, Holz auf Silizium. Cello und elektrische

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Samuel Leipold – Viscosity

Samuel Leipold – Viscosity

Gehört für mich in die Kategorie „Seltsame Musik“. Warum? Weil sie kaum anfassbar ist, eine Installation in Tönen und Klängen eher als ein Stück geworfener Musik. Also eher eine Art Tonmöbel – einerseits. Leipold beschreibt die Musik selbst als „Resultat einer sehr intensiven Phase der Beschäftigung mit so unterschiedlichen Einflüssen wie moderner klassischer Gitarrenmusik, im speziellen die Musik Toru Takemitsus, oder elektronischer Ambient Musik.“ Das hilft einem nicht so ganz auf die Sprünge. Eher noch die kryptische Klarheit, die sich sich in den Worten „Jedes der neun Stücke bildet in

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Flanagan – In His Own Sweet Time

Flanagan – In His Own Sweet Time

Geheimnis! Wie intim kann Musik klingen. Gespielt wie nur für einen selbst. Enja legt mit Tommy Flanagans Konzertmitschnitt aus dem Jazzclub Birdland Neuburg aus dem Jahr 1994 jetzt so eine unglaublich zerbrechliche wie zugleich unzerstörbare Aufnahme mit diesem Pianisten vor! Was geht da ab, um Himmels Willen? Zehn Standards gibt der Pianist Leben, Form und Bild. Ja, nicht anders als überschwänglich muss man solche Abende nennen. Dass diese sich auch in Form von digitalen gepressten Fixierungen mitteilen ist ein so übergroßes Glück. Man kann es kaum fassen. Elegant, aristokratisch, leidenschaftlich,

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Bernd Kaftan – Rooms and Places

Bernd Kaftan – Rooms and Places

Da ist viel Platz, da ist viel Raum. Bernd Kaftans Pianospiel ist nicht atemraubend, es klingt nach einer musikalischen Einladung, die klingt wie ein guter Freund, den man auf einer musikalischen Wanderung begleitet. Impressionistische Landschaften in Klängen breiten sich über den Flügel aus, auch im Sinne einer daran orientierten Jazzharmonik, die eben wenig den Rhythmus pflegt bei dem man sprichwörtlich mit muss. Jedenfalls in den beiden ersten Tracks. Durchaus mutiger geht es im Unisonospiel über einige Oktaven weiter. Aber die entstehende Musik behält die Hörenden immer in ihrer Mitte, umfängt

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Takase/Erdmann – Isn’t it Romantic

Takase/Erdmann – Isn’t it Romantic?

It is! Zumindest so ein bisschen. Sogar barock, wenn man es genau nimmt. In jedem Fall üppig an Tönen und an Tongruppen in Sequenzen. Da eislert schon mal nebenbei, bleibt klanglich dabei überaus scharf auf der harmonischen Klinge. Das Duo zeigt sich sehr robust in seiner thematischen Anlage und in seinen Improvisationen. Der Booklet-Text von Bert Noglik erklärt zur Entstehung, dass über die Distanzen Reims (Erdmann) und Berlin (Takase) hinweg in Corona-Zeiten zusammengearbeitet wurde und in einem kleinen Zeitfenster die CD in Budapest innerhalb von drei Tagen aufgenommen wurde. Merkt

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Poulsen/Fryland – Dream a World

Poulsen/Fryland – Dream a World

Gitarre und Trompete treffen sich im vierten Duo dieser Woche. Hasse Poulsen und Thomas Fryland träumen sich anhand zahlreicher Stücke der Musikgeschichte durch Zeit und Raum. Virtuos und beinahe fröhlich. Das ist total nett so. So sauber und zurückhaltend zugleich wollen sie laut Booklet für Hoffnung sorgen („We need hope today. We need it badly.“) Dafür klopfen sie „The Times They Are Changing”, “E Pueblo”. “Hallellujah” … über „Ode to Joy“ oder „Imagine“ bis zu Pink Floyds „Another Brick In The Wall“ ab und gehen dabei keine Risiken ein, was

