30. Oktober 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Ottorino Respighi – a quattro mani

Ottorino Respighi – a quattro mani
Ottorino Respighi – a quattro mani
Was für ein herbstlicher Blick auf die Villa Falconieri! Das Bild wurde 1907 im impressionistischen Stil von Max Röder (1866–1947) gemalt. Damals befand sich das Haus noch in Privatbesitz des Bankiers Ernst von Mendelssohn-Bartholdy, einem Enkel des Komponisten, und war ein Zentrum der deutsch-römischen Gesellschaft. Nach der baldigen Schenkung an Kaiser Wilhelm II. wurde es 1921 vom italienischen Staat enteignet und erlitt im Zweiten Weltkrieg Bombenangriffe. Heute ist es (restauriert) nur noch unter verschiedenen Einschränkungen besuchbar.

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Irgendwie passt das Cover auch zu der einen hier eingespielten Originalkomposition und den von Ottorino Respighi (1879–1936) eigenhändig angefertigten Bearbeitungen eigener Werke. Die bereits 2016 erfolgte Einspielung (sie wurde erst 2020 veröffentlicht) liegt damit im anhaltenden Trend, nicht nur die sinfonischen Originale zum Klingen zu bringen (was aus verschiedenen Gründen immer seltener geschieht), sondern auch die Arrangements des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als vielfach eigenständige Fassungen wahrzunehmen. Genau so sah Respighi selbst auch seine Einrichtung der beiden römischen Tondichtungen Pini di Roma und Fontane di Roma, die er aus freien Stücken seinem Verleger anbot. Tatsächlich machen sie noch einmal ganz andere Aspekte der Partituren deutlich (ohne die Instrumentation eher die inneren Bezüge), wie auch die für Klavier zu vier Händen eingerichteten Suiten der Antiche Danze ed Arie, die im Arrangement überraschenderweise älter klingen. Das liegt aber auch an der gelungenen Interpretation von Francesco Caramiello und Gabriele Baldocci. Gespielt wird dabei auf einem Bechstein-Flügel, der Brillanz und einen runden Klang in der Tiefe veeint. Eine interessante Produktion.

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Ottorino Respighi. Le opere per pianoforte a quattro mani
Pini di Roma; Antiche Danze ed Arie per Liuto (Suite Nr. 1); Sei Piccoli Pezzi; Antiche Danze ed Arie per Liuto (Suite Nr. 2); Fontane di Roma;
Gabriele Baldocci, Francesco Caramiello

Tactus TC 871804 (2016)

HörBar #196 – Bäume im Herbst

Royal Handel – Eva Zaïcik

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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