17. April 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Tristan und Isolde – Solistenensemble D’Accord

Tristan und Isolde – Solistenensemble D’Accord
Tristan und Isolde – Solistenensemble D’Accord
Wagner ohne Worte. Diese Idee wurde bereits in mehreren Arrangements beim Ring umgesetzt. Dort sind es die sinfonischen Höhepunkte, die die vier langen Abende auf eine Stunde schrumpfen lassen. Das vorliegende Album setzt den Effekten eine Paraphrase über Tristan und Isolde entgegen – intim und kammermusikalisch. Gleichzeitig wird deutlich: Wenn Partituren gut arrangiert sind, tragen sie auch rein instrumental. Das Wehen und Weben der unendlichen Melodien erscheint darin sogar noch konzentrierter und klarer in der Struktur. Und noch eines wird bei dieser Paraphrase deutlich: Wie nah Schönbergs Verklärte Nacht Wagners Ausdruck und musikalischem Satz wirklich steht.

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Martina Trumpp (bitte immer mit doppeltem «p») ist dabei eine Bearbeitung gelungen, die die Besetzung des Ensembles umfassend spiegelt: ein Streichsextett in Standardbesetzung (2-2-2) mit hingefügtem Kontrabass, das den musikalischen Satz gleichsam «objektiviert» und von farblichen Effekten befreit. Das Solistenensemble D’Accord wird seinem Namen dabei in doppelter Weise gerecht. Man spürt die individuelle Souveränität der jungen Stimmführer und Solisten und zugleich die Geschlossenheit im gemeinsamen Spiel. Eine ausgezeichnete interpretatorische Leistung, räumlich in angenehmer Entfernung disponiert und akustisch warm eingefangen. Ob nun Tannhäuser und Lohengrin folgen werden?

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Richard Wagner. Tristan und Isolde. Paraphrase für Streichseptett (arr. Martina Trumpp)
Solistenensemble D’Accord

Coviello Classics COV 92311 (2023)

HörBar #185 – Arrangement & Co.

New Mozart Vol. 2 – Reinhard Goebel Song Transcriptions – Rudolf Buchbinder

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 2 of 3 in the series HörBar #185 – Arrangement & Co.

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