
Deutlich gefälliger sind die beiden hier eingespielten Konzerte für Violoncello des legendären Bernhard Romberg (1767–1841). Mit seinem Instrument reiste er nach Paris, Wien, St. Petersburg und Spanien, um schließlich in Hamburg sesshaft zu werden. Noch heute gehört sein Schulwerk zu den instrumentalpädagogischen Standards, seine Werke müssen hingegen erst wiederentdeckt werden. Dazu tragen Raphael Wallfisch und die London Mozart Players bei – in einem betont schlanken und kammermusikalischen Duktus, der viel Raum für lyrische, technisch virtuose Darbietungen lässt. Ein Konzert in «Moll» ist bei Romberg allerdings keine Seltenheit (drei der zehn Cellokonzerte stehen in solche einer Tonart), und der Beiname Concerto militare (Nr. 6) ist wohl eher dem Zeitgeist und der gelegentlich aufscheinenden Großen Trommel geschuldet. Dass der meist sehr hoch liegende Solopart wirklich fordert, ist dem souveränen Spiel von Raphael Wallfisch gelegentlich anzumerken. Romberg muss Zeit seines Lebens über diesen Dingen gestanden haben, wie ein Zeitgenosse 1822 bemerkte: «Ich hörte Bernhard Romberg und sah an ihm den ersten Virtuosen, welcher ohne Notenpart die Concerte auswendig vortrug. Er pflegte seine Augen nie auf das Cello, sondern aufwärts oder mit freundlich lächelnder Miene gegen das Publicum zu richten, und nicht, wie Manche so tief vorgebeugt arbeiten, dass man in Angst geräth, sie purzeln vom Stuhle herab, um ihr Instrument auf den Boden noch zu umarmen.»
Bernhard Romberg. Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 4 e-Moll op. 7; Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 6 op. 31; Rondo capriccioso F-Dur op. 69 für Violoncello und Streichquartett
Raphael Wallfisch (Violoncello und Leitung), London Mozart Players
cpo 555 356-2 (2020)