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Fleischwolf – Einst

Fleischwolf – Einst

Auch nicht ganz alltäglich: Ein Duo, bestehend aus Violine/Viola und Computer. Nennt sich Duo Fleischwolf und besteht aus Gunda Gottschalk (violin, alto, voice), Achim Konrad (computer). Man weiß nicht so ganz, wohin das Duo musikalisch zielt, rauschende Partys sind es nicht, Rauschendes ist es auch nicht. Assoziationen mit dem Bild des Fleischwolfs, durch den da Musik gedreht wird, bieten sich zwar sofort an, aber laufen ins Leere. Das sehen die Musiker:innen allerdings in ihrer Selbstbeschreibung durchaus anders. „Das Paradigma hinter den meisten Tracks dieses Albums: Gunda liefert mit ihren Geigen

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Duo Sonoma I

Duo Sonoma I

Gehört auch nicht zu den gängigsten Kombinationen im Bereich des Jazz. Gitarre trifft auf Violine. Und umgekehrt. Was für eine flinke und intime Musik zaubern dabei die beiden Musikerinnen. Selten findet man diese entspannte Leichtigkeit bei Erstlingsproduktionen. Dass man das locker angeht und doch mit höchster musikalischer Disziplin und Verbindlichkeit, das macht den besonderen Reiz dieses Duos aus. Die CD wird beworben als eine „Sammlung von Eigenkompositionen, die mit unterschiedlichen Zugängen von Klassik bis Jazz und verwoben mit der besonderen kärntner-slowenischen Note neuartig Eigenes entstehen läßt.“ Das kann man so

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Herskedahl, Myhre – Desert Lighthouse

Herskedahl, Myhre – Desert Lighthouse

Diese Kombination von Musikinstrumenten ist doch nicht normal! Tuba trifft auf Orgel. Orgel trifft auf Tuba. Leute, Sachen macht ihr. Und wie großartig. Was für ein klanglicher Tumult zwischen auf den Instrumenten lastenden Traditionen mit all dem Schnick und Schnack von strengem Satz und freier Improvisation. Macht das bitte nie wieder! Das ist definitiv zu gut so. Man wird gleich von Anfang an hineingesaugt in einen Strudel aus Tiefton-Expression und hochkultiviertem Klang. Welche sonderbaren Farben erklingen im Lighthouse Lullaby? Was klar sein sollte, musikalische Geschwindigkeitsräusche sind eher nicht zu erwarten.

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Flat Earth Society – Boggamasta III

Flat Earth Society – Boggamasta III

Also schauen wir mal, was auf der anderen Seite der Erde so an Musik existiert. Köstliche Knackfrösche tanzen da auf Katzenköppen im Kreis und spielen Reise nach Absurdistan. So irgendwie möchten sich die belgischen Künstler:innen vielleicht verstanden wissen. Das machen sie seit über 20 Jahren mit wechselhaftem Erfolg – wie mir scheint. Und gar nicht so schlecht, wie sie von unten her sich in ihren bewusstseinsverengenden Musikstilen austoben ohne doch über die Kante zu kippen. Das sollten sie aber schon machen. Mir ist da immer noch zu viel Kalkül im

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Jost Nickel – The Check In

Jost Nickel – The Check In

Kann man diesem Blick trauen, diesen Socken? Nein, kann man nicht. Denn was hier der Schlagzeuger Jost Nickel mit seiner namhaften Truppe zusammendrechselt, verwindet sich unter unvermeidlichen Tanzschritten. Da klingt so vieles so ungefähr als wie als ob – wie in Track Bloom und doch etwas anders. Geht durch. Man merkt sehr genau, dass da etwas musikalisch zusammengerührt wird, was sein Mindesthaltbarkeitsdatum bisweilen etwas überschritten. Die besten Grooves der 80er, 90er und 00er Jahre (der Pressetext fasst es in den wunderbaren Euphemismus der „zeitlosen Qualität“). In etwa so. Virtuos das

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Luciano Biondini: Dialogues – Enja

Luciano Biondini: Dialogues

Draußen dunkelt es. Es ist warm, die Luft ist getränkt mit Düften des Mittelmeerraumes. Pflanzen hat es hierher aus aller Welt verschlagen. Gesättigte Farben. So die Musik dieser drei Musiker in der etwas seltsamen Besetzung Akkordeon, Klavier und Klarinette. Sie saugen die Musik der Welt auf und legen sie unter Olivenbäume, neben denen reife Zitronen schillern. Melancholie legt sich dazu. In einer raffinierten Art legen sie neue Klangbeete an, auf denen musikalische Gewächse wachsen, die dann per Tonträgerexport an fast jedem Ort der Welt bei den Hörenden nachreifen können. Repetitive

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