8. August 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Strawinsky / Bernstein / Sony

Strawinsky / Bernstein / Sony
Strawinsky / Bernstein / Sony

Wenn nun schon eine Edition mit Strawinskys eigenen Einspielungen aktuell nicht greifbar ist, so doch all die Aufnahmen, die unter Leonard Bernstein zwischen 1947 und 1972 für RCA Victor und Columbia entstanden – von Sony in Nachbildungen der originalen «Jackets» und in Anlehnung an die «Labels» auf 6 CDs «geboxed». Freilich, so ganz stimmt das nicht: Der älteren Produktion vom Sacre (New York Philharmonic, 1958) wurde auf der CD noch die Suite (1919) des Feuervogels beigegeben (auf der LP war sie mit Tschaikowskys Romeo und Julia-Ouvertüre gekoppelt), ebenso gesellt sich zum Oedipus Rex (Boston Symphony Orchestra, 1972) nun die im selben Jahr aufgenommene Psalmensinfonie mit dem London Symphony Orchestra (auf der LP war diese noch mit Poulencs Gloria vereint).

Im Detail geht also der viel versprechende Aufkleber «Facsimile LP covers and labels» nicht ganz auf, weil dann doch nicht in letzter Konsequenz die einstigen Produktionen, sondern allein die Aufnahmen der Werke Strawinskys im Mittelpunkt stehen. Historisch interessant sind auf der jeweiligen Rückseite die entsprechend älteren Werkeinführungen. Hier sorgt der Hang zum Original allerdings auch dafür, dass man diese nicht kostspielig ins Deutsche, Französische oder gar Spanische übersetzen lassen musste. Dafür findet sich im Booklet ein lesenswerter, viel zu kurzer Essay von Wolfgang Stähr, der das Verhältnis von Bernstein (als Interpret) zu Strawinsky (als Komponist und Interpret) beleuchtet. Den Einspielungen ist das jeweilige Produktionsjahr deutlich anzumerken: technisch ohnehin, aber auch interpretatorisch. Dies zeigt etwa der Vergleich zwischen den beiden Aufnahmen des Sacre (1958 und 1972) – übrigens mit dem Kuriosum, dass im zweiten Teil des Werks die Einteilung der Tracks unterschiedlich ist (eine redaktionelle Nachlässigkeit in Form einer bequemen Übernahme aus vorhandenem digitalen Material?). – Den mit Abstand größten Eindruck hat auf mich übrigens die akustisch sehr direkte und wie aus dem Moment heraus geboren wirkende Einspielung von L’Histoire du Soldat (1947) gemacht, trotz oder vielleicht auch gerade wegen ihres Alters.

Igor Strawinsky.
Concerto for Piano & Wind Instruments;
L’Histoire du Soldat. Concert Suite;
Octet for Wind Instruments;
Oedipus Rex;
Petrushka (1947 version);
Pulcinella Suite;
Symphony of Psalms;
The Firebird;
The Rite of Spring.

René Kollo (Tenor), Tatiana Troyanos (Mezzo), Tom Krause (Bariton), Ezio Flagello (Bass), David Evitts (Bariton), Michael Wagner (Sprecher), Harvard Glee Club, English Bach Festival Chorus, Boston Symphony Orchestra, London Symphony Orchestra, New York Philharmonic, Leonard Bernstein
Sony 19439854202 (1947–1972)

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Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #047 – Strawinsky 50