Schostakowitsch konnte sich auch bei diesen vermeintlich leichteren Partituren nicht der für seine Musik so charakteristischen Doppelbödigkeit entziehen. Dem widerspricht keineswegs, dass der Komponist Freude am Absurden hatte, zu sarkastischem Witz neigte und wohl nur auf der Tribüne im Fußballstadion ganz aus sich herausgegangen sein soll – einen neutraleren Ort, sich «Luft zu machen», dürfte es kaum geben. Und so liegt es einmal mehr an der ganz persönlichen Art des Hörens, was man in den fraglos unterhaltenden Sätzen als «light music» empfinden mag oder kann. – Andrew Litton und das Singapore Symphony Orchestra haben es sich bei der Aufnahme jedenfalls nicht zu leicht gemacht. Präzise Rhythmen und durchdachte Phrasierung veredeln die Stücke, die einem oft genug mit allzu leichter Hand hingeworfen werden.
Werbung
Dmitri Schostakowitsch. Jazz & Variety
Suite for Jazz Orchestra No. 1; Suite from «The Age of Gold» op. 22a; Suite from «The Limpid Stream» op. 39a; Suite for Variety Orchestra; Tahiti Trot
Singapore Symphony Orchestra, Andrew Litton BIS 2472 (2019)
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.