3. Dezember 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Christopher Tyler Nickel: Symphony No. 2

Teil [0] von 5 in Michael Kubes HörBar #037 – Klanggestalten
Christopher Tyler Nickel: Symphony No. 2
Christopher Tyler Nickel: Symphony No. 2

Vermutlich wird der eine oder andere Enthusiast für Film und Game Music den Namen von Christopher (Tyler) Nickel (geb. 1978) kennen. Doch auch mit seiner Konzertmusik hat er (so die eher wortreich anpreisende als resümierende Biographie im Booklet) in der «Neuen Welt» Tausende andere erreicht; auf CD oder in realen Konzertprogrammen ist sein Name indes kaum zu finden. Umso mehr muss sich die Partitur selbst beweisen, wie hier im Fall der 2. Sinfonie.

Entstanden 2016 und im Vorfeld der vorliegenden Einspielung 2018 nochmals umfassend revidiert, handelt es sich um ein Werk, dessen Material und Verlauf hörbar auf nur wenige motivische Konstellationen zurückgeht und diese abschnittsweise in immer wieder anderen Klangmodellen neu formt und verarbeitet. So weit, so gut – zumal Nickel offenbar die mit einer Sinfonie verbundene ästhetische Herausforderung und Bedeutung hinreichend reflektiert hat: «Ich glaube, dass die Sinfonie eine der höchsten künstlerischen Ausdrucksformen in der Musik ist, ja vielleicht sogar eine der überhaupt höchsten künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Sie fordert auf allen Ebenen so viel vom Komponisten […] und zwingt einen dazu, sich innerhalb der eigenen musikalischen Sprache in einem größeren Zusammenhang zu fokussieren und kontrollieren.»

Doch ist Nickel mit seinem Werk diesem Anspruch wirklich gerecht geworden? Reicht es aus, die Dichte einer Komposition allein an den engen Ableitungen zu messen? Ist es im fortschreitenden 21. Jahrhundert noch opportun, nach 53 epischen Minuten wieder auf den Beginn zurückzufallen, zumal wenn sich dieser wie in einem Annex in eine (freilich dunkle) Apotheose steigert? Und was ist von einer Sprache zu halten, die sich mehr oder weniger deutlich aus Allusionen speist – von Allan Petterssons 7. Sinfonie (Posaunen!) bis hin zu Sergei Rachmaninows Toteninsel (5/8-Takt)? Allzu früh erschöpft sich das Potential kreisender Ostinati und pendelnder Terzen in bloßer Wiederholung, der Bleistift gleicht einer angezogenen Handbremse. Nicht erst am Ende möchte man zurufen: Einfach mal laufen lassen!


Christopher Tyler Nickel. Symphony No. 2 (2016/18)
Northwest Sinfonia, Clyde Mitchell

AVIE AV 2456 (2018)

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