3. April 2025 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Orchesterwerke / Henry Raudales

Orchesterwerke / Henry Raudales

Wunderbar «nordisch» klingt die Sinfonie Nr. 2 c-Moll op. 134 (1875) von Carl Reinecke, der einst im schleswig-holsteinischen Altona geboren wurde. Die Partitur steht (leicht verspätet) in bester Leipziger Tradition – man denke vor allem an Niels W. Gade und dessen Sinfonie c-Moll op. 5. Mit dem Beinamen «Håkan Jarl» gibt ausgerechnet der konservative Reinecke einen Hinweis auf einen literarischen Vorwurf, der hier allerdings kaum mehr als Tonfall und Grundcharakter beschreibt; eine weitergehende programmatische Deutung war Reinecke fremd. Beides sollte sich für den Erfolg des ambitionierten, atmosphärisch dichten Werkes als

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #130 – Reinecke 200
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Undine / Alexis Kossenko

Undine / Alexis Kossenko

Die «Undine»-Sonate ist aus dem romantischen Flötenrepertoire nicht wegzudenken. Vielfach eingespielt, bleibt mir doch nur diese eine Produktion mit Alexis Kossenko im Ohr – seit einigen Jahren auch bei mir. Zwei Gründe sind dafür zu nennen: das verwendete historische Instrumentarium und die damit verbundene Interpretation, die das Werk in geradezu idealer Weise verwirklicht. So spielt Alexis Kossenko eine hölzerne, sehr warm klingende Meyer-Flöte (Hannover, 1855), Vassilis Varvaresos einen dazu perfekt passenden, ausgewogenen Steinway-Flügel (New York, 1855). Mit ihnen lässt sich das geisterhafte Wehen der Sonate auf verblüffende Weise als große,

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #130 – Reinecke 200
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Klavierkonzerte / Simon Callaghan

Klavierkonzerte / Simon Callaghan

Fast genau 30 Jahre ist es her, dass das Label cpo alle vier Klavierkonzerte von Carl Reinecke als Doppelalbum herausbrachte – damals eine Sensation. Heute sieht es für Klavierkonzerte aus dem langen 19. Jahrhundert insgesamt besser aus – nicht zuletzt dank der einzigartigen Reihe The Romatic Piano Concerto (Hyperion), die aus den heimischen Regalen nicht mehr wegzudenken ist. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, warum Reinecke, immerhin einer der bedeutendsten Namen jener Epoche, erst in den Folgen 85 und 87 mit seinen Werken zu Ehren kommt. War es am Ende

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #130 – Reinecke 200
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Cellosonaten / Ana Turkalj

Cellosonaten / Ana Turkalj

Zu Recht werden Carl Reineckes drei Sonaten für Violoncello und Klavier als treffliche Repertoire-Alternativen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehandelt. Obwohl mehr kantabel als virtuos angelegt (die Daumenlage wird weitestgehend ausgespart), fordern die Werke zu einer vollständig durchgearbeiteten und sorgfältig gestalteten Interpretation heraus. Die gewichtige Konkurrenz (in erster Linie Brahms) bleibt unerschütterlich – da gilt es, den Saiten Substantielles zu entlocken. Reinecke jedenfalls gelingt dies auf ganz eigene und charakteristische Weise, so dass die kompositorische Einladung vom Interpreten nur noch angenommen werden muss. Insofern überrascht die Einspielung von

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #130 – Reinecke 200
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für zwei Klaviere / Genova & Dimitrov

für zwei Klaviere / Genova & Dimitrov

Nicht vierhändig, sondern für zwei Klaviere bzw. Flügel sind diese Kompositionen von Carl Reinecke bestimmt, der zu jenen Jubilaren gehört, die in diesem Jahr und auch weiterhin in der zweiten Reihe stehen und stehen werden. Nur wenige Häuser haben auf seinen 200. Geburtstag reagiert – darunter immerhin das Leipziger Gewandhaus, dessen Orchester Reinecke einst über 35 Jahre vorstand, das bis heute gültige Repertoire (mit)prägte und ihn am Ende sehr unfreundlich aus dem Amt drängte. Wichtig hat er sich freilich nicht genommen, laute und spektakuläre Positionen sucht man bei ihm vergebens.

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #130 – Reinecke 200
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Asasello-Quartett / Schwarze Messe

Asasello-Quartett / Schwarze Messe

Noch immer wirkt «Corona» nach. So auch mit diesem Album und einem Programm, mit dem sich das Asasello-Quartett 2020 zu seinem 20-jährigen Bestehen eigentlich selbst beschenken wollte (und dann nicht konnte). Die Aufnahmen bilden nun einen herausragenden Extrakt – ein Bekenntnis zu Komponisten und Werken außerhalb der ausgetretenen Pfade mit Interpretationen, die ohne jeden Vorbehalt als mustergültig bezeichnet werden können: kein Philosophieren, sondern ein markantes, lebendiges, ganz der Partitur verpflichtetes Spiel voller Präzision und Leidenschaft. Die ausgewählten vier Werke haben es in sich: Das Streichquartett Nr. 1 (1915) von Arthur

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #129 – Streichquartette
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The Zilliacus Quartet / Grieg, Maier, Röntgen

The Zilliacus Quartet / Grieg, Maier, Röntgen

Auf diesem Album sind nicht nur drei Streichquartette eingespielt, vielmehr wird mit ihnen eine persönliche Geschichte zwischen drei Komponist:innen aus den letzten Dekaden des 19. Jahrhunderts erzählt. Darin geht es zum einen um den Holländer Julius Röntgen (1855–1932) und die aus Schweden stammende Amanda Maier (1853–1894), zum anderen um Edvard Grieg (1843–1907). Röntgen und Maier lernten sich am Leipziger Konservatorium kennen und heirateten, später verband sie eine enge Freundschaft mit Edvard und Nina Grieg. Und die Werke? Amanda Maier hinterließ bei ihrem viel zu frühen Tod ein unvollständig ausgearbeitetes Streichquartett,

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #129 – Streichquartette
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Quatuor Diotima / Conrado del Campo

Quatuor Diotima / Conrado del Campo

Eine fulminante, fantastische Entdeckung aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es ist bereits das dritte Album einer offenbar im Entstehen begriffenen Gesamteinspielung der Streichquartette von Conrado del Campo (1879–1953) – eines spanischen Komponisten, der nicht nur hierzulande eine Position weit unter dem «Radar» einnimmt. Schon zu Lebzeiten hat er außerhalb seiner Heimat kaum Spuren hinterlassen, obwohl er in Madrid als Professor für Harmonielehre und später Komposition eine ganze Generation unterrichtete, schließlich als Chefdirigent dem Nationalen Radiosinfonieorchester vorstand. Zahlreiche seiner Partituren (u. a. Zarzuelas und Sinfonien) sind ungedruckt geblieben. Von

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #129 – Streichquartette
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Quatuor Akos / Joseph Haydn

Quatuor Akos / Joseph Haydn

Nur 50 Jahre nach dem nebligen «Ereignishorizont» der ersten Streichquartette in der Mitte des 18. Jahrhunderts ist die Gattung um 1800 ästhetisch bereits umfassend nobilitiert. Neben den Haydn gewidmeten und 1785 als Opus 10 gedruckten Quartetten von Wolfgang Amadeus Mozart war es Haydn selbst, der die Gattung ab seinem Opus 33 mit jedem «Sechserpack» weiter vorantrieb. Einen markanten Schritt aus dem Salon in die Öffentlichkeit machte die Gattung mit den 1797 entstandenen und 1799 als op. 76 gedruckten «Erdödy-Quartetten», über die Charles Burney (1726–1814) nach einer Aufführung der ersten drei

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #129 – Streichquartette
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Butter Quartet / Scintilla

Butter Quartet / Scintilla

So beständig sich das Streichquartett als musikalische Gattung seit mehr als 275 Jahren hält, so rätselhaft sind seine Ursprünge, die irgendwo in Italien und im süddeutschen Raum liegen. Zwischen Sinfonia, Sonate und Divertimento ist es auch die kammermusikalische (nicht chorische) Besetzung, die rasch prägend wurde. Die Spurensuche, die schon Ludwig Finscher unternahm, führt in verschiedene Traditionen und Kontexte, aus denen dann wohl zu einem «Zeitpunkt X» das Quartett mit dem ihm eigenen Anspruch hervorging. Sei es bei Haydn oder Boccherini, bei beiden oder bei anderen: Eine «Gründungsurkunde» wurde jedenfalls nicht

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #129 – Streichquartette
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Kreutzer-Sonate / Quatuor Zaïde

Kreutzer-Sonate / Quatuor Zaïde

Ob Ferdinand Ries auch diese Bearbeitung angefertigt hat? Jedenfalls ist das 1832 bei Simrock in Bonn anonym erschienene Arrangement der berühmten Kreutzer-Sonate op. 47 (im Original für Violine und Klavier) bedeutsam und mehr noch: höchst interessant und originell. Das betrifft schon die ungewöhnliche Besetzung mit zwei Violoncelli (im Gegensatz zur Wiener Besetzung mit zwei Bratschen), die bis dahin nur bei Luigi Boccherini und George Onslow zu finden war; Franz Schuberts spätes, heute als Repertoirestück gängiges Streichquintett blieb bis 1853 ungedruckt und weitgehend unbekannt. So einfach es ist, aus einer Partitur

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #128 – Beethoven :: Arranged
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Sinfonie Nr. 3 & Septett / CHAARTS, Huangci

Sinfonie Nr. 3 & Septett / CHAARTS, Huangci

Noch einmal Ferdinand Ries. Seine immer wieder eingespielten Bearbeitungen von Werken Beethovens düfen wegen seiner Nähe zum Meister als gleichsam authentisch gelten, vor allem aber offenbaren sie in höchstem Maße das noch immer unterschätzte Talent des Schülers. In diesem Fall ist es die für Klavierquartett bearbeitete «Eroica», die (zusammen mit dem 1800 entstandenen Septett op. 20) von den CHAARTS Chamber Artists mit Claire Huangci am Klavier erklingt. Eine interessante Kopplung, die allerdings die frühere Komposition für größeres Ensemble in falscher chronologischer Reihenfolge an den Schluss stellt und diese damit leichter

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #128 – Beethoven :: Arranged
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