
Das Bild ist für das Cover glücklich gewählt, denn Thomas Gainsborough porträtierte auch Carl Friedrich Abel (1723–1787) mit einer Viola da gamba (das Gemälde ist im Booklet abgebildet, leider nur in Schwarz-Weiß). Damit wird dann auch dieses vorzügliche Album selbst erreicht. Lange schien es so, als wären aus Abels reichen kompositorischen Schaffen nur jene Sonaten überliefert, die als Lehrstücke für Schüler bestimmt waren. Seit 2010, 2014 und 2015 sind allerdings handschriftliche Sammlungen zugänglich bzw. aufgefunden worden, die den in London (und als Impressaro gemeinsam mit Johann Christian Bach) wirkenden weitaus vielfältiger in der Erfindung zeigen. Es handelt sich um herausragende Sonaten «zwischen den Epochen». Die Viola da gamba klingt dabei als Instrument sehr persönlich, beinahe intim, verschwand aber mit den kulturellen und ästhetischen Umbrüchen sowie dem sich wandelnden Gefüge der Gesellschaft um die Wende zum 19. Jahrhundert nahezu vollständig. Die Produktion steht sowohl interpretatorisch als auch akustisch auf höchstem Niveau: Paolo Pandolfo und das ihn begleitende Ensemble lassen die Rhetorik und das Sentiment der Musik ohne verschleiernde Manierismen lebendig werden.
A Sentimental Journey
Carl Friedrich Abel. Sonaten D-Dur A2:50, a-Moll A2:57a, A-Dur A2:53, D-Dur A2:75, g-Moll A2:56a, G-Dur A2:72, e-Moll A2:7; Thema & Variationen aus Sonate D-Dur A2:67
Paolo Pandolfo (Viola da gamba), Amélie Chemin (Violoncello, Viola da gamba), Andrea Buccarella (Hammerklavier, Cembalo), Thomas Boysen (Laute)
Glossa GCD 920418 (2020)
