21. Juli 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Kenneth Fuchs – Orchestral Works

Kenneth Fuchs – Orchestral Works
Kenneth Fuchs – Orchestral Works
Wohl selten einmal war die Beschreibung «zeitgenössisch» mit einer so großen Vielfalt verbunden wie heute. Noch vor einigen Jahrzehnten bedeutete «zeitgenössisch» schlicht «avantgardistisch». Doch die Reihen haben sich gelichtet, eindeutige Richtungen sind nicht mehr auszumachen. Das Verbindende ist nur noch die einem Werktitel nachfolgende Jahreszahl, die auf die Entstehung der Partitur verweist, wo die Opuszählung nahezu vollständig verschwunden ist. Sie half einst bei der Differenzierung von Kompositionen im Gattungskontext (Sinfonien, Sonaten, Quartette, Trios, Lieder…). Wo diese Ordnungen aber nicht mehr vorhanden sind, ziehen individuelle Titel ein – wie auch bei den Orchesterwerken von Kenneth Fuchs (*1956).

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Inspiriert durch Gemälde von Helen Frankenthaler, Worte von Walt Whitman, den Namen eines Gebäudes oder eine Naturerfahrung verlieren sie beim Hören indes rasch ihren individuellen Charakter. Obwohl Kenneth Fuchs sehr wohl mit einem Sinfonieorchester als «Instrument» umzugehen weiß, hinterlassen zu viele Passagen einen pauschalen Eindruck – sicherlich auch in Verbindung mit dem plakativ verwendeten nordamerikanischen Idiom, das einst von Copland, Schuman und Barber musikalisch eingeführt wurde und durch John Adams (den technischen Minimalismus einmal beiseitegeschoben) nochmals an leuchtender Brillanz gewann. Tatsächlich bleiben von den hier eingespielten Partituren eher einzelne Farben und Gesten in Erinnerung, bzw. man erinnert sich an ähnliche, schon einmal gehörte Konstellationen, als an das große Ganze. Aber auch das ist eben durchaus «zeitgenössisch».

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Kenneth Fuchs. Orchestral Works Vol. 1
Cloud Slant (2020/21); Solitary the Thrush (2019/20); Pacific Visions (2016); Quiet in the Land (2017)
Adam Walker (Flöte), Sinfonia of London, John Wilson

Chandos CHSA 5296 (2022)

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 1 of 1 in the series HörBar #192 – Zeitgenössisches

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