28. Juni 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Gil Evans Orchestra 1986 live in der Fabrik Hamburg

Gil Evans Orchestra 1986 live in der Fabrik Hamburg

Mit viel Spannung und Tamtam, samt medialen Brimboriums, wurde diese neue CD-Reihe mit Musik aus der Hamburger „Fabrik“ erwartet. Große Namen des Jazz sollten sich die Hand reichen. Man grub da aus, was fast als Sensation zu Ehren hat kommen sollen. In der ersten Veröffentlichung spielte das Gil Evans Orchestra über mehrere Stunden, und hier zwei CDs lang, ein Programm mit Hendrix-Schwerpunkt auf. Die Hamburger Fabrik ist eine Institution wie es auch der NDR in der Ägide unter Michael Naura als Leiter der Jazzredaktion dies war. Zur Not hat man

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Zurich Jazz Orchestra & Steffen Schorn: to my beloved ones

Zurich Jazz Orchestra & Steffen Schorn: to my beloved ones

Auch die traditionelle BigBand ist nicht erneuerungsresistent und die Marke Jazz Orchestra drückt das sehr gut aus. Das gilt insbesondere auch für das Zurich Jazz Orchestra unter der residenten Leitungsgastarbeit von Steffen Schorn und das mit ihm Sprünge arrangiert , die Laune und Lust verbreiten. Hinter Titeln wie „Die Tochter des Tyrannen“ kochen die ein Süppchen orientalischer Klangpampe, heftig gewürzt und reich an musikalischem Protein. Nachhaltig mit akustischem Koffein versetzt, bleibt da kein Tanzfuß im Nassen, kein Ohr auf dem Trockenen. Nicht weniger glücklich wird man mit den anderen Tracks.

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Initiative H: Polar Star

Initiative H: Polar Star

Diese großen Ensembles, die größer wirken als „large“ und aber kleiner als „Big Bands“ sind und die in der romanischen Kultur beheimatet sind, finden einen ganz seltsamen eigenen Ton. Die Klangkulturen, ob bei Eve Risser, bei Art Zoyd, oder hier eben bei Initiative H, schmelzen insbesondere auch die populärmusikalischen Tonkulturen aus Rock und Pop jenseits des Jazz mit ein, so dass die Sache mit dem „Jazz“ zur schönsten Nebensache wird, die gleichwohl im Zentrum steht. Das liegt an der ausgiebigen Freude an repetitiven Mustern, denen man immer wieder im Aufbau

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Louis Matute Large Ensemble – Our Folklore

Louis Matute Large Ensemble – Our Folklore

Das ist so richtig vollkommene Musik, die mit einer Selbstverständlichkeit im Ausdruck auftritt, die keinen Widerspruch duldet, sondern eine Einladung ist, dabei zu sein beim Ausrollen von Rhythmen, Harmonien und Farben. Im Ensemble des Gitarristen Louis Matute finden sich viele musikalische Sprachkulturen zusammen, ohne dabei zu grauem Tonbrei zu versuppen. Nix ist hier grau, es ist bunt, manchmal etwas verschleiert dabei und gebrochen pastellig. „Our Folklore“ heißt dieses Album, man möchte es sowohl ironisch verstehen wie zugleich als Versprechen, die ästhetische Latte nicht zu hoch zu hängen, aber zu probieren,

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Hard Boiled Wonderland | Music Resistance

Hard Boiled Wonderland | Music Resistance

Eine weitere Wohltat und zugleich ein großer Wurf ist dieser Live-Mitschnitt eines Konzertes vom 15. Februar 2020 im Stadtgarten Köln – also kurz vor der durchdringenden gewaltigen und globalen Ruption durch die Corona-Pandemie. Logischerweise spielt die hier dann auch nicht hinein. Aber Engagement ist hier im Übermaß vorhanden, musikalisches wie auch gesellschaftliches, politisches. Das zeigt sich sofort in der Aufmachung nämlich als 104 Seiten starkes Textbuch mit CD. Ausgangspunkt für dieses Projekt sei ein Satz des Bürgermeisters von Spremberg zum gewaltsamen Tod des algerischen Asylbewerbers Farid Guendoul gewesen: „Was hat

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Richardson: Afrofuturism

Richardson: Afrofuturism

Bescheidenheit sieht anders aus: „Frank Zappa, Queen, Brian Wilson and Radiohead meets Schoenberg in a sci-fi 80s lounge“. So, so! Man könnte auch sagen, warum nicht mal einen musikalischen Thermomix experimentell nutzen, statt mit vorgeschriebenen Rezepten und warum die Zutaten eigentlich abmessen. Alles geht, alles muss rein. Nachher klingt es halt, wie es schmeckt. Dieser Mut wird leider ästhetisch nicht belohnt, sondern bleibt auch musikalisch reine Matschepampe. Mit dem Hype-Wording „Afrofuturism“ springt man zwar auf den Zug einer Jazzmodischkeit auf, aber am Ende klingt es hier doch wie nur schlechtbezahlte

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