10. März 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Heid – Funkstille

Heid – Funkstille
Heid – Funkstille

Es ist auch bei dieser Veröffentlichung des Labels Impakt Records wieder so schwer wie einfach zu beschreiben, was dieses Ensemble um den Pianisten Darius Heid macht, beziehungsweise nicht macht. Am einfachsten wäre es, zu sagen, es handelt sich insbesondere bei CD 1 mit dem Titel «Dust, Presence, Scatter, Bloom» um knapp 41 Minuten Stille. Um eine Stille, die mal mehr, mal weniger deutlich durch Klangereignisse unterbrochen wird. Wobei, wenn man es genau nimmt, unterbrochen schon viel zu pejorativ gedacht ist: Als ob man das macht, um etwas zu unterbrechen. Man kann es auch von der anderen Seite angehen, wie es Ulrich Steinmetzger im ersten Satz des Booklets so lapidar und zutreffend formuliert: «Musik ist das Verteilen hoher und tiefer Töne in der Zeit.»

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Dass es sich hierbei überhaupt um Musik handelt, ist ja auch gar nicht so voraussetzungslos zu sagen. Es handelt sich ja um Menschen, die bestimmte Hilfsmittel verwenden (Musikinstrumente nämlich), um diesen Zustand zu erzeugen, den wir schlicht «Musik» nennen – von dem wir glauben, dass er bewusst erzeugt wird. Die Musik fällt nicht einfach vom Himmel oder aus dem Nichts. Auch wenn sie sich von diesem Nichts zu ernähren scheint.

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«Musik ist das Verteilen hoher und tiefer Töne in der Zeit.»

Ulrich Steinmetzger

Ebenso lapidar wie zutreffend dann der zweite Satz aus dem Booklet, in dem Darius Heid zitiert wird: «Hören ist Spielen, Spielen ist Hören», womit er zugleich ein weiteres Merkmal dieser seltsamen Musik artikuliert, dass es sich nämlich um ein «Spielen» handelt. Ein Handeln mit akustisch wirksamen Materialien in der Zeit, das durch die spielende Interaktion sich selbst am Laufen, das meint, in der Zeit sich bewegend, hält.

Interessant finde ich, dass bei den kürzeren Stücken der CD2 trotz schmaleren Zeitrahmens, die Dinge leerer und fließender wirken. Meisterhaft scharf, anschmiegsam die Ergebnisse in «Reciprocity», wo die Klänge teilweise ungewöhnlich schneidend wirken und man die Stille hinter den Tönen gleichsam mithört.


Darius Heid – Funkstille [2025]

CD 1:

  • Darius Heid – Piano
  • Emily Wittbrodt – Cello
  • Stefan Schönegg – Doublebass
  • Moritz Koch – Percussion

CD 2:

  • Darius Heid – Piano
  • Emily Wittbrodt – Cello
  • Jonas Gerigk – Doublebass
  • Moritz Koch – Percussion
  • Alfredo Ardia – Electronics

Impakt Records 040 (VÖ 26.11.2025)

Autor

  • Martin Hufner. Foto: Kurt Hufner

    Martin Hufner ist Musikjournalist, Musikwissenschaftler, Blogger. Er betreut nebenbei die Online-Redaktion der neuen musikzeitung.

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hoerbar_nmz

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