Carlo Tessarini – Concerti & SinfonieGemälde aus dem 18. Jahrhundert wecken schnell eine Italien-Sehnsucht. Dabei sollte man sich jedoch bewusst machen, dass es sich bei den schönen Landschaften aus dem Süden zumeist um idealisierte Bilder handelt, die zwar nach Skizzen, jedoch sehr frei zusammengefügt und interpretiert wurden. Ein Beispiel ist die Landschaft mit Brücke und Blick auf den Monte Sarchio aus dem Jahr 1792, die von dem aus Prenzlau (Nordbrandenburg) stammenden Jacob Philipp Hackert (1737–1807) gemalt wurde. Über ihn publizierte Goethe 1811 eine Biografie (zuvor hatte er Hackert zur Übersendung eigener Erinnerungen aufgefordert). Auch hier trügt der Schein. Das Bild ist für das Cover am rechten Rand um etwa ein Viertel beschnitten und weder die Brücke noch der Baum bilden ursprünglich die Spiegelachse. Es gibt jedoch auch eine frühere Version aus dem Jahr 1791 mit weniger optischer Tiefe, einem kantigeren Stamm und einem herbstlich gelb eingefärbten Baum. Vor allem ist dort die rechte Bildhälfte anders aufgebaut.
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Man sollte also eher an die Jahre von Joseph Haydn in London denken, während die auf dem Album eingespielten Werke zwischen 1724 und 1762 zu datieren sind (erfreulicherweise werden die zugrunde liegenden Ausgaben und Manuskripte nachgewiesen). Es bleibt ein Rätsel, warum Komponisten wie Carlo Tessarini (ca. 1690–1767, im Booklet sind falsche Lebensdaten angegeben) so selten gespielt werden. Mehr als bei Vivaldi sind bei ihm bereits elegantere Töne und komplexere Verläufe zu hören. Über Tessarinis Biografie ist allerdings nur wenig bekannt. Nach vielen Jahren in Venedig nahm er 1733 eine Anstellung in Urbino an, die ihm offenbar die Freiheit zu ausgedehnten Konzertreisen gab – unter anderem nach Paris, Holland und England (ca. 1744–1750) sowie erneut nach Holland (ab 1757). Zuletzt verliert sich seine Spur… Eine Spurensuche stellt auch diese gelungene Produktion dar. Sie wurde bereits 2003 mit berückender Zeitlosigkeit eingespielt, erschien 2004 erstmals bei Symphonia (mit anderem Cover), war dann vergriffen, wurde 2021 neu aufgelegt – und ist heute wieder vergriffen. Es lohnt sich aber unbedingt, nach dem Album Ausschau zu halten.
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Carlo Tessarini. Contrasto Primo D-Dur; Concerto a cinque e-Moll op. 1/1; Grand sinfonie Terza F-Dur; L’arte di nuova modulacione; Concerto a cinque D-Dur op. 1/4; Concerto a cinque D-Dur; Grand sinfonie Quinta G-Dur Pan Classics PC 10426 (2003)
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.