Johann Christian SchickhardtSchütz, Schein, Scheidt – Schubert, Schumann, Schönberg. Große Namen, die mit einem «Sch» beginnen, gab es in jeder Epoche. Es sind aber oftmals die so genannten «kleinen Meister», die mit ihren Werken die Musikgeschichte farbig gestalten – wie auch «große Meister» mit so manch unbekannter Komposition etwas Wunderbares neben dem breiten Weg schufen. Dass die Unbekannten gleichwohl Herausragendes schufen, zeigen bereits die sechs Sonaten für zwei Blockflöten, Oboe und Basso continuo von Johann Christian Schickhardt (1680-1762). Den Freuden der alten Editions-Reihe Hortus Musicus dürfte der Name noch sehr geläufig sein. Ich selbst erinnere mich an ein Concerto mit vier (!) Blockflöten, das einst mit großer Lust und Hingabe auch öffentlich musiziert wurde.
Werbung
Trotz der Drucke seiner Werke in Amsterdam (wie es zu Beginn des 18. Jahrhunderts üblich war) gibt der Lebensweg von Schickhardt einige Rätsel auf. Bereits 1710 publizierte er eine Flötenschule, bald danach eine (verschollene) Oboenschule. Die Sonaten op. 22 kamen um 1718 auf den Markt. Zu dieser Zeit ist der in Braunschweig geborene Schickhardt noch in Hamburg nachweisbar, später findet man ihn in London, dann in Leiden. Ohne eine bedeutende und wirksame Anstellung an einem Hof bleibt seine Biographie schemenhaft im Nebel der Geschichte. Die Werke müssen für ihn sprechen – und doch lernt man dann einen wahren Meister der Kammermusik kennen, der mit immer neuen Ideen eine faszinierende Melange aus weiten Melodien, fließenden Harmonien und kontrapunktischen Verwebungen schuf, die auch bei mehrfachem Hören immer wieder neue Farben und Aspekte offenbaren. Das Ensemble Epoca barocca setzt die Sonaten (drei von ihnen stehen in Moll) mit viel Spielfreude und Sinn für die charakteristischen Klänge um.
Werbung
Johann Christian Schickhardt
Sonate a quattro op. 22 für zwei Blockflöten, Oboe und Basso continuo
Epoca barocca cpo 555 450-2 (2021)
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.