15. Juni 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Jens Joneleit: Planet Edge

Jens Joneleit: Planet Edge
Jens Joneleit: Planet Edge

Ich muss zugeben, ich habe mich schwer wie selten getan, über diese Scheibe des genreüberschreitenden und -greifenden Musikers und Komponisten Jens Joneleit (und bildenden Künstlers), wenn schon nicht die richtigen, so überhaupt Worte zu finden. Joneleit bewegt sich rein klangstilistisch im Feld des progressiven Jazz der 70er Jahre ­ von ihrer elektronischen Seite her gesehen – ­ wie ein später kammermusikalischer Nachhall der Produkte von Miles Davis und Herbie Hancock zum Beispiel. Eine rhythmische Grundierung steht da im Vordergrund, setzt sich unter und vor etwaige Soli von Gitarre, Trompete oder Saxophone. «DNA» breitet das in aller Klarheit aus: Das ganze liegt in einem Gemisch aus einer viertönigen Repetitionsfigur im Bass und einer Klangfiltervirtuosität im Schlagbereich. «RNA» ist dem ganz ähnlich, filtertechnisch und im solistischen Gestus, nur wird es mit wiederholt aber selten einschlagenden Akkordformationen des Synthies zergliedert. «BLM» deutet eine politische Botschaft mit an.

Grundgestus der Platte ist ein Dauerflow fast psychedelischer Art, was bitte erklärt, warum ich die Platte zwar immer wieder gerne angespielt habe, aber laufend in den Gedanken abgedriftet bin. Das permanente Gefühl in einem alchemistischen Labor sich zu befinden, in dem es durchgehend blubbert und seltsame akustische Gerüche aufsteigen (also dieses typische Muppet-Labor von Dr. Bunsen-Honeydew bei dem der ballköpfige master of ceremony mit Brille bunte Flüssigkeiten eher nach ästhetischem Gefühl, denn nach exaktem Versuchsaufbau mischt), lässt einen – also hier eher mich – nicht los. Das Ergebnis: Für die einen Gold, für die anderen ist es Jazz-Por-Zell-An-Bruch etc. Und Beaker so: «mimimi»

Hier gilt daher im besonderen Maße: Selber hören, also, Versuch macht kluch!


Jens Joneleit: Planet Edge [2023]

  • Ali Neander: electric guitar
  • Tom Schüler: trumpet & flugelhorn
  • Matthias Dörsam: tenor saxophone
  • Jens Joneleit: keys, bass and drums, sound programming, sampling

yatak records

hoerbar_nmz

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