22. April 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Johann Peter Kellner: Sacred Cantatas (2015)

Teil 5 von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Man kennt seinen Namen aus dem Umkreis von Johann Sebastian Bach. Dass Johann Peter Kellner (1705–1772) aber neben zahlreichen Orgelwerken auch Kirchenkantaten hinterlassen hat, war bisher wohl nur der Forschung bekannt. Die gut komponierte, mit ihrer gefälligen Melodik und Harmonik oftmals gar entzückende Musik entstand zunächst für den eigenen liturgischen Bedarf im kleinen Gräfenroda – ein im 18. Jahrhundert offenbar äußerst musikalischer Ort inmitten des Thüringer Waldes. Cantus und Capella Thuringia interpretieren diese Entdeckungen glänzend vorbereitet und auf hohem Niveau. Besonderen Reiz erhält die Einspielung durch die restaurierte Kellner-Weise-Orgel in

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Tourbillons des Rameau – Teodoro Anzellotti (Akkordeon) (2017/18)

Teil 4 von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Hier lässt der eigenwillige Klang des Akkordeons Rameaus Musik nachgerade transzendiert erscheinen – und zeigt damit ihre noch immer gegebene Modernität auf. So fügen sich dann auch die fünf knapp gefassten zeitgenössischen Interpolierungen nahtlos ein. Eine Konzept-CD, deren Aufnahmetechnik alles Klangliche und Geräuschhafte des von Teodoro Anzellotti virtuos gespielten Instruments verblüffend sinnlich vermittelt. Tourbillons des Rameau: Werke von Jean-Philippe Rameau, Xavier Dayer, Nadir Vassena, Brice Pauset, Eun-Hwa Cho, Fabio Nieder und Johannes Schöllhorn; Teodoro Anzellotti (Akkordeon) Winter & Winter 910 254-2 (2017/18)

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Jacques Morel: Premier Livre de Pièces de Violle; La Sagna (2018)

Teil 3 von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Was es doch alles noch immer zu entdecken gibt, obwohl so manches Opus schon lange als Faksimile vorliegt. Dies gilt auch für den 1709 erschienenen ersten (und einzigen) Druck mit Werken von Jacques Morel, einem Schüler von Marin Marais, über den praktisch nichts bekannt ist. Hingegen spricht seine Musik noch immer in eindrücklicher Weise zu uns. Man merkt es Alejandro Marías (Viola da gamba) und seinen musikalischen Freunden geradezu an, wie grundlegend und gründlich sie sich dieser teilweisen Ersteinspielung angenommen haben (zwei der Suiten und die Chaconne en trio liegen

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La fil d’Ariane: Werke von Pietro Antonio Locatelli und Alex Nante (2018)

Teil von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Kaum gibt es eine ausreichende Auswahl von aufführungspraktisch adäquaten Einspielungen der technisch anspruchsvollen Kompositionen Pietro Locatellis, ereilt das Œuvre des in Amsterdam sesshaft gewordenen italienischen Meisters schon der Ritterschlag des 21. Jahrhunderts: Gleich ob Concerto, Concerto gros­so oder Sinfonia – die mehrsätzigen Werke werden in ihrem Ganzen von zeitge­nössischen Reflexionen durchbrochen. Hier sind es Stücke des argentinischen Komponisten Alex Nante (*1992), die sich weiterdenkend einfügen oder kontrast­reich absetzen. Am Ende konkurrieren dann aber doch zwei kaum zu vermittelnde Welten auf engem Raum miteinander. Da kann einem beim Hören auch der

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Nicola Porpora: Cello Concertos & Sonatas; Ensemble MVSICA PERDVTA (2017)

Teil 2 von 7 in Michael Kubes HörBar #006 – 2019/06

Enttäuschte Erwartungen. Nicht nur das von Renato Criscuolo betätigte Solocello klingt seltsam unfrei. Auch das begleitende Ensemble hinterlässt den Eindruck einer unbeseelten Musikausübung. Wie diese Musik wirklich zum Klingen gebracht werden kann, das hat auf dem selben Label vor drei Jahren Adriano Maria Fazio mit den co-komponierten Cellosonaten aus der Feder von Porpora und Giovanni Battista Costanzi gezeigt. Nicola Porpora: Cello Concertos & Sonatas; Ensemble MVSICA PERDVTA Brilliant Classics 95279 (2017) Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden. Inhalt laden

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Joseph Haydn and his London Disciples: Werke von Haydn, Haigh, Latrobe (2018)

Teil 1 von 7 in Michael Kubes HörBar #005 – 2019/05

Ein Programm, das einem die Ohren weit öffnen sollte. Im Zentrum stehen zwei späte Sonaten von Joseph Haydn (Hob.XVI:52 und 50) sowie Werke seiner Londoner „Schüler“ Thomas Haigh und Christina Ignatius Latrobe. Kenntnisreich, verständig und mit feinsten Freiheiten auf einem Broadwood von 1816 gespielt (Sammlung Irnberger), hat Rebecca Maurer hier einen „Timetunnel“ geöffnet, in dem man ihr bereitwillig folgt. So lässt sich endlich auch der einstige Haydn-Hype an der Themse hörend verstehen. Wunderbar und kurzweilig noch dazu! Joseph Haydn and his London Disciples: Werke von Haydn, Haigh, Latrobe. Rebecca Maurer

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Incantations: Werke von Dorman und Rautavaara (2018)

Teil 6 von 7 in Michael Kubes HörBar #005 – 2019/05

Es hat Jahre, Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte gedauert, bis das Schlagwerk in seiner ganzen Vielfalt endlich auch solistisch wahrgenommen wurde. Mit steigender Aufmerksamkeit ist nun aber auch ein freundschaftlicher Wettbewerb ausgebrochen um die virtuosesten Solisten mit den spektakulärsten Passagen. In den Ring gestiegen ist auch Christoph Sietzen – hier mit zwei Konzerten von Avner Dorman (Frozen in Time, 2007) und Einojuhani Rautavaara (Incantations, 2008). Stilistisch im Bereich der Postmodene angesiedelt, machen es einem beide Werke im Prinzip leicht, mit dem Fuß oder noch mehr rhythmisch mitzugehen. Der vor dem

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Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert G-Dur KV 453 – Dmitri Schostakowitsch: Konzert für Klavier, Trompete und Streicher op. 35 (2016)

Teil 5 von 7 in Michael Kubes HörBar #005 – 2019/05

Ein Live-Mitschnitt, bei dem klanglich vor allem der Pianist zu Wort kommt. Auf­führungspraktisch bemerkenswert, dass Evgeni Bozhanov beim Mozart-Konzert auch im Tutti mitgeht. Gleichwohl bleibt die Produktion auch in ihren Paratexten zwiespältig: Hannes Läubin als sekundierender Solist findet nur auf dem Back­cover (deutsch) Erwähnung, nicht jedoch auf dem international (englisch) ausgerichteten Cover. Seltsam. Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert G-Dur KV 453 – Dmitri Schostakowitsch: Konzert für Klavier, Trompete und Streicher op. 35. Evgeni Bozhanov (Klavier), Hannes Läubin (Trompete), Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, Radoslaw Szulic. Profil PH 17086 (2016) Klicken

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Igor Stravinsky: The Rite of Spring (Arr. by Vladimir Leyetchkiss) … (2016)

Teil 4 von 7 in Michael Kubes HörBar #005 – 2019/05

Diese CD überrascht mit ihrem Programm – im Prinzip einer Folge von Klavierauszügen, bei der man sich auch fragen kann: Muss das bei dieser opulenten Musik eigentlich sein? So klingt der Sacre in dem von Vladimir Leyetchkiss besorgten zweihändigen Re-Arrangement von Strawinskys eigener vierhändigen Reduktion partiell nach einem „Player Piano“, so sehr wird er in der makellosen Interpretation von Ralph van Raat auf seine rhythmisch-harmonisch-melodische Substanz reduziert. Ähnlich bei Debussys La Mer, nur dass hier einst Lucien Garban posthum für den Originalverleger tätig war. Beides meisterhafte Transkriptionen, wie Röntgenblicke durch

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Erkki Melartin: Songs to Swedish Texts (2015)

Teil 3 von 7 in Michael Kubes HörBar #005 – 2019/05

Er gehört mit seinem Schaffen noch immer zu den unentdeckten Meistern der finnischen Spätromantik – so breit und umfassend wirkt bis heute der lange Schatten von Jean Sibelius. Dabei hat Erkki Melartin (1875–1937) eine eigene musikalische Sprache entwickelt, nicht nur in seinen sechs vollendeten Sinfoni­en, sondern auch in seinen mehr als 250 Liedern und Gesängen, die ihn als polyglotten und weit gereisten Komponisten ausweisen. Unter denn hier eingespielten 22 Stücken sind es vor allem die 1925 gedruckten Tagoresånger op. 105 (Lieder nach Rabindranath Tagore), die mit ihrer zusätzlichen, obligat geführten

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David Popper: Cello Concertos (2017)

Teil von 7 in Michael Kubes HörBar #005 – 2019/05

Seine Etüden sind fester Bestandteil des Curriculums, doch nur selten einmal ist von ihm mehr und größeres als ein warmherziges Salonstück zu hören. Umso erfreulicher, dass Martin Rummel nun die Konzerte von David Popper nicht nur eingespielt, sondern auch in aktuellen Editionen herausgegeben hat. Bedeutenden Tiefgang sucht man allerdings vergebens: Vielmehr handelt es sich hier um eine Musik, die im besten Sinne des Wortes unterhält, vom Solisten aber Spielwitz und bedeutende Fertigkeiten verlangt. Und genau damit ist Martin Rummel ein überzeugendes Plädoyer gelungen. (Das vierte Konzert wurde im Klavierauszug eingespielt.)

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Albanian Piano Music: Werke von Simaku, Vorpsi, Lara, Ibrahim, Zadeja, Gjoni, Tole, Dizdari, Harapi (2018)

Teil 2 von 7 in Michael Kubes HörBar #005 – 2019/05

Eine pianistische Reise durch ein fast vergessenes Land an der Adria. In Erinnerung bleiben die Klavierstücke und Zyklen nahezu ausnahmslos wegen ihres musikalisch durch und durch ungefährlichen romantischen oder nationalromanti­schen Idioms. Und dennoch: eine Entdeckungstour in unbekanntem Terrain, die unter den Händen von Marsida Koni Lust auf mehr macht. Albanian Piano Music: Werke von Simaku, Vorpsi, Lara, Ibrahim, Zadeja, Gjoni, Tole, Dizdari, Harapi. Marsida Koni (Klavier) Piano Classics PCL 10149 (2018) Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden. Inhalt laden

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