24. Februar 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Calcutta – 1789

Calcutta – 1789

Selbst auf alte Schlagertexte kann man sich nicht mehr verlassen. Kalkutta heißt schon lange nicht mehr so (sondern seit 25 Jahren Kolkata), und am Ganges hat die Metropole im Osten Indiens nie gelegen. Was sich aber hinter dem Motto des Albums verbirgt, das ist am Ende weitaus faszinierender als viele der eingespielten Stücke und Werke. Denn das einstige Zentrum der Britischen Ostindien-Kompanie zog nicht nur Waren und Händler an, sondern entwickelte im 18. Jahrhundert auch ein respektables Musikleben. Zentrale Figur war dabei William Hamilton Bird (genaue Lebensdaten unbekannt), der nach

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Mozart Momentum 1786

Mozart Momentum 1786

Sofort fühle ich mich beim Titel dieses Albums an den legendären Bestseller Mozarts letztes Jahr von H. C. Robbins Landon erinnert. Zwar sind es bis zum Ableben Mozarts im Jahr 1791 noch gut fünf Jahre, und doch hat eine solche kalendarische Eingrenzung eine gewisse Zugkraft. Dass eine Saison oder Spielzeit damals wie heute freilich immer über den Jahreswechsel hinausragt, wird dabei zugunsten der vermeintlichen Klarheit und Griffigkeit schlichtweg ignoriert – oder geopfert. Und so finden sich im Jahrgang 1786 das am 2. März abgeschlossene Klavierkonzert A-Dur KV 488 neben dem

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Mozart – Grétry – 1773

Mozart – Grétry – 1773

Das Orkester Nord unter der Leitung von Martin Wahlberg macht aus den mit bewundernswerter Präzision und Raffinesse eingespielten Werken ein Weltendrama – ganz so, wie man es dieser Tagen auch selbst wahrnehmen kann. Der Fokus liegt freilich auf dem Jahr 1773, das politisch eher ruhig war, musikalisch aber aufbrauste. So bei Wolfgang Amadeus Mozart und seiner frühen Sinfonie g-Moll KV 183 und bei André-Ernest-Modeste Grétry (1741–1813) in dessen am 30. Dezember in Versailles uraufgeführten Ballettoper Céphale et Procris ou l’Amour conjugal. Trotz ihrer griffigen Harmonik und dynamischen Wechsel wird man

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Weimar – 1755

Weimar – 1755

«Empfindsamkeit» sowie «Sturm und Drang» sind zwar keine Epochen in den Künsten, wohl aber wichtige Phasen des Übergangs, die seit der Mitte des 18. Jahrhunderts aus dem langen Schatten barocker Gerüste heraustraten und nach neuen, auch subjektiveren, mitunter gar radikal individuellen Ausdrucksweisen suchten. Dieser «Zeitgeist» zwischen den Epochen wies zahlreiche Spielarten auf, die es auch heute noch schwer machen, ein konsistentes musikgeschichtliches Bild zu entwerfen – denn die strukturell wichtigen Institutionen von Kirche und Hof entwickelten sich nach Personen und Orten recht unterschiedlich (die Oper scheint gewissermaßen ein europäisches Eigenleben

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Telemann – 1721

Telemann – 1721

Ob es früher den Menschen auch so erging, dass sie beim Schreiben des Datums eine Zeit lang aus Gewohnheit noch am alten Jahr festhielten? Jedenfalls handelt es sich beim «Anno Domini» nicht um irgendeine Zählung, sondern seit der Verschriftlichung auch des Alltags um Anhaltspunkte, Marksteine oder gar Einschnitte. Und häufiger als man vielleicht vermutet, dienen solche Jahreszahlen auch als Motto für ein Album – auch wenn die Kontexte oftmals unterschiedlich sind. Der 21. September 1721 war jedenfalls nicht nur für Hamburg, sondern auf sehr lange Sicht hin auch musikgeschichtlich ein

