5. November 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

novembrig

novembrig
novembrig
Wer an den November denkt, dem kommt wahrscheinlich auch das Vergehen in den Sinn. Nicht von ungefähr ist Ende des Monats vom «Totensonntag» die Rede – dem Ewigkeitssonntag, dem Ende des Kirchenjahres. Es folgt nach alter Tradition dann im Dezember eine Fastenzeit – wo schon heute die Supermärkte an süßen Kalorien überquellen. November, das bedeutet: früher Nebel, fallendes Laub, feuchte Kälte, die in die Hosenbeine zieht, kürzere Tage, weniger Licht, ein Frieren in der Nacht, die irgendwann endet. Und die Freude an einem aufwärmenden Tee.

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Einen Schritt weiter geht Elsbeth Maag in ihrer mehrteiligen Dichtung novembrig aus den 1990er Jahren. Zunächst in Schweizer Mundart verfasst und für Chor mit Klaviertrio (Klarinette) vertont, entstand die hochdeutsche Fassung erst viel später; die Neuvertonung von Ulrich Zeitler (*1967) wurde 2020 abgeschlossen. Die neun Gedichte und Gesänge erzählen vom Abschied und vom Tod. Sie erzählen dies mit einer wirklich erstaunlichen Nähe und Hoffnung, vor allem für die, die bleiben: «womöglich / ist der Tod ganz klein / eine neue Vogelstimme / ein Flügelschlag / ein Schriftzug unterm Himmel.» Die Vertonung ist den Versen überaus angemessen. Zurückhaltend in der Diktion und doch klar in der Aussage, ganz ohne konservativen Einschlag, dafür eher dem Jazz verpflichtet, ohne beim Blues zu landen. Die Vertonung ist damit ebenso eigenwillig wie sie Worte – und sie macht Mut in einer Zeit, in der Grau in all seinen Schattierungen die vorherrschende Farbe am Himmel ist und das Laub auf den Wegen schwer zu werden beginnt.

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Ulrich Zeitler. novembrig für 5 Stimmen UND 5 Instrumente nach dem Gedichtzyklus von Elsbeth Maag
Ensemble fünf&fünf

Solo Musica SM 446 (2022)

HörBar #196 – Bäume im Herbst

Tālivaldis Ķeniņš – Sinfonien

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #196 – Bäume im Herbst

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