2. Oktober 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Benda / Shelley

Benda / Shelley
Benda / Shelley
Man könnte Howard Shelley mit Blick in seine umfassende und alle Ecken des Repertoires ausleuchtende Diskographie fraglos auch als «Mr. Piano Concerto» bezeichnen. Zahlreiche Aufnahmen hat er für die mit immer wieder neuen Entdeckungen aufwartende, noch lange nicht abgeschlossene und doch schon legendäre Reihe «Romantic Piano Concertos» aufgenommen. Seit ein paar Jahren nimmt er nun auch exklusiv für die ebenfalls bei Hyperion erscheinende Serie «The Classical Piano Concerto» auf. Unermüdlich pflügt Shelley dabei durch die Noten – Steibelt, Kozeluch, F.X. Mozart, Dussek, Cramer und nun auch Georg Benda (1732–1795). Mit vier Konzerten in 80 Minuten ist dabei die Spielzeit der CD bis zum Rand ausgeschöpft. Doch überzeugt diese beeindruckende Quantität auch interpretatorisch?

Shelley spielt hier wie auch sonst auf einem robusten modernen Steinway, die London Mozart Players in einer mittelgroßen chorischen Besetzung (6-5-4-3-1). Schon viele andere (ältere) Produktionen haben gezeigt, dass eine solche Disposition schwerwiegende Folgen für die Musik selbst haben kann, wenn nicht von den Musikern die Klangvorstellung eines ganz anderen (historischen) Instrumentariums abstrahiert wird oder der Solopart im Tutti nicht die Basslinie so fundiert wie inspiriert unterstützt. Dass etwa gleich zu Beginn des f-Moll-Konzerts die repetierten Achtel nicht sorglos rumpeln müssen, sondern die Gangart des Satzes definieren, zeigen auf recht vielfältige Weise die schon länger erschienenen Einspielungen mit La Stagione Frankfurt (mit Sabine Bauer, cpo), Il Gardellino (mit Shalev Ad-El, Accent) oder auch dem Collegium 1704 (mit Václav Luks, Arta); letztere Produktion von 2005 bietet sogar alle vier von Shelley aufgenommenen Werke. Ein direkter Vergleich ist freilich unfair, da doch die Voraussetzungen so unterschiedlich sind. Eine technisch ordentliche Leistung reicht allerdings kaum aus, um die feinen Nuancen und die unter der Oberfläche glühende Lava dieser empfindsamen, an norddeutschen Modellen ausgerichteten Musik lebendig werden zu lassen. Dazu bedarf es dann doch der wahren Art, das Clavier zu spielen…

Georg Benda. Klavierkonzert f-Moll; Klavierkonzert g-Moll; Klavierkonzert G-Dur; Klavierkonzert h-Moll
Howard Shelley, London Mozart Players

Hyperion CDA 68361 (2020)

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Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #053 – Klavierkonzerte