30. März 2025 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
CPE Bach / Orchestra of the Eighteenth Century

CPE Bach / Orchestra of the Eighteenth Century

Radikal im Tonsatz und Ausdruck. So lassen sich die sechs Streichersinfonien Wq. 182 von Carl Philipp Emanuel Bach charakterisieren, die 1773 in Hamburg entstanden. Bestimmt waren die (je nach Sichtweise) ganz dem Geist der Empfindsamkeit oder des Sturm und Drang stehenden Werke für die von Gottfried van Swieten veranstalteten Sonntagsakademien im Prunksaal der Wiener Hofbibliothek; zugleich zeigen sie, wie Bach dem ausdrücklichen Wunsch des Auftraggebers folgend sich «ganz gehen liess, ohne auf die Schwierigkeiten Rücksicht zu nehmen, die daraus für die Ausübung notwendig entstehen mussten.» Es sind Komposition fast ohne

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #147 – CPE Bach
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CPE Bach / Tom Beghin

CPE Bach / Tom Beghin

Als Carl Philipp Emanuel Bach 1760 in Berlin seine Sonaten «avec des reprises variées» (mit variierten Wiederholungen) veröffentlichte, betrat er damit Neuland – aber nur, indem er exemplarisch ausformulierte, was er von einem geübten und geschulten Clavieristen erwartete. In einer Zeit, in der es noch selbstverständlich war, in den rahmenden Ecksätzen einer Sonate sowohl den ersten Teil (Exposition) als auch den zweiten Teil (Durchführung und Reprise) zu wiederholen, sollten diese Wiederholungen nicht wortwörtlich erfolgen, sondern angereichert werden – eine aufführungspraktische Notwendigkeit, die aber wohl schon von den Zeitgenossen aus Mangel

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #147 – CPE Bach
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CPE Bach / Keith Jarrett

CPE Bach / Keith Jarrett

«I heard the Württemberg Sonatas, recorded by harpsichordists, and I felt there was space left for a piano version.» Aus dem Booklet geht leider nicht hervor, von wann diese Wort datieren. Sicher ist nur, dass Keith Jarrett auf unnachahmliche Weise eine Lücke gefüllt hat. Wer allerdings glaubt, der Altmeister des Jazz and beyond hätte sich hier noch einmal der radikal in die Zukunft weisenden Sonaten von CPE Bach angenommen, wird überrascht sein. Die Aufnahme, die bislang vollständig unveröffentlicht in den Archiven von ECM schlummerte, stammt aus dem Jahr 1994 –

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #147 – CPE Bach
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CPE Bach / Orazio Sciortino

CPE Bach / Orazio Sciortino

Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Bach-Söhne ihren Weg gingen – biographisch wie kompositorisch. Als der wohl bedeutendste Wegbereiter der Klassik hat sich dabei Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788) erwiesen: sowohl durch seine Ästhetik angeht (nämlich die über die wahre Art, das Clavier zu spielen) als auch durch seine Werke, die vielfach etwas vollkommen Neues aufzeigenden. Schließlich aber auch durch die Überlieferung von Werken und Dokumenten des Vaters, die über Johann Nikolaus Forkel das Bach-Bild des 19. Jahrhunderts entscheidend mitprägten. Obwohl die herausragende Bedeutung von CPE Bach heute außer

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #147 – CPE Bach
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Iannis Xenakis / Pléïades

Iannis Xenakis / Pléïades

Er gehört zu den großen und leider auch zu den großen Unbekannten der Musik des 20. Jahrhunderts. Dabei hat Iannis Xenakis (1922–2001) die Geschichte der Neuen Musik maßgeblich mitgeschrieben. Eine Reihe von zeitgenössischen Komponisten bezieht sich noch immer auf ihn, seine Werke sind allerdings kaum im Konzertsaal präsent. Wie so oft ist man daher auf gewichtige Einspielungen angewiesen – und in diesem Fall ist es das Ensemble der Percussions de Strasbourg, das in einer eigenen Produktion die Pléïades (1979) und Persephassa (1969) aufgenommen hat. Es handelt sich um Partituren, die

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #146 – Schlagwerk
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Vanessa Porter / folie à deux

Vanessa Porter / folie à deux

Ein interessanter Titel, der das Album in psychologische Tiefen führt. Da aber nicht jeder weiß, was eine «folie à deux» ist (und auch nicht jeder nachschlagen möchte), findet sich neben dem Booklet ein Zettel mit einer kurzen Definition. Das macht neugierig, denn zum Cover will diese Beziehung zweier Personen nicht recht passen – und eine weitere Erläuterung zum Album sucht man vergebens, handelt es sich doch um ein Recital. Wo also liegt der Schlüssel? Abgesehen davon handelt es sich um ein Konzeptalbum, das diesen Begriff vom ersten bis zum letzten

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #146 – Schlagwerk
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Poppe & Heiniger / Tonband

