4. Januar 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Tranquillo – Sacred Christmas

Tranquillo – Sacred Christmas

Es ist wohl dem messbaren Erfolg der vorhergehenden Produktionen sowie dem Repertoire für Festtage zu verdanken, dass dieses Album physisch erhältlich ist und sich nicht nur im Nirwana des digitalen Raums verbreitet. An sich wäre dieser Tage daran nichs auszusetzen. Wer sich jedoch auf eine reale CD mit 31 (!) Minuten Spielzeit einlässt, fühlt sich ein wenig auf den Arm genommen. Dann doch eher mit dem Shuffle im Streaming – und man wird selig unter dem Baum zur Ruhe kommen. Oder auch nicht. Denn so meditativ die Arrangements auch wirken,

This entry is part 4 of 5 in the series HörBar #174 – Weihnachten
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Pierre Boulez. The Complete Columbia Album Collection

Pierre Boulez. The Complete Columbia Album Collection

Bereits 2017 in den Handel gekommen (und aktuell noch immer verfügbar), mutet diese 67 CDs umfassende Box der (nahezu vollständigen) frühen Einspielungen wie ein ungeschliffenes Juwel an. Auch wenn sich viele der Alben bereits in dieser oder jener Form im Regal befinden, denn mit der wegweisenden Übernahme der traditionsreichen Columbia Records durch die Sony im Jahr 1988 begann auch eine heute anhaltende vielfältige Auswertung des Back-Katalogs, ist diese Zusammenstellung dann doch einmalig. Anlass für die opulente Veröffentlichung war das 50-jährige Jubiläum der ersten Produktion eines Werkes unter der Leitung von

This entry is part 1 of 5 in the series HörBar #173 – Boulez 100
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Zürcher Sing-Akademie – Fritz Stüssi

Zürcher Sing-Akademie – Fritz Stüssi

Eine wahre Ausgrabung und Entdeckung! Und es stehen vermutlich noch viele weitere wunderbare Werke zur Wiederbelebung in Aussicht. Dass man bisher nichts von dem Schweizer Fritz Stüssi (1874–1923) hörte, lag an dem in Privatbesitz befindlichen, reichen kompositorischen Nachlass, von dem kaum etwas aus älterer Zeit gedruckt vorlag. Der Nachlass befindet sich seit 1997 in der Zentralbibliothek Zürich und tritt erst jetzt, nach dem 100. Todestag, auch klingend wieder in Erscheinung. Stilistisch fällt es freilich schwer, Stüssi einzuordnen. Melodisch und gestisch knüpft er unbedingt bei Mendelssohn an, es finden sich aber

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Robert Schumann

Robert Schumann

Die von Clara Schumann bei der Erstausgabe des Requiem op. 148 hinzugefügte Opuszahl gibt fälschlicherweise vor, es würde sich um eine «letzte» Komposition handeln. In der wirklichen Entstehungsgeschichte steht es hingegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu der im März 1852 abgeschlossenen Missa Sacra, die bei ihrer posthumen Drucklegung mit «147» eine nicht minder hohe Zahl erhielt. Beide Partituren bezeugen Schumanns nachhaltiges Interesse an Kirchenmusik, deren repräsentative Aufführung ihm als Musikdirektor in Düsseldorf übrigens auch oblag («vier Messen und zwei Aufführungen in der Kirche in der Charwoche»). Beide Werke haben es anhaltend

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Víkingur Ólafsson – from afar

Víkingur Ólafsson – from afar

Die Herausforderung bei heutigen Alben liegt vor allem in der Auswahl der eingespielten Werke. Bei der noch immer auf Tradition setzenden Deutsche Grammophon ist das ganz augenscheinlich. Da prangte auf dem Cover einst das alte goldgelbe Label mit Angaben zu Komponist, Werk und Interpreten. Dann wurde es zu einem Plakat für fett gedruckte Ware, aktuell verschwindet es vielfach in einer der vier Ecken. Mitunter fällt es abe auch schwer, die Fläche mit relevanten Meta-Daten (die im 20. Jahrhundert noch nicht so bezeichnet wurden) zu füllen – wie bei from afar

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #166 – Am Klavier
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Paul Lewis – Johannes Brahms

Paul Lewis – Johannes Brahms

«Über die Titel bin ich mir eigentlich gar nicht im klaren», schrieb Johannes Brahms seinem Verleger über die letzten seiner Klavierwerke. So findet man unter den Fantasien op. 116 erstaunlicherweise eine Folge von Capriccios und Intermezzi, unter den Stücken op. 118 je eine Ballade und Romanze sowie weitere Intermezzi, unter den Stücken op. 119 sind es neben einer Rhapsodie nochmals drei Intermezzi. Das Opus 117 versammelt allein drei Intermezzi. So viele «Zwischenspiele» gab es im 19. Jahrhundert am Klavier wohl nur selten. Und es wird noch komplizierter, denn die Anordnung

This entry is part 4 of 5 in the series HörBar #166 – Am Klavier
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Leif Ove Andsnes – Antonín Dvořák

