22. April 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Hugues Borsarello – Miniatures

Hugues Borsarello – Miniatures
Hugues Borsarello – Miniatures
Der Titel des Albums täuscht ein wenig über die Werkauswahl hinweg. Denn statt «Miniatures» hätte es besser «Anchores» heißen sollen. Beide Begriffe schließen sich ja keineswegs aus – nur einmal habe ich bisher im Konzertsaal eine Zugabe von einer Viertelstunde gehört (aber das war auch unter sehr speziellen und alle bewegenden Umständen). Eine Miniatur solle jedoch mehr konzentrierter sein, zur Konzentration anregen und vielleicht auch etwas kondensieren, ähnlich wie in einer Consormé.

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Hier indes sind nahezu all jene Stücke versammelt, die man früher vielleicht einmal hier und da hörte – vor allem im Promenadenkonzert. Da spielt es dann auch kaum eine Rolle, ob eine dramaturgische Ordnung herrscht oder die Stücke einfach aneinandergereiht sind. Wer keine zu hohen Erwartungen hat, wird hier eine schöne, kurzweilige Zusammenstellung für die Sommerfrische finden. Denn Hugues Borsarello trifft genau den Ton – mit virtuoser Leichtigkeit und doch mit Ernsthaftigkeit gegenüber den einzelnen Nummern. Kein billiger Zauber, aber zu 50 % eine Musik, die nicht tiefer schöpfen lässt.

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Hugues Borsarello – Miniatures
Jacques Offenbach. Ouvertüre zu Orphée aux enfers; Georges Bizet. «Je crois entendre encore», aus: Les Pêcheurs de perle; Charles Gounod. Ave Maria; Henri Vieuxtemps. Adagio, aus Duo brillant; Souvenirs d’Amérique op. 17 (Variations burlesques sur «Yankee Doodle»); Claude Debussy / Django Reinhardt. Introduction Nuages; Nuages; Erik Satie. Gymnopédie No. 3; Jules Massenet. Meditation aus Thaïs; François-Joseph Gossec. Gavotte D-Dur; Camille Saint-Saëns. «Mon cœur s’ouvre a ta voix», aus: Samson et Dalila; Jean-Baptiste Lully. Marche pour la cérémonie des Turcs, aus: Le Bourgeois Gentilhomme; Claude Debussy. Clair de Lune; Ernest Chausson. Sicilienne, aus: Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett op. 21; Maurice Ravel. Berceuse sur le nom de Gabriel Fauré; Jean-Marie Leclair. Tambourin C-Dur; Gabriel Fauré. Berceuse; Eugène Ysaÿe. Berceuse de l’enfant pauvre
Hugues Borsarello (Violine), Thomas Dutronc (Gitarre), Frank Braley (Klavier), Gautier Capuçon (Violoncello), Orchestre National de Bretagne, Adrien Perruchon

Outhere Music France OMF 706 (2021)

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 1 of 1 in the series HörBar #186 – Miniaturen

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