5. April 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Jacob Schuback – Brockes-Passion

Jacob Schuback – Brockes-Passion

Als im Jahre 1712 unter dem Titel Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesu die von Barthold Heinrich Brockes (1680–1747) stammende Umdichtung der Leidensgeschichte Christi im Druck erschien, war nicht absehbar, dass in den folgenden Jahrzehnten wenigstens 13 Komponisten diesen Text einer Vertonung zugrunde legen würden. Mit seiner gleichermaßen auf Rührung und Erschütterung angelegten Dichtung traf Brockes offenbar nicht nur den Geschmack seiner Zeitgenossen, sondern regte in seiner Heimatstadt Hamburg auch eine ganz eigene, aufwendige Aufführungstradition an (ab 1719 erklangen innerhalb weniger Tage gleich vier unterschiedliche Vertonungen).

This entry is part 5 of 5 in the series Hörbar #184 – Passionen
Weiterlesen
Christoph Demantius – Johannes-Passion

Christoph Demantius – Johannes-Passion

Im geschäftigen Treiben des Kalenderjahres gibt es zwei Wochen, die etwas ruhiger verlaufen (sollten) – und es in der Regel wenigstens musikalisch auch tun: die so genannte «Stille Woche» vor dem Ewigkeitssonntag, mit dem das Kirchenjahr im November abschließt, und die Karwoche vor dem Osterfest. In letzterer standen und stehen noch immer kleine und große Passionsmusiken auf dem Programm: früher liturgisch eingebunden, später dann eher konzertant aufgeführt, heute vielfach auch nur noch auf Tonträger präsent. Die Kompositionen unterscheiden sich je nach Epoche auch in dem ihnen zugrunde liegenden Text, bei

This entry is part 1 of 5 in the series Hörbar #184 – Passionen
Weiterlesen
Elsa Barraine

Elsa Barraine

Es wird wohl vielen Musikliebhaber:innen gehen wie mir. Da glaubt man, vieles zu kennen oder zumindest schon einmal irgendwo gesehen zu haben. Und dann gibt es die verblüffenden «Oh?-Momente» wie diesen. Denn von Elsa Barraine (1910–1999) hat man im deutschsprachigen Raum wohl kaum etwas – oder: eigentlich rein gar nichts gehört. Dabei war sie, überfliegt man nur den Rahmen ihrer Biographie eine schillernde Persönlichkeit – sowohl als Komponistin als auch institutionell. Sie studierte unter anderem bei Paul Dukas, gewann zweimal den Prix de Rome (1929 mit einer Kantate, 1947 mit

This entry is part 4 of 5 in the series HörBar #183 – Sinfonisches
Weiterlesen
Werbung
Mel Bonis – Orchesterwerke

Mel Bonis – Orchesterwerke

Werke für Klavier und Kammermusik. Wieder einmal waren es die «kleinen Formen» (Charakterstücke), eine Violinsonate und ein Klavierquartett, die bis jetzt ein durchaus (falsches) Bild von der französischen Komponistin Mel Bonis (1858–1937) zeichneten. Erst mit diesem Album (natürlich eine cpo-Produktion) treten auch sinfonische Klänge ans Licht – obwohl es sich «nur» um Instrumentationen eigener Werke handelt (die bei denen mit vokalem Anteil). Und dennoch: Diese Musik muss sich weiß Gott nicht hinter den Zeitgenossen aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg verstecken! Vielmehr erweist sich Mel Bonis als eine Komponistin

This entry is part 1 of 5 in the series HörBar #183 – Sinfonisches
Weiterlesen
Julius Otto Grimm – Sinfonieorchester Münster

Julius Otto Grimm – Sinfonieorchester Münster

Seinen Namen kennt man aus dem Umfeld und der Biographie von Johannes Brahms – und doch ist es immer vergleichsweie still um Julius Otto Grimm (1827–1903) geblieben. Lag es an seinem vergleichsweise geringen kompositorischen Output? Oder an seiner offenbar bescheidenen Persönlichkeit? Oder lag es gar an Münster in Westfalen, das über 43 Jahre sein Wirkungsort war und vielleicht zu abseits lag? Antworten auf diese Fragen werden sich sicherlich nicht im Handumdrehen finden lassen. Umso wichtiger ist es, sein Schaffen erlebbar zu machen. In diesem Sinne legt das Sinfonieorchester Münster unter

This entry is part 3 of 5 in the series HörBar #180 – Sinfonisches
Weiterlesen
Erkki Melartin – Turku Philharmonic Orchestra

Erkki Melartin. Symphonie Nr. 5

Große Nationalkomponisten waren im ausgehenden 19. Jahrhundert sicherlich ein Segen, wenn es um die kulturelle Selbstfindung und Identifikation ging. Oft genug erwiesen sie sich jedoch auch als Fluch für all jene Komponisten, die fortan im Schatten dieser Riesen blieben. In Finnland etwa hat Jean Sibelius mindestens auf zwei Generationen gewirkt – weniger stilistisch, sondern vielmehr wie ein Mantel, der alles umhüllte und verdeckte. Dabei gibt es so viel Erstaunliches neben und nach ihm zu entdecken – wenn man es denn hervorholt und (ein)spielt. Ein Beispiel sind die Sinfonien Nr. 5

