27. Mai 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Anders Eliasson

Anders Eliasson
Anders Eliasson

Seit seinem Tod vor nunmehr zehn Jahren ist es um Anders Eliasson (1947–2013) und seine Musik still geworden. Offensichtlich hat ihn das fragwürdige Schicksal vieler zeitgenössischer Komponisten erreicht: Um «sichtbar» zu sein, muss in der Regel fortwährend die Werbetrommel gerührt und das Interesse mit immer neuen Werken wach gehalten werden. Posthum das Œuvre präsent zu bewahren, ist nahezu unmöglich – und so bedarf es immer einer besonderen Initiative, wieder etwas hervorzuholen und vielfach überhaupt publik zu halten. Auch bei diesem Album, das nach fünf (!) Jahren wieder Aufmerksamkeit für Werke dieses außerordentlich «hörbaren» schwedischen Komponisten einfordert. Die Einspielungen stammen freilich aus den Jahren 2011, 2017 und 2020 – was bereits eine erhebliche Zeitspanne markiert.

Um es gleich zu signalisieren: Für mich liegt das Schwergewicht der drei hier vorgelegten Werke auf den beiden Sinfonien, und unter diesen auf der Nr. 3 (1989), bei der ein obligates, konzertierendes Sopransaxophon zum Einsatz kommt. Angelegt in fünf Sätzen mutet sie gerade narrativ an, exponiert den Solopart im sinfonischen Kontext und dringt emotional tief ein. Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen im instruktiven Booklet, nach denen Eliasson den Part zwar für John-Edward Kelly und dessen le-gendäres «Altissimo» schrieb, am Ende aber dann doch (auch aus auffüh-rungspraktischen Erwägungen) den Part für Sopransaxophon umarbeitete. Mich erinnert das ein wenig an die Probleme um den Part in Allan Pettersson 16. Sinfonie (1979), an die Eliasson deutlich wahrnehmbar anknüpft – so wie er hinsichtlich tonaler Zentren, melodischer Gestaltung und Material wohl wie kein anderer diesem gleichsam verqueren und verkannten Sinfoniker ebenso nah wie fern steht. Tatsächlich mutet Eliassons für den Bayerischen Rundfunk komponierte Sinfonie Nr. 4 (2005) im Vergleich abgeklärt an – und dennoch aufregender als so manche bloß ausgezählte Partitur. Diese Ersteinspielungen zeigen nicht nur die herausragende Qualität aller Interpreten, sondern auch die der Werke eines Komponisten, der auch in südlicheren Breitengraden dringend live gespielt werden muss.

Anders Eliasson. Symphony No. 3 for soprano saxophone and orchestra (1989/2010); Concerto per Trombone (2000); Symphony No. 4 (2005)
Anders Paulsson (Saxophon), Christian Lindberg (Posaune), Gothenburg Symphony Orchestra, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Johannes Gustavsson, Sakari Oramo

BIS SACD-2368 (2011, 2017, 2020)

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Teil 2 von 4 in Michael Kubes HörBar #057 – Sinfonisches