
Die Welt der repetitiven Musik ist vielleicht doch unerschöpflicher, als es deren präsenten Hauptvertreter wie Phil Glass und Steve Reich erwarten lassen. Es gibt jenseits davon noch viel zu knuspern. So auch bei Kaspar Agnas, einem schwedischen Musiker und Komponisten. Dieser versammelt auf dem Album «Stockholm 2029-2023» Kompositionen aus dem erwähnten Zeitraum.
Die hier dargebotenen Werke arbeiten in kammermusikalischen Besetzungen, die jeweils zu sehr kompakten und seltenen Klangwirkungen beitragen. Nehmen wir mal die Trompeten in «Springs» aus dem Jahr 2019. Sie spielen im Wechsel, der nach einer ersten Phrase, etwas verzögert mikrokanonisch weitergeführt wird – Schluckaufeffekt. Dann wieder eine ruhige Phase, in dem intervallbesprunge Zweitönigkeit erzeugt wird. Die Musik ist immer wieder dabei sich selbst zu verfolgen.
In «Agogics I» aus dem Jahr 2021 für Gitarre, zwei Violinen und Klavier, werden mehrere nebeneinanderher rollende Repetitionsprozesse virtuos übereinandergelagert. Das ist eveident nachhörbar und zugleich undurchschaubar. Es macht Vergnügen, sich darin nachhörend herumpurzeln zu lassen. Anders «Nostalgi I-IX» für zwei Gitarren und Cello, das einfach Miniphrasen – anfangs aus nur zwei Klängen, später mehr – in verschiedenen Zeitkonstellationen aneinandergefügt: Das Gleiche ist immer eben doch anders. Das wirkt vielleicht hin und wieder wie eine versonnene, in sich kreisende Übung. Überhaupt dreht sich in den Kompositionen von Agnas vieles um die Geschwindigkeit, um positive und negative Beschleunigungsprozesse, parallel und sequentiell.
Agnas schafft damit ein interessantes Phänomen: eine eigene Kompositionssprache, die gleichwohl viele Dialekte kennt. Schön.
Kaspar Agnas: Stockholm 2019-2023 [2026]
- Kasper Agnas composer, guitar
- Mandus Almqvist guitar
- Sabina Agnas guitar
- Johan Graden piano
- Max Agnas piano
- Alva Press violin
- Josefin Runsteen violin
- Urban Agnas trumpet
- Joakim Agnas trumpet
- Linnea Talp cello
- Stina Agnas vocals
- Nils Agnas drums
Haphazard Music HAP2614 (VÖ CD: 24.04.2026)

