Es ist der warme Klang, der sich wundervoll mit den anderen Instrumenten vermischt, der für diese im Kern recht unspektakuläre Musik einsteht. Wer Gyrowetz jedoch den großen «Klassikern» (Haydn, Mozart) zuordnen will, hat es nicht einfach, was eben auch für die mangelnde Komplexität der Frage steht. Denn Gyrowetz liegt auch stilistisch (wie ohnehin chronologisch) hinter dem Wiener Meister aus Salzburg, ohne auch nur ansatzweise an Haydns brillante Einfachheit heranzukommen. Wer anderes von ihm gehört hat, wird verstehen, dass es sich hierbei um Gelegenheitswerke im besten Sinne handelt. Die Besetzung war gefragt, und so wurde sie produziert. Ein wenig stört mich bei dieser Produktion die räumliche Akustik des Kirchraums. Die Einspielung steht jedoch in puncto Intonation, Artikulation und Interpretation auf hohem und höchstem Niveau.
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.