Leif Ove Andsnes – Antonín Dvořák

Dvořák auf dem Klavier? Tatsächlich ist dieser Teil seines Œuvres nahezu unbekannt (wie übrigens auch viele seiner anderen Werke). Auch wenn Dvořák nach Auskunft seines Schwiegersohns Josef Suk kein virtuoser Pianist war, so trat er doch gelegentlich mit Kammermusik öffentlich auf. Sein Schaffen für Klavier aber hat es kaum auf die Pulte geschafft – und auch dieses Album mit den Poetischen Stimmungsbildern op. 85 verdankt sich nur den stillen Monaten der Corona-Zeit, in denen Leif Ove Andsnes die Zeit hatte, sich intensiv mit den 13 Stücken auseinanderzusetzen. Und da ist

This entry is part 3 of 5 in the series HörBar #166 – Am Klavier
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Krystian Zimerman – Karol Szymanowski

Krystian Zimerman – Karol Szymanowski

Viele Instrumentalisten lassen sich mit ihrem Instrument ablichten – und diese Portraits gleichen damit ein wenig den Heiligen-Darstellungen aus dem Mittelalter, denen (zur besseren Identifikation) immer ein wiedererkennbares Attribut beigegeben wurde. In der Musikwelt ist es ähnlich: Klavier, Violoncello, Harfe oder Taktstock grenzen ein und spezifizieren zugleich. Und so widmet sich die HörBar in dieser Woche einmal fünf Pianisten „am Klavier“ mit jeweils charakteristischen Programmen. Den Anfang macht Krystian Zimerman mit Musik von Karol Szymanowski (1882–1937), dessen Préludes, Mazurken etc. eher selten auf den Pulten aufliegen. Obwohl sie deutlich in

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Édouard Lalo – Dmitry Smirnov

Édouard Lalo – Dmitry Smirnov

Ein wunderschöner Titel ziert das Album, denn wer möchte nicht auf Reisen gehen oder dazu eingeladen werden? Ob es dann aber wirklich in einem der kleinen Fischerboote sein muss, die sich eher für einen Ausflug in den Sonnenuntergang eignen? Angespielt wird mit dem Motto jedenfalls nur auf den eröffnenden Gesang von Henri Duparc (1848–1933), der hier (wie auch einige weitere kleine Stücke) für Violine und Orchester arrangiert wurde. Allerdings finden sich im Booklet zur weiteren poetischen Durchbringung lediglich Charles Baudelaires Verse (und diese nur im französischen Original). Schade. Im Zentrum

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #165 – Schiffe
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Frank Bungarten

Frank Bungarten

Im «klassischen» Konzertleben ist die Gitarre nur selten anzutreffen. Mit ihrem intimen Ton ist sie ein Instrument der kleinen Räume, wenn nicht gar des Salons – sofern man es mit der großen Literatur des 19. Jahrhunderts ernst meint. Dann stößt man sofort auf den Namen von Fernando Sor (1778–1839), der mit einfachen Stücken und bissiger Ironie die Bedürfnisse anspruchsloser Zeitgenossen befriedigte, mit seinen großformatigen Kompositionen aber sowohl technisch wie auch formal die Grenzen sprengte. Der Lebensweg führte ihn von Barcelona über Paris und London nach Moskau, dann über Berlin wieder

This entry is part 1 of 4 in the series HörBar #161 – Gitarre(n)
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forgotten Instrument

forgotten Instrument

Fast alle Instrumente, die heute weltweit verbreitet sind, haben eine lange Tradition und eine weitgehend standardisierte Form. Dennoch wurden und werden immer wieder neue Instrumente erfunden, so auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Wien. Hier kam es zu einer interessanten Neuentwicklung, dem Arpeggione, der zweifellos auch die Zeit des Biedermeier widerspiegelt. Bei diesem 1823 vorgestellten Instrument handelt es sich um eine Mischung aus Gitarre und Violoncello, also um eine Streich- oder Bogengitarre, die aber auch als Guitarrenvioloncello bezeichnet wurde. Konstruiert wurde das in nur einem Exemplar erhaltene Instrument von

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #160 – forgotten music
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forgotten sounds

forgotten sounds

In diesem Fall ist der Titel des Albums nicht das Ergebnis einer kreativen Eingebung oder eines Zufalls, sondern er nimmt (in Übersetzung) den Namen einer Komposition von Charles Martin Loeffler (1861–1935) auf: Timbres oubliés. Ursprünglich für Singstimme und Harfe komponiert, erklingt das Stück hier «ohne Worte» und dennoch sehr beredt auf der Klarinette. Es handelt sich allerdings eher um eine Zugabe, wie auch Debussys bekanntes Prélude, das hier die Funktion einer Introduktion übernimmt. Dennoch liegt die Spielzeit des Albums mit 45 Minuten deutlich unter dem Durchschnitt. Im Zentrum steht Loefflers

This entry is part 4 of 5 in the series HörBar #160 – forgotten music
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