This entry is part 1 of 5 in the series HörBar #180 – Sinfonisches
Weiterlesen
Vogler – Scala Sinfonie & Ouvertüren

Vogler – Scala Sinfonie & Ouvertüren

Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts durch Otto Jahns grundlegende Mozart-Biografie bekannt wurde, wie sich das Salzburger Genie über den in ganz Europa präsenten musikalischen Tausendsassa mokierte, verschwand auch das letzte von Georg Joseph Voglers Werken alsbald aus dem standardisierten Repertoire – nämlich seine dritte und letzte Sinfonie C-Dur, die mit ihrem kontrapunktisch angelegten Finale wohl als Replik auf Mozarts Jupiter-Sinfonie (KV 551) zu verstehen ist, am Ende dann aber doch die spielerische Dichte und Konzentration des Originals nicht annähernd erreicht. Auch wenn sich der Ruhm des Abbé Vogler (1749–1814), der

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #178 – V… (diverse)
Weiterlesen
Wind Serenades

Wind Serenades

Früher waren solche Alben im lokalen Fachhandel nicht sonderlich beliebt. Bei mehr als einem Komponisten gelangten sie rasch unter «Diverse» oder bei sehr guter Kuratierung in ein nach Gattungen sortiertes Regal. Für mich war das damals ein Eldorado, eine Fundgrube mit unerhörtem Repertoire. Wo aber wohl die Wind Serenades einsortiert worden worden? Unter Bläserkammermusik? Sinfonik? Joachim Raff schuf jedenfalls eine Sinfonietta (mit zahlreichen Mendelssohn-Anklängen) Gustav Schreck (1849–1918, zuletzt Thomaskantor in Leipzig) ein Nonett Divertimento und Salomon Jadassohn eine Serenade. Jede dieser Bezeichnungen trägt jeweils andere Topoi und satztechnische Implikationen in

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #176 – Harmoniemusik
Weiterlesen
Telemann – 1721

Telemann – 1721

Ob es früher den Menschen auch so erging, dass sie beim Schreiben des Datums eine Zeit lang aus Gewohnheit noch am alten Jahr festhielten? Jedenfalls handelt es sich beim «Anno Domini» nicht um irgendeine Zählung, sondern seit der Verschriftlichung auch des Alltags um Anhaltspunkte, Marksteine oder gar Einschnitte. Und häufiger als man vielleicht vermutet, dienen solche Jahreszahlen auch als Motto für ein Album – auch wenn die Kontexte oftmals unterschiedlich sind. Der 21. September 1721 war jedenfalls nicht nur für Hamburg, sondern auf sehr lange Sicht hin auch musikgeschichtlich ein

This entry is part 1 of 5 in the series HörBar #175 – Anno Domini
Weiterlesen
Cipriani Potter

Cipriani Potter

Obwohl sich in London bereits Ende des 18. Jahrhunderts ein lebhaftes öffentliches Konzertleben entwickelt hatte, waren Werke britischer Komponisten dennoch kaum präsent. Auch nach der Jahrhundertwende griff man eher auf die Partituren von Joseph Haydn zurück (insbesondere auf die sogenannten «Londoner Sinfonien»). Selbst die Gründung der Philharmonic Society im Jahre 1813 setzte zunächst kaum neue Akzente. Mit Ferdinand Ries war lediglich ein weiterer deutschsprachiger Komponist auf den Programmen vertreten. Erst die nachfolgende Generation mit George Alexander Macfarren (1813–1887) und William Sterndale Bennett (1816–1875) sollte sinfonisch eigenständig werden. Dazwischen stehen die

This entry is part 4 of 4 in the series HörBar #156 – Sinfonisches
Weiterlesen
Rosetti / L’arpa festante

Rosetti / L’arpa festante

Protestantische Kirchenmusik aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hat es schwer. Früher sprach man gar von einem «Niedergang» in jeder Zeit – vor allem gemessen an den Werken von Johann Sebastian Bach, die lange als einzige Referenz galten und tradiert wurden. Vergessen wurden in diesem Zusammenhang neben Bachs eigenen Zeitgenossen (so selbst Telemann!) auch die in Hamburg entstandenen Passionen von CPE Bach, der Tod Jesu in der Vertonung von Carl Heinrich Graun (Berlin, 1755) oder auch Werke von Antonio Rosetti (1750–1792). Nicht selten stößt man daher heute bei Einspielungen

This entry is part 3 of 4 in the series HörBar #152 – Passionen
Weiterlesen
Demantius / Ensemble Polyharmonique

Demantius / Ensemble Polyharmonique

Für gewöhnlich denkt man sich in der Kar-Woche die Passion Jesu Christi musikalisch in den Vertonungen von Johann Sebastian Bach – Kompositionen, die einem in ihrer Dramatik vertraut geworden sind. Dass seine Vertonungen des biblischen «Krimis» aber nur eine Möglichkeit darstellen, genauer: eine Möglichkeit aus den 1720er und 1730er Jahren, ist wohl nur wenigen bewusst. Denn es gibt geschichtlich ein «Davor» ebenso wie ein «Danach». Spätere Vertonungen (darunter die von Kurt Thomas, Ernst Pepping und Krzysztof Penderecki) sind vielleicht geläufiger als die frühbarocken Passionen von Johann Theile und Johann Meder

This entry is part 1 of 4 in the series HörBar #152 – Passionen
Weiterlesen