
Und so begegnen in der Regel zwei dieser drei Werke in nahezu jeder Einspielung in instruktiver Koppelung; für weiteres Repertoire besteht unter solch eingefahrenen Bedingungen kaum eine Chance, obwohl auch hier einmal genauer nachgeschaut und hingehört werden müsste (Hindemith jedenfalls verweigerte sich mit seinem op. 30 konsequent). Mit Blick auf «Reger 150» konnte das bei diesem Album freilich kein sinnvoller Ansatz sein. Vielmehr stellt sich die Frage, wie man Regers letzter vollendeter Komposition in ihrer ganzen Intimität und Ausdrucksdichte gerecht werden kann, denn nach seinem Zusammenbruch und mit dem Umzug von Meiningen nach Jena lässt sich eine gewisse Abgeklärtheit aus den Partituren heraushören. Dieser Fasslichkeit werden Robert Oberaigner und das Fritz Busch Quartett vollauf gerecht: Hier darf man sich an Kammermusik in interpretatorischer Vollendung erfreuen – vom einzelnen Parameter bis ins Ganze. Ein so warmer, fallweise auch dynamisch extremst zurückgenommener und doch immer fließender Klarinettenton, wie ihn Oberaigner gestaltet, ist in den letzten Jahren rar geworden. Zudem agieren er und das Fritz Busch Quartett auf Augenhöhe, so dass sich in keinem Moment ein «concertare» einschleicht. Man merkt der Einspielung an, dass alle Musiker (jeder in solistischer bzw. führender Position in der Sächsischen Staatskapelle) den seidigen Ton dieses Klangkörpers auch auf andere Besetzungen übertragen können.
Johannes Brahms. Klarinettenquintett h-Moll op. 115; Max Reger. Klarinettenquintett A-Dur op. 146
Robert Oberaigner (Klarinette), Fritz Busch Quartett
MDG 903 2287-6 (2022, 2023)
- Max Reger / Artium Trio
- Robert Oberaigner / Fritz Busch Quartett
- Durch den Wald / StimmGold
- Max Reger / Joseph Moog
- Max Reger / Markus Schäfer