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Pierre Boulez – Piano Works

Pierre Boulez – Piano Works

Wie vollständig ist eine Edition, die sich Œuvres complètes nennt? Eine Frage, die sich angesichts dieses Albums aufdrängt, das mit der Einspielung von zwei frühen Werken die Perspektive auf Pierre Boulez und sein kompositorisches Schaffen bedeutend erweitert. Denn bei den Variationen für die linke Hand und den drei Psalmodien handelt es sich um Werke, die noch vor den Douze Notations entstanden sind. Sie sind komplex und zeigen, mit welcher Geschwindigkeit sich der 20-Jährige das Musikalische erarbeitete und es für sich neu organisierte: nicht in einer durchgehenden Reihe, sondern in einer

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Pierre Boulez – Anthèmes

Pierre Boulez – Anthèmes

Dass sich einzelne Kompositionen von Pierre Boulez auch unmittelbar verständlich machen können, beweist diese ältere, noch immer als physisches Album erhältliche Einspielung von drei Werken, die kompositorisch (dem Material nach) oder auch technisch (in der Verwendung von Zuspiel und Live-Elektronik) in enger Beziehung zueinander stehen: Aus Anthèmes 1 für Violine Solo (1991 als Pflichtstück für einen Wettbewerb entstanden, wurde wenige Jahre später mit Anthèmes 2 (1995) eine komplexe Partitur, bei der damals neueste Verfahren computergenerierter Klänge in das Spiel eingreifen, es bereichern, es nach festgelegten Verfahren kommentieren. In den Dialogue

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Pierre Boulez – Œuvres complètes

Pierre Boulez – Œuvres complètes

Erstmals 2013 erschienen, wurde diese Box zum 100. Geburtstag von Pierre Boulez noch einmal „limitiert” aufgelegt und mit anderen Bestellnummern versehen. In Zeiten des niedergehenden Fachhandels dürfte das freilich kaum jemand bemerken, es sei denn, man schaut in die von vielen fleißigen und zuverlässigen Händen erhobenen Daten bei discogs.com. Was nach den zwölf dazwischenliegenden Jahren sofort ins Auge fällt: Der einstige Blick auf das Schaffen (Œuvres complètes) wird auf dem Kästchen nun und im Rahmen einer noch größeren Gesamt-Edition geradewegs personalisiert (The Composer). Angesichts einer weit verbreiteten Unkenntnis des Œuvres

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Pierre Boulez – Livre pour quatuor

Pierre Boulez – Livre pour quatuor

Ein wirklich besonderes Album, das am Ende einer mit ihm verbundenen Werkgenese steht. Schon bei seiner Gründung setzte sich das Quatuor Diotima mit dem Livre pour quatuor auseinander, später kam es gar zu einer intensiven Zusammenarbeit mit Pierre Boulez in Baden-Baden, aus der eine Revision der Partitur hervorging (2012). Für einen Konzertzyklus sollten dann die einzelnen Sätze zwischen Werken von Schönberg und Beethoven stehen – ein Vorhaben mit gattungsgeschichtlicher Tiefe, für das allerdings der unvollendete vierte Satz fehlte. Boulez machte das bereits archivierte Material zugänglich, konnte die eigene Revision jedoch

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Pierre Boulez. The Complete Columbia Album Collection

Pierre Boulez. The Complete Columbia Album Collection

Bereits 2017 in den Handel gekommen (und aktuell noch immer verfügbar), mutet diese 67 CDs umfassende Box der (nahezu vollständigen) frühen Einspielungen wie ein ungeschliffenes Juwel an. Auch wenn sich viele der Alben bereits in dieser oder jener Form im Regal befinden, denn mit der wegweisenden Übernahme der traditionsreichen Columbia Records durch die Sony im Jahr 1988 begann auch eine heute anhaltende vielfältige Auswertung des Back-Katalogs, ist diese Zusammenstellung dann doch einmalig. Anlass für die opulente Veröffentlichung war das 50-jährige Jubiläum der ersten Produktion eines Werkes unter der Leitung von

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