Poppe & Heiniger / Tonband

Eine abenteuerliche Reise durch die Welt perkussiver und elektronischer Klänge. Was in Teilen wie eine Art historisches Bilderbuch aus den fernen Zeiten der Pioniere anmutet, ist im Kern eine bis ins Detail kalkulierte Reduktion der verwendeten Hard- und Software. Das gilt vor allem für die von Enno Poppe (*1969) und Wolfgang Heiniger (*1964) gemeinsam konzipierte Komposition Tonband, die in ihrer Umsetzung nichts mit den Tonbändern von einst zu tun hat: Schlagwerk und durch Live-Elektronik erzeugte Sounds werden gekoppelt, was eine gewisse klangliche Heterophonie evoziert. Bei Feld von Enno Poppe treten

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #146 – Schlagwerk
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Tālivaldis Ķeniņš / Concerto

Tālivaldis Ķeniņš / Concerto

Wieder einmal hat die Weltgeschichte entscheidend in die Biographie eines Komponisten eingegriffen. Diesmal bei Tālivaldis Ķeniņš (1919-2008), der in Lettland geboren wurde, zunächst in Grenoble eine Ausbildung für den diplomatischen Dienst des jungen Staates erhielt, während des Zweiten Weltkriegs nach Riga zurückkehrte und mit dem Einmarsch der Sowjetunion nach Paris floh. Dort studierte er bei Olivier Messiaen, hielt sich als Pianist über Wasser, wurde mehrfach ausgezeichnet. Sein Septett wurde 1951 in Darmstadt aufgeführt, dann ging er nach Kanada – zunächst als Organist, später lehrte Ķeniņš selbst Komposition an der Universität

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #146 – Schlagwerk
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Enjott Schneider / wood & metal

Enjott Schneider / wood & metal

Enjott Schneider (*1950) ist ein überaus produktiver Komponist, der mit seinen Werken zeigt, wie unterschiedlich die Vorstellungen von zeitgenössischer Musik sein können – die sich nicht durch diesen oder jenen Stil definiert, sondern vor allem durch die Entstehung in der Gegenwart. Zwei Konzerte sind als ein Werkpaar auf diesem Album vereint: Secret of Trees, ein Konzert für zahlreiche auf Holz basierende Instrumente, und Machine Worlds, ein Konzert, das mit Metallschrott und anderen metallischen Instrumenten hantiert. Einen Hintergrund dazu eröffnet Schneider in seinem kleinen Essay – ohne sich, abgesehen von einigen

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #146 – Schlagwerk
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Schubert & Liszt / Leonardo Pierdomenico

Schubert & Liszt / Leonardo Pierdomenico

Bereits 1840 richtete sich Franz Liszt die Winterreise von Franz Schubert für Klavier ein – eine Transkription, mit der er nicht nur die musikalische Substanz neu interpretierte und durch virtuose Passagen anreicherte, sondern auch dem im Original 24 Lieder umfassenden Zyklus eine andere Wendung gab. Denn Liszt bearbeitete nur zwölf Gesänge aus den beiden Teilen und fügte sie nach einer eigenen Dramaturgie neu zusammen: Auf die eröffnende Gute Nacht folgt bereits Die Nebensonnen, später stehen Lindenbaum und Leiermann zusammen, am Ende kehrt der Wanderer mit Im Dorfe an den Ausgangspunkt

Teil 4 von 4 in Michael Kubes HörBar #145 – Bäume im Winter
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Maxime Goulet / Ice Storm Symphony

Maxime Goulet / Ice Storm Symphony

Das Cover erinnert ein wenig an «Naive Malerei» und thematisiert (mit leider erkennbar wenig Tiefgang) eine der jüngsten Naturkatastrophen in Kanada: den tagelangen Eissturm im Januar 1998, der Großstädte und ganze Landstriche für Tage, Wochen oder gar Monate lahmlegte. Anlässlich des 25. Jahrestages erhielt Maxime Goulet (*1980) den Auftrag zu einer Symphonie de la tempête de verglas (oder auf Englisch: Ice Storm Symphony), die in vier Sätzen sowohl das Naturereignis als auch den wärmenden Zusammenhalt der Menschen in der kalten Not beschreibt. Für eine solch naturalistische oder zumindest dicht an

Teil 3 von 4 in Michael Kubes HörBar #145 – Bäume im Winter
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Estonian Premieres / Paavo Järvi

Estonian Premieres / Paavo Järvi

So kahl die baltischen Birken auf dem Cover wirken, so dunkel sind die hier eingespielten Kompositionen, die überwiegend zwischen 2011 und 2021 entstanden. Relativ zeitnah wurden sie vom Estonian Festival Orchestra aufgeführt, doch erst mit dieser knapp einstündigen Kompilation erleben sie ihre CD-Premiere. Kaum einer der Komponisten dürfte auf dem so kulturreichen europäischen Kontinent bekannt sein – und doch sind es Namen, die in Estland hoch gehandelt werden. Ein Widerspruch? Keineswegs. Es ist eher die Frage, wie viel von dem so reichen «Konzert der Nationen» in seiner ganzen Breite wahrgenommen

Teil 2 von 4 in Michael Kubes HörBar #145 – Bäume im Winter
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