28. Mai 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Armas Järnefelt Edition

Armas Järnefelt Edition
Armas Järnefelt Edition
Eine richtige Rarität, und dies in gleich doppelter Hinsicht. Zunächst ist Armas Järnefelt (1869–1958) hierzulande wohl nur den allerwenigsten überhaupt dem Namen nach als Dirigent, Pianist oder gar Komponist bekannt – dabei studierte er u. a. in Berlin, wirkte in seiner frühen Karriere in Magdeburg und Düsseldorf, später führte er in Finnland als erster die Opern Richard Wagners auf. Als Schwager von Sibelius ist er dennoch in der biographischen Literatur präsent; ein Bruder wurde Schriftsteller, ein anderer Maler. Dass Armas Järnefelt sich bereits früh und auch recht umfänglich dem Medium des Grammophons zugewandt hat, ist allerdings keine Überraschung: Viele Künstler haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Spielen, Singen und Dirigieren für die Reproduktionsindustrie als lukrativen Nebenverdienst mitgenommen.

Heute sind diese vielfach beiläufigen Produktionen wichtige Dokumente – zum einen für längst aus der Mode gekommene Lieder und Instrumentalnummern, zum anderen einer Aufführungskultur, in der letztlich doch vieles ganz anders klingt. Selbst wenn das Orchester der Berliner Staatsoper ein paar Stücke aus den instrumentierten Frösöblomster von Wilhelm Peterson-Berger spielt, dann entsteht unter der Leitung von Armas Järnefelt eine ganz eigentümlich berührende Atmosphäre und eine zugleich ernste und gefällige Interpretation, die nicht Geheimes deutet, sondern geradezu Bilder und Düfte entstehen lässt. Vieles verblüfft, wie etwa das atemberaubende Tempo bei dem ganz unpathetischen Finlandia (Berlin, 1928, in einer gekürzten Fassung) oder überhaupt die Einspielung des Sibelius-Violinkonzerts mit Anja Ignatius aus Berlin im Januar 1943… – Kuratiert wurde die 10 CDs umfassende Box von Carl-Gunnar Åhlén (*1938), ein Urgestein im schwedischen Musikleben. Was an Einspielungen (auch unpubliziert gebliebenen Probeaufnahmen) von ihm zusammengetragen und inhaltlich aufgearbeitet wurde, bringt einen der großartigen finnisch-schwedischen Musikkultur aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts näher. Armas Järnefelt erscheint dabei als Klavierbegleiter, als Dirigent, aber auch als Komponist, so dass die Edition in ihrer Breite einen Eindruck von seinem künstlerischen Wirken vermittelt. – Die Box ist hierzulande leider nicht durch die üblichen Kanäle zu beziehen und auch im Streaming nicht präsent. Idealerweise wendet man sich direkt an das Label, das in Finnland zugleich ein alteingesessener Fachhandel ist: Fuga Oy | Mannerheimintie 13a B | FIN-00100 Helsinki | fuga@fuga.fi

Armas Järnefelt Edition. All preserved recordings 1904–1950
Werke u. a. von Armas Järnefelt, Jean Sibelius, Edvard Grieg, Johan Svendsen, Ole Bull, Christian Sinding, Johan Halvorsen, Selim Palmgren, Robert Kajanus, Otto Lindblad, August Söderman, Tor Aulin, Wilhelm Peterson-Berger, Ture Rangström, Kurt Atterberg, Hugo Alfvén, Robert Schumann, Richard Wagner
Maikki Järnefelt-Palmgren (Mezzo), John Forsell (Bariton), Liva Edström-Järnefelt (Mezzo), Einar Larsson (Bariton), Greta Söderman (Sopran), David Stockmann (Tenor), Joel Berglund (Bassbariton), Hjördis Schymberg (Sopran), Gösta Bäckelin (Tenor), Anna Tibell-Heger (Mezzo), Claes Göran Stenhammar (Bariton), Ernst Törnquist (Violine), Gunnar Norby (Violoncello), Aulikki Rautavaara (Sopran), Irja Aholainen (Sopran), Oiva Soini (Bariton), Väino Hannikainen (Kantele), Paavo Raussi (Orgel), Anja Ignatius (Violine), Annie Fischer (Klavier), Radio Chorus Stockholm, Ylioppilaskunnan Laulajat, Suomen Laulu, Royal Swedish Orchestra, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Orchesters der Berliner Staatsoper, Helsinki Philharmonic Orchestra, Finnish Radio Symphony Orchestra, Armas Järnefelt

FUGA-9391 (1904–1950)

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