22. April 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Beethoven 9 / Liszt

Beethoven 9 / Liszt
Beethoven 9 / Liszt

Würde die «Hörbar» Sterne vergeben – diese Einspielung hätte alle erreichbaren verdient. Denn hier passt einfach alles: von der Interpretation und den verwendeten Instrumenten über die Akustik bis hin zur Präsentation der CD mit einem Booklet, das mit einem Interview über die Hintergründe der Produktion aufklärt, über die Schwierigkeiten der Einstudierung, die Umsetzung der Einspielung bis hin zu den physischen Kräften, die ein solches Projekt fordert. So viel Transparenz ist selten, und sie liest sich fraglos sympathisch.

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Transparent ist aber auch die Aufnahme, die im Berliner Teldex-Studio entstand. Die beiden verwendeten Bechstein-Flügel bringen eine beglückende Wärme und Fülle mit, die Akustik eine sehr angenehme, gleichsam mitschwingende Räumlichkeit, die die ineinander gestellten Instrumente als einen Klangkörper erscheinen lässt und doch stereophon differenziert. Wie geschickt Cédric Pescia und Philippe Cassard mit den Farben der Flügel spielen, zeigt sich nicht zuletzt im Finale, das in dieser Einspielung frei von aller Problematik scheint: Geradezu sprechend werden die Partien von Solo und Chor gestaltet, vom Ton der «instrumentalen» Begleitung in der fast gesprochenen Artikulation klar abgesetzt. Hinzu kommt eine spieltechnische Präzision, die nichts von den gestellten Anforderungen spüren lässt – sowohl im rauschenden Scherzo wie im Cantabile des Adagios. Das Aushören aller Noten und jeder Binnenbewegung (der Vorteil einer über ein Jahr hinweg gewachsenen Interpretation) eröffnet so einen neuartigen Blick auf eine allzu vertraute Partitur, bei der sonst das Orchester ganz andere Akzente setzt und überwältigt. Liszts Idee einer «Partition de Piano» wird hier in einer Weise umgesetzt, die Maßstäbe setzt.


Ludwig van Beethoven. Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125, arrangiert für Klavier zu vier Händen von Franz Liszt
Cédric Pescia, Philippe Cassard (Klavier)

La dolce volta LDV 82 (2020)

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