Rautavaara & AhoEin rundum fantastisches Album mit einer ganzen Reihe von Entdeckungen für das Chor-Repertoire. Das beginnt schon im ersten Track mit Die erste Elegie (1993) von Einojuhani Rautavaara (1928–2016) – ein überaus ausdrucksstarkes Werk, das in seiner Faktur ein wenig an Mendelssohn-Psalmvertonungen erinnert. Ohnehin zählt Rautavaara für mich zu einem der ganz großen (nicht nur finnischen) Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der leider noch immer den Status «Geheimtipp» besitzt. Die Gründe dafür sind vielfältig und sicherlich auch in seinem ganz eigenen Weg begründet. Trotz einer ganzen Reihe verschiedener technisch-stilistischer Stationen entfernte er sich nie von seinen Interpreten und dem Publikum; er blieb in allen noch so unterschiedlichen musikalischen Dialekten immer verständlich und aussagekräftig.
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Nicht ganz so charakteristisch schreibt Kalevi Aho (*1949). Dafür hat er in seinem umfangreichen Schaffen schon einmal fast jedes Instrument und jede gängige Besetzung berücksichtigt. Die in Ilo ja epäsymmetria (Freude und Asymmetrie, 1996) versammelten Chöre wirken vor allem im Satz etwas zu kompakt – selbst für einen Kammerchor. Hinzu kommt (leider) das Problem der Sprache, so dass trotz der im Booklet beigefügten Übersetzungen dem Wort-Ton-Verhältnis nicht immer im Detail gefolgt werden kann. Die Werke bleiben dann (leider) musikalisch abstrakt. In den klarer geführten Liedern nach Gedichten von Mawlana Runi (2010) stellt sich das Problem weniger, da hier eine mehr volksliedhafte, homophone Faktur vorherrscht. – Der unter dem Namen Helsinki Chamber Choir auftretende Kammerchor des Finnischen Rundfunks gestaltet mit höchster stimmlicher und intonatorischer Sicherheit.
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joy & asymmetry
Einojuhani Rautavaara. Die erste Elegie (1993); Unsere Liebe (2010); Ave Maria (1957/2012); Elämän kirja (1972/2012); Kalevi Aho. Kolme laula Mawlana Rumin runoihin (2010); Ilo ja epäsymmetria (1996)
Helsinki Chamber Choir, Nils Schweckendiek BIS Records BIS-2692 (2021)
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.