5. Dezember 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
B3 – New Songs, Old Socks

B3 – New Songs, Old Socks

Alte Socken? Leute, nicht solche Töne. Was für ein Spaß, was für eine Rockpower im weitergehenden Feld aus Blues und Jazz von drei Männern an Hammond B3, Synhie, Bass und Schlagzeug – dazu Gesangsschmelz, auf deren Tongletschtern nicht arg viel Permafrost gebunden scheint. Nach Informationen des Pressetextes handelt es sich um sowohl „neue Songs als auch ältere Stücke in neuem Gewand“. So gut kenne ich das Trio nun nicht, um genau die Veränderungen zu bemerken. Aber manches kommt einem irgendwie trotzdem bekannt vor – wie die Chorvocals im zweiten Stück

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Composers’ Orchestra Berlin: Holding Pattern

Composers’ Orchestra Berlin: Holding Pattern

Corona, Corona, Corona. Für viele angeblich längst vorbei, aber lassen wir den unmöglichen Streit über Wissenschaft und Gefühl besser außen vor. Die musikalische Nachschüttung allerdings läuft – manchmal unter dem Label „Neustart Kultur“ (in diesem Fall hier allerdings nicht): Lauter kreative Prozesse, die da in Gang gesetzt wurden, wenn man den Pressetexten glauben schenken will: „Viele der Titel wurden während des Corona-Lockdowns geschrieben: Im Rückblick hatte dies mehr Einfluss auf den kreativen Prozess als man sich vorgestellt hatte.“ Es sind neun verschiedene Komponist:innen in zehn Titeln. Vielfalt ist garantiert, sofern

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Louis Matute Large Ensemble – Our Folklore

Louis Matute Large Ensemble – Our Folklore

Das ist so richtig vollkommene Musik, die mit einer Selbstverständlichkeit im Ausdruck auftritt, die keinen Widerspruch duldet, sondern eine Einladung ist, dabei zu sein beim Ausrollen von Rhythmen, Harmonien und Farben. Im Ensemble des Gitarristen Louis Matute finden sich viele musikalische Sprachkulturen zusammen, ohne dabei zu grauem Tonbrei zu versuppen. Nix ist hier grau, es ist bunt, manchmal etwas verschleiert dabei und gebrochen pastellig. „Our Folklore“ heißt dieses Album, man möchte es sowohl ironisch verstehen wie zugleich als Versprechen, die ästhetische Latte nicht zu hoch zu hängen, aber zu probieren,

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Max Zentawer: solo

Max Zentawer: solo

Die Reichhaltigkeit der Jazz-Szene in Deutschland scheint geradezu unendlich. Dass ich die meisten Musiker:innen der CDs, die ich hier in der HörBar bespreche nicht kenne, geschweige denn jemals zuvor von ihnen gehört habe, bestätigt mir das wunderbar. Max Zentawer spielt hier „solo“ seine akustischen und elektrischen Gitarren quasi im Ensemble, wann es sich eben ergibt, wenn man im Studio arbeitet, statt auf der Bühne – wie so häufig coronabedingt. Man folgt dem Gitarrenflow mit Vergnügen und mit der Leichtigkeit, die Zentawer zu erzeugen versteht. Fast alle Gitarrist:innen, die zu hören

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Vitalii Kyianytsia Trio: Last Day of Spring

Vitalii Kyianytsia Trio: Last Day of Spring

„Der Titel hat schon seine Bedeutung“, schmunzelt Kyianytsia. „Während des Lockdowns bin ich fast jeden Tag joggen gegangen und so hat das Stück eine konkrete Beziehung zu meinem Leben. Ich finde, man kann spüren, wie jemand rennt.“ Geplant und realisiert und motiviert, lange bevor der unmenschliche Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine begonnen hat, erscheint dieses Debütalbum einen Monat nach Beginn des Krieges. Zu Beginn des Frühlings, dessen letzter Tag hier im Titel beschworen wird. Das ist alles nur noch Irre. Der Musik hört man nichts an. Vitalii Kyianytsia stammt